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27. Mai 2022

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Die ambivalente Entwicklung der Firmenübernahmen

Die ambivalente Entwicklung der Firmenübernahmen© pexels.com/ashish jaj

International starker Zuwachs bei Firmenübernahmen. In Österreich nur geringfügige Steigerung. Private Equity Investoren führen vor Special Purpose Acquisitions. Meiste Übernahmen in Immobiliensektor, vor Industriebranche.

(red/czaak) Die Weltwirtschaft läuft nach dem Corona-bedingten Rückgang im Jahre 2020 wieder stark an, so die Einschätzung der internationalen Berater von Ernst & Young (EY). Dieser Trend zeige sich auch am internationalen Markt der Firmenübernahmen (Anm. Mergers & Acquisitions/M&A), wo es 2021 neue Spitzenwerte bei Anzahl und Volumina gab. Getrieben wird dieser Höhenflug vor allem durch Private-Equity-Investoren und eine Vielzahl an sogenannten Special Purpose Acquisition Companies, das sind Firmenhüllen, die über einen Börsengang Geld einsammeln und dann in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren.

Fünf Übernahmen prägen den österreichischen Markt
Auf den österreichischen Markt hat dieser weltweite M&A-Boom bislang kaum Auswirkungen. Die Anzahl der Übernahmen mit österreichischer Beteiligung ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von 275 auf 293 gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg um 6,5 Prozent, ist allerdings immer noch um rund 11 Prozent weniger als in 2019, als es noch 35 Transaktionen mehr gegeben hatte. Die Transaktionsvolumina sind 2021 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 28 Prozent von rund 13 auf 9 Milliarden Euro gesunken.

Das Volumen wurde im Wesentlichen von den größten fünf Transaktionen getrieben, welche rund 70 Prozent des Gesamtvolumens ausmachten, während sich die übrigen rund 30 Prozent auf 35 weitere Deals aufteilten. Der Kauf von 50 Prozent der Selfridges Kaufhäuser (exkl. kanadischer Standorte) durch die Signa Holding um umgerechnet rund 2,35 Milliarden Euro sowie die Übernahme von einem 9,92 Prozent-Aktienpaket an der Erste Group Bank durch diverse Investmentgesellschaften um 1,5 Milliarden Euro.

Unternehmen organisieren sich neu
Dazu dann der Kauf von 33,6 Prozent an der CA Immobilien Anlagen durch die Starwood-Beteiligungsgesellschaft SOF-11 Klimt CAIS (ressortiert zur Starwood Capital Group) um 1,157 Milliarden Euro sowie die Übernahme von 80 Prozent der Schur Flexibles Holding durch die B&C Industrieholding um 720 Millionen Euro und der Kauf des polnischen Papier- und Kartonwerks International Paper-Kwidyzn durch Mayr-Melnhof Karton um 703 Millionen Euro. 

Das sind die Ergebnisse des aktuellen österreichischen M&A-Index der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für die Analyse untersucht EY halbjährlich alle veröffentlichten Transaktionen mit österreichischer Mehrheits- und Minderheitsbeteiligung. „Der weltweite M&A-Markt erreicht gerade ein Rekordhoch. In Österreich ist davon wenig zu spüren, hier nähern wir uns wieder langsam dem Vor-Corona-Niveau. Viele Unternehmen organisieren sich neu, halten Ausschau nach strategischen Übernahmezielen oder stoßen Unternehmensteile ab“, so Eva-Maria Berchtold, Leiterin Strategy and Transactions bei EY Österreich.

Strategische Investoren und der Österreichische Immosektor
Die überwiegende Mehrheit der Transaktionen in 2021 entfiel mit 276 Deals auf strategische Transaktionen (+ 16 Transaktionen ggü. 2020). Vergleichsweise nur 17 Transaktionen erfolgten durch Finanzinvestoren (Private Equity oder Venture Capital) mit österreichischer Beteiligung. In Österreich spielt privates Risikokapital eine unverändert untergeordnete Rolle. Mit 133 Deals (+ 32 Prozent) im Bereich „Inbound“ für 2021 haben sich ausländische Investoren verstärkt in Österreich engagiert. Von österreichischen Investoren wurden 2021 die Zahl von 104 M&A-Transaktionen angekündigt.

Bei der Anzahl der Transaktionen 2021 lag der Immobiliensektor mit 77 Deals vorne, gefolgt von Unternehmen aus dem Industriesektor mit 64 Deals sowie dem Technologiesektor mit 59 Transaktionen. Bei den veröffentlichten Transaktionsvolumina rangiert der Handels- und Konsumgütersektor mit 2,4 Milliarden Euro vor dem Immobiliensektor mit 2,2 Milliarden Euro auf Platz eins. Das ist vor allem auf den Kauf der Selfridges-Kaufhauskette durch die Signa Holding gemeinsam mit der thailändischen Central Group zurückzuführen, so die Ergebnisse der EY-Erhebung.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 18.01.2022