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12. Juni 2024

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Österreichs Jugend wird möglicherweise nachdenklicher

Österreichs Jugend wird möglicherweise nachdenklicher© Saferinternet_OeIAT

Neuer Jugend-Internet-Monitor belegt Trendumkehr bei Nutzung von Social Media von Österreichs Jugend. Vor allem WhatsApp und YouTube haben massiv an Relevanz verloren. Zugelegt hat TikTok.

(red/czaak) Saferinternet hat auch heuer wieder die Social-Media-Favoriten von Österreichs Jugendlichen ermittelt. Auch wenn es an der Spitze nur geringe Verschiebungen gibt, zeigt sich eine geringere Nutzung von sozialen Netzwerken durch Jugendliche. Vor allem WhatsApp und YouTube haben massiv an Nutzerinnen und Nutzern verloren. Deutliche Zugewinne verzeichnet einzig die Instant-Foto-App BeReal.

„Soziale Medien bilden nicht immer die Realität ab“ unterstreicht das Bundeskanzleramt

Welche Sozialen Netzwerke werden von jungen Menschen in Österreich gerne genutzt? Gibt es einen Unterschied zwischen Mädchen und Burschen? Der Jugend-Internet-Monitor der EU-Initiative Saferinternet.at untersucht seit neun Jahren die Nutzung von sozialen Netzwerken der österreichischen Jugend. Die Datenerhebung wurde wieder vom Jugendstaatssekretariates im Bundeskanzleramt unterstützt und vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt. Befragt wurden 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren aus ganz Österreich.

„Die Studie zeigt einmal mehr, dass soziale Medien ein bedeutender Teil des Lebens junger Menschen sind. Gerade deswegen ist es uns wichtig, auch aufzuzeigen, dass soziale Medien nicht immer die Realität abbilden. Gemeinsam mit Saferinternet stellen wir ein umfassendes Service-Paket für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Vereine bereit“, erläutert Claudia Plakolm, Jugendstaatssekretärin (ÖVP) im Bundeskanzleramt.

Starke Verluste für WhatsApp und YouTube

Die Nummer eins der beliebtesten Internetplattformen österreichischer Jugendlicher ist auch in diesem Jahr WhatsApp (Nutzung insgesamt: 76 Prozent, davon 77 täglich), knapp gefolgt von Instagram (71) und YouTube (70, davon 51Prozent tägl.). Allerdings haben vor allem WhatsApp mit minus 20 Prozentpunkten und YouTube mit minus 24 Prozentpunkten massive Rückgänge zu verzeichnen. 

Durch die Vielzahl an Plattformen mit teilweise sehr ähnlichen Funktionen verlieren etablierte soziale Netzwerke bei den 11- bis 17-Jährigen zunehmend an Bedeutung. So findet die Kommunikation zwischen Jugendlichen längst auch über andere Kanäle statt. Vor allem bei den Jüngeren verliert auch YouTube immer mehr an Relevanz, da inzwischen alle großen Netzwerke auf die Einbindung von Videos setzen. Möglicherweise spielt auch die zunehmende Nutzung etablierter Plattformen durch Eltern und Großeltern eine Rolle. Um sich abzugrenzen, wandern Jugendliche verstärkt von großen Diensten zu neueren Plattformen ab, wo sie sich noch ungestört fühlen.

65 Prozent nutzen TikTok und das ergibt Platz vier vor Snapchat

Auf Platz vier des diesjährigen Jugend-Internet-Monitors landet TikTok: Die Video-App (Nutzung insgesamt: 65 Prozent, davon 72 täglich) konnte die Foto-Sharing-App Snapchat (insg. 61, davon 72 Prozent tägl.) erstmals überholen. Die beiden Netzwerke liegen jedoch weiterhin nah beieinander. Snapchat hat dabei im Jahresvergleich mit minus 8 Prozentpunkten den drittstärksten Verlust zu verzeichnen.

Weiterhin in den Top sechs vertreten ist die digitale Pinnwand Pinterest mit einer Nutzung von insgesamt 42 Prozent. BeReal konnte auch dieses Jahr weiter zulegen und landet mit dem größten Zuwachs von plus 13 Prozentpunkten nun auf Platz 8 (Nutzung insgesamt: 31 Prozent). Zulegen konnte auch X (vormals Twitter) mit plus sechs Prozentpunkten (Nutzung insgesamt: 24 Prozent). Wieder zurück in den Top 14 ist dieses Jahr Telegram mit einer Nutzung von insgesamt 18 Prozent. 

Weiterhin große geschlechterspezifische Unterschiede bei Social-Media-Nutzung

Wie der Jugend-Internet-Monitor 2024 ebenso zeigt, gibt es weiterhin in vielen Bereichen große Nutzungsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Mit 89 Prozent ist WhatsApp erstmals bei der weiblichen Zielgruppe deutlich beliebter als bei männlichen Jugendlichen (65 Prozent). Auch die Plattformen Pinterest (Mädchen: 53, Jungs: 31), Snapchat (Mädchen: 72, Jungs: 52), Instagram (Mädchen: 79, Jungs: 63) und YouTube (Mädchen: 76 Jungs: 65 Prozent) werden vor allem von weiblichen Jugendlichen genutzt.

Im Gegensatz dazu werden die aus dem Gaming-Bereich stammenden Plattformen Discord (Mädchen: 13 Prozent, Jungs: 48) und Twitch (Mädchen: 7, Jungs: 39) weiterhin von wesentlich mehr männlichen Jugendlichen genutzt. Auch X (Mädchen: 11, Jungs: 35) sowie die Messenger-Dienste Telegram (Mädchen: 10, Jungs: 25) und Signal (Mädchen: 11, Jungs: 26 Prozent) sind bei männlichen Jugendlichen beliebter. Eine Trendänderung lässt sich bei Roblox beobachten. Die Online-Spieleplattform wurde zuletzt von beiden Geschlechtern gleichermaßen genutzt, aktuell ist sie bei Jungs (28 Prozent) deutlicher beliebter als bei Mädchen (10). 

Generative Chatbots wie ChatGPT werden von Jugendlichen regelmäßig genutzt

Im Rahmen des Jugend-Internet-Monitors wurde auch die Nutzung von generativen Chatbots abgefragt, konkret ChatGPT. 71 Prozent der befragten Jugendlichen haben dieses Tool zumindest schon einmal genutzt, vor allem männliche Jugendliche (78). Auffallend ist, dass es keinen Unterschied zwischen der Altersgruppe der 11- bis 14-Jährigen (70) und der 15- bis 17-Jährigen (71) gibt. Genutzt wird ChatGPT vorrangig direkt auf der Plattform OpenAI (81 Prozent), gefolgt vom Snapchat-Chatbot My AI (28). Nur 8 Prozent nutzen ChatGPT über Microsofts Suchmaschine Bing.

Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es vor allem beim Chatbot My AI, der hauptsächlich von weiblichen Jugendlichen (41 Prozent, Jungs: 19) genutzt wird. Der Jugend-Internet-Monitor ist eine jährlich durchgeführte und repräsentative Studie im Auftrag von Saferinternet.at. Erhoben wird, wie und welche sozialen Netzwerke und Online-Plattformen von Jugendlichen (11 bis 17 Jahre) in Österreich genutzt werden und welche Veränderungen es in der Mediennutzung in dieser Bevölkerungsgruppe gibt.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 15.03.2024