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14. April 2024

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Die Spätfolgen einer Krebserkrankung bei Kindern

Die Spätfolgen einer Krebserkrankung bei Kindern© pexels/mikhail nilov

2021 starteten Tirol Kliniken und Med Uni Innsbruck auf Betreiben der Kinderkrebshilf das Zentrum für onkologische Nachsorge für junge Erwachsene. Jetzt wurden erste Ergebnisse präsentiert und damit auch die nötige Fortsetzung der Einrichtung untermauert.

(red/mich/cc) Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, stehen mittlerweile die Heilungschancen meist sehr gut. Nach einer überstandenen Krebserkrankung sind die Kinder allerdings häufig mit Spätfolgen konfrontiert und diese beeinträchtigen die Lebensqualität der jungen Menschen mitunter massiv. 2021 starteten die Tirol Kliniken und die Medizinische Universität Innsbruck auf Betreiben der Kinderkrebshilf das Zentrum für onkologische Nachsorge für junge Erwachsene (ZONE).

Die vom Kinderonkologen Roman Crazzolara geleitete Sprechstunde war und ist am Comprehensive Cancer Center Innsbruck (CCCI) angesiedelt und wird von Tiroler Gesundheitsfonds und Landesgesundheitsfonds Vorarlberg mitfinanziert. Erste Ergebnisse und Zahlen aus dem Projekt bestätigen nun seine Notwendigkeit. An der Innsbrucker Uni Klinik für Pädiatrie I werden rund hundert krebskranke Kinder pro Jahr in der kinderonkologischen Abteilung betreut. 98 Prozent der kleinen PatientInnen mit Leukämie, der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern, überleben.

Nach dem Krebs ist nicht wie vor dem Krebs
Europaweit gibt es Angaben zufolge derzeit rund 400.000 vorab geheilte Kinder und dank stetig verbesserter Behandlungsoptionen werden sie immer mehr. Allerdings tragen diese Menschen eine hohe Gesundheitslast, die mit zunehmendem Alter schwerer wird. Auf Initiative der Kinderkrebshilfe Tirol haben Med Uni Innsbruck, Tirol Kliniken und die Länder Tirol und Vorarlberg 2021 auf diese Entwicklung reagiert und für eine vorläufige Laufzeit von drei Jahren das Zentrum für onkologische Nachsorge für junge Erwachsene (ZONE) eingerichtet. Erstmals wurde damit im Westen Österreichs ein strukturiertes Angebot zur onkologischen Nachsorge für junge Erwachsene geschaffen.

„Mittlerweile haben wir über 130 PatientInnen gesehen, wo wir im Rahmen eines Stufenprogramms ein Risikoprofil erstellen. Betroffene mit einem niedrigen Risiko für Spätfolgen werden nach fünf Jahren wieder einbestellt, jene mit hohem Risiko jedes Jahr“, skizziert Roman Crazzolara, Leiter von ZONE. Das Risiko ist maßgeblich von der Art der Erkrankung und Therapie sowie vom Zeitpunkt der Therapie abhängig. „Moderne Behandlungsmethoden sind weniger invasiv als etwa in den 1980er Jahren, wo es primär um das reine Überleben ging. Heute erreichen wir Top-Werte beim Überleben und es geht auch darum, wie man das erreicht“, betont Crazzolara.

Risiko maßgeblich von Art der Erkrankung und der Therapie abhängig
Erste Auswertungen ergaben nun, dass 92 Prozent der PatientInnen unter nennenswerten Spätfolgen leiden. Crazzolara schätzt, dass 20 Prozent von ihnen der Gruppe mit dem höchsten Risiko zugeordnet werden können. Die Folgen einer Tumorerkrankung können vielfältig sein und reichen von möglichen Traumatisierungen über Wachstumsstörungen bis hin zu erneuten Krebserkrankungen. Häufig handelt es sich auch um gesellschaftlich tabuisierte, aber durchaus behandelbare physische Langzeitfolgen, die dann in der Nachsorge zum ersten Mal überhaupt angesprochen werden. Dazu gehören etwa auch Sexual- und Fruchtbarkeitsstörungen.

Das ZONE erfüllt zudem den Wunsch vieler erfolgreich behandelter junger Menschen, den Übergang von der Kinderklinik in die Erwachsenenbehandlung zu erleichtern. Das ZONE als Meilenstein für die Kinderonkologie sieht auch Ursula Mattersberger, Obfrau der Kinderkrebshilfe für Tirol und Vorarlberg sowie Präsidentin der Österreichischen Kinderkrebshilfe: „Damit ist ein erster, großer Schritt gelungen. Die Survivors sind begeistert, dass es das jetzt gibt. Ein weiterer Ausbau des Angebots ist aber sicher noch notwendig. Mein Wunsch für die PatientInnen ist, dass sie ein Leben mit möglichst wenigen Spätfolgen und guten Zukunftsperspektiven führen können“, so die Expertin.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 21.02.2023