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20. September 2021

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Künstliche Intelligenz im internationalen Wirtschaftsrecht

Künstliche Intelligenz im internationalen Wirtschaftsrecht© Pexels.com/Pixabay 260024

Kanzlei DLA Piper setzt auf technologiegestützte Innovation im Bereich Compliance. Juristische Erfahrung und neue KI-Software sollen in Unternehmen insbesondere Kartellrisiken aufdecken.

(red/czaak) Kartellaktivitäten wie Preisabsprachen, Marktaufteilungen, Angebotsabsprachen, Informationsaustausch und kollektive Boykotte sind ein wachsender Risikobereich für Unternehmen quer durch alle Branchen. Seit 2000 verhängten allein die Wettbewerbsbehörden von EU, Großbritannien und den USA Bußgelder von über 43 Milliarden Euro an mehr als 1.100 Unternehmen. Technologische Entwicklungen, die zunehmenden Realitäten einer virtuellen Welt und der aktuelle Druck einer globalen Pandemie sind nun zusätzliche Fakten, die eine kontinuierliche regulatorische Aufmerksamkeit noch verstärken werden.

Das Risiko einer Verwicklung in Kartellaktivitäten
Viele Unternehmen verfügen über Compliance-Systeme, trotzdem besteht ein ständiges Risiko, dass Konzerne oder Tochtergesellschaften in Kartellaktivitäten verwickelt werden können. Die internationale Wirtschaftsrechtskanzlei DLA Piper kündigt nun den Einsatz von Aiscension an, ein auf künstlicher Intelligenz gestütztes Service zur Aufdeckung derartiger Kartellrisiken. Die Anwendung basiert auf einer vom Anbieter Reveal entwickelten speziellen Software (Anm. E-Discovery-Software1) und soll schnellere und genauere Ergebnisse als bei herkömmlichen Prüfungen ermöglichen. Final sollen Kartellbildungen erkannt oder verhindert werden – und damit die Compliance-Bemühungen eines Unternehmens entsprechend verbessert werden.

Automatisierte Analyse großer Datenmengen zu kartellrelevanten Themen
Operativ arbeitet Aiscension mit einem KI-Modell, das von den DLA Piper-Anwälten trainiert und in Zusammenarbeit mit Datenwissenschaftlern von Reveal optimiert wurde. Der primäre Fokus liegt dabei auf Untersuchung und Identifikation der elektronischen Kommunikation von Unternehmen, die auf Kartellverfahren hindeuten könnte. Im Wesentlichen geht es um die automatisierte Analyse großer Datenmengen, die für viele Formen von Kartellaktivitäten relevant sind – und eben Themen wie Absprache von Preisen oder Angeboten, Marktaufteilungen und kollektive Boykotte beinhalten. DLA Piper wird den Aiscension-Service als Teil seiner juristischen Dienstleistungen anbieten.

Dauerhafte Schädigung von Image und Ruf einer Firma
"Ein kartellrechtlicher Verstoß kann hohe Geldstrafen, strafrechtliche Sanktionen und eine dauerhafte Schädigung von Image und Ruf einer Firma bedeuten. Allein eine Untersuchung kann schwerwiegende Folgen haben, daher ist Vorsorge besser als Nachsorge“, sagt Claudine Vartian, Country Managing Partnerin und Kartellrechtsexpertin im Wiener Büro von DLA Piper. „Aiscension bietet unseren Klienten die frühzeitige Erkenntnis, ob sie Gefahr laufen, in potenziell illegale Aktivitäten verwickelt zu werden“, so Vartian. "Wir bauen kontinuierlich auf die Einführung mutiger und innovativer Produkte und Dienstleistungen durch unser erweitertes Rechtsangebot Law& und Aiscension ist ein weiteres Beispiel dafür“, unterstreicht Simon Levine, stv. CEO von DLA Piper International.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 22.03.2021