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12. Juni 2024

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Laufend reduzierte Nachfrage nach Wohnbaukrediten

Laufend reduzierte Nachfrage nach Wohnbaukrediten© pexels/tima miroshnichenko

Euroraumweite Umfrage über aktuelles Wohn-Kreditgeschäft mit Ergebnissen für Österreich. Steigende Zinsen und unsichere Wirtschaftslage reduzieren Nachfrage im privaten Bereich. Betriebe weitgehend unverändert.

(red/czaak) Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2022 zurückgegangen, sie ist im vierten Quartal 2022 zurückgegangen – und sie dürfte, leicht abgeschwächt, auch im ersten Quartal 2023 zurückgehen. Die steigenden Zinsen und die unsichere Wirtschaftslage sind die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung. Die Kreditnachfrage von Unternehmen blieb im vierten Quartal 2022 weitgehend unverändert. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der vierteljährlich durchgeführten Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), wo alle größeren Bankinstitute nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen gefragt werden.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im vierten Quartal 2022 erneut zurückgegangen, nachdem sie bereits im dritten Quartal 2022 stark gesunken war. Für das erste Quartal 2023 gehen die befragten Banken von einem weiteren, aber nur mehr leichten Rückgang der Nachfrage aus. Damit geht eine lange Phase steigender Kreditnachfrage abrupt zu Ende. Als wesentliche Gründe für den Nachfragerückgang werden steigende Zinsen und die unsichere Wirtschaftslage genannt. Kredite sind teurer und weniger leistbar geworden, insbesondere im derzeit schwierigen Umfeld mit hoher Inflation und schwacher Konjunktur.

Nachfrage bei privaten Wohnbaukrediten im gesamten zweiten Halbjahr 2022 gesunken
Angebotsseitig blieben die bankinternen Richtlinien für Wohnbaukredite im vierten Quartal 2022 weitgehend unverändert. Im dritten Quartal 2022 war es noch zu deutlichen Verschärfungen gekommen, die mit der Risikosituation und den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen im Zuge der im August 2022 in Kraft getretenen „Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung“ begründet wurden. Die Margen für Wohnbaukredite blieben im vierten Quartal 2022 weitgehend unverändert und verharren damit weiterhin auf dem Niveau von 2021.

Die Kreditnachfrage von Unternehmen blieb im vierten Quartal 2022 weitgehend unverändert. Damit ist ein längerer Trend der steigenden Nachfrage nach Unternehmenskrediten im vierten Quartal 2022 zu einem Halt gekommen. Die Banken melden eine weiter hohe Nachfrage nach kurzfristigen Krediten im vierten Quartal 2022, während jene nach langfristigen Krediten gesunken ist. Die Nachfrage seitens großer Unternehmen ist im vierten Quartal 2022 weitgehend unverändert geblieben, jene seitens kleiner und mittlerer Unternehmen gesunken. Im Ausblick auf das erste Quartal 2023 wird eine weiterhin kaum veränderte Gesamtnachfrage erwartet und parallel eine erneut rückläufige Nachfrage nach langfristigen Krediten.

Expansive Nachfrageentwicklung bei Unternehmenskrediten im vierten Quartal 2022 gestoppt
Seit dem vierten Quartal 2021 ist der Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel der dominierende Grund für den Anstieg der Nachfrage insbesondere nach kurzfristigen Krediten. Der langfristige Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen war in den letzten beiden Quartalen sogar rückläufig. Diese Entwicklungen sind eine Folge des Ukraine-Kriegs und damit verbundener wirtschaftlicher Verwerfungen. Die Lieferkettenprobleme etwa gehen zwar zurück, die Erfahrungen der letzten Zeit veranlassen Unternehmen aber weiterhin, vorsorglich Lagerbestände aufzubauen, um produktions- und lieferfähig zu bleiben.

Umfassende Preissteigerungen haben generell den Liquiditätsbedarf der Unternehmen erhöht. Die unsichere wirtschaftliche Entwicklung bzw. die Abkühlung der Konjunktur wirken hingegen dämpfend auf die Nachfrage nach langfristigen Investitionskrediten. Die Banken haben ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite seit dem zweiten Quartal 2022 umfassend verschärft – hauptsächlich aufgrund einer ungünstigeren Risikoeinschätzung. Die bankinternen Kreditrichtlinien wurden strenger, die Margen wurden erhöht. Für das erste Quartal 2023 sind abermals strengere interne Richtlinien zu erwarten.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.02.2023