Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

07. Dezember 2022

Search form

Search form

Psychiatriegeschichte und Hirnforschung

Psychiatriegeschichte und Hirnforschung© OeAW Elia Zilberberg

Österreichische Akademie der Wissenschaften vergibt Mannagetta-Preise an Historikerin Elena Taddei sowie an Neurowissenschaftler Gregor Gryglewski und Biochemikerin Polina Kameneva. Festakt würdigt auch Preisträger aus 2021.

(red/mich/cc) Franz von Ottenthal war ein selbstbewusster und politisch engagierter Landarzt im Tirol des 19. Jahrhunderts. Die Historikerin Elena Taddei hat sich eingehend mit seiner Biografie befasst, den Werdegang des Arztes sowie sein sanitätspolitisches Engagement erforscht. Taddei liefert dabei auch wesentliche Einblicke in das Arzt-PatientInnen-Verhältnis jener Zeit. Eine zentrale Rolle in ihrer Forschung spielt auch die Geschichte der Behandlung und Versorgung von psychisch kranken Menschen, für die sich Ottenthal nicht nur als Arzt, sondern auch im Rahmen seiner politischen Tätigkeit als Tiroler Landtagsabgeordneter einsetzte.

In Anerkennung ihrer Monographie „Franz von Ottenthal“ wird Elena Taddei nun vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck mit dem Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Preis für die Geschichte der Medizin ausgezeichnet. Der mit 7.000 Euro dotierte Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird an WissenschaftlerInnen bis 45 Jahre für herausragende Publikationen vergeben.

Neue Erkenntnisse in der Hirnforschung
Die ÖAW vergibt zudem auch einen mit 4.000 Euro dotierten Förderpreis für junge Wissenschaftler, deren Promotion nicht mehr als vier Jahre zurückliegt und die in der medizinischen Forschung tätig sind. Ausgezeichnet werden heuer der Neurowissenschaftler Gregor Gryglewski von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien für seine hervorragende Forschungsarbeit zur Transkriptom-basierten Parzellierung der Hirnrinde, um die regionale Anreicherung mit Gehirnerkrankungen assoziierter Gene zu untersuchen.

Die weitere Auszeichnung erhält die Biochemikerin Polina Kameneva vom Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien für ihre herausragende Leistung auf dem Gebiet der Neuroimmunologi. Kameneva konnte zeigen, dass Neuroblastome Zellpopulationen enthalten, die den Entwicklungsstadien menschlicher Sympathoblasten, Brückenzellen und chromaffiner Zellen ähneln. Diese Erkenntnis eröffnet eine neue Sichtweise darauf, dass die peripheren Nerven eine einzigartige Nische für Stammzellen während der menschlichen Entwicklung und möglicherweise bei Krebs darstellen. 

Weitere Preisträger aus 2021 und Geschichte der Preise
Mit dem Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Preis für Medizin, dotiert mit 15.000 Euro, wurde die Molekularbiologin Joanna Loizou bereits 2021 ausgezeichnet. Neben dem Preis für Medizin vergab die ÖAW im letzten Jahr auch den mit 4.000 Euro dotierten Förderpreis für junge WissenschaftlerInnen an den Neurowissenschaftler René Seiger, Medizinische Universität Wien, und den Biochemiker David Merle von der Medizinischen Universität Graz. Und die Historikerin Sabine Jesner von der Universität Graz erhielt im Vorjahr den mit 7.000 Euro dotierten Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Preis für die Geschichte der Medizin. Die feierliche Übergabe der Preise an die Preisträger/innen fand coronabedingt erst heuer statt.

Die Namen der Preise gehen auf Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta (1592–1666) zurück. Der Mediziner promovierte in Padua und war dann mehrmals Dekan der medizinischen Fakultät bzw. Rektor der Universität Wien. Zudem verfasste er eine Pestordnung und war Leibarzt von Ferdinand II., Ferdinand III. sowie Leopold I. Sein Grab befindet sich im Wiener Stephansdom. Im Jahre 1661 richtete er eine Stiftung ein, die bis heute besteht. Die Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Stiftung unterstützt die ÖAW bei der Finanzierung von Preisen in der Medizin sowie Stipendien in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

Links

red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 29.04.2022