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14. April 2024

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Bessere Geschäftslage und Lieferketten plus weniger Inflation

Bessere Geschäftslage und Lieferketten plus weniger Inflation© pexels/tom fisk

Das deutsche ifo Institut beleuchtet in aktuellen Analysen die Autoindustrie und branchenübergreifend die Situation bei Materiallieferungen. Bei der Inflation wird weltweit ein Rückgang erwartet.

(red/czaak) Das in München (D) ansässige ifo Institut erhebt regelmäßig die Stimmungslage in deutschen Unternehmen. Aktuell wurden nun Berichte zu den Bereichen Autoindustrie sowie branchenübergreifend Materialverfügung und Lieferketten publiziert und dazu eine Einschätzung zum Thema Inflation. Beim Ausblick auf die Geschäftslage haben sich die Einschätzungen der deutschen Autoindustrie und ihrer Zulieferbetriebe verbessert.

Die Erwartungen sind zwar nach wie vor zurückhaltend, im Vergleich zur letzten Umfrage im September 2022, wo eine „massiv einbrechende Ertragslage“ erwartet wurde, jedoch deutlich positiver. „Die deutsche Autoindustrie insgesamt scheint heute besser aufgestellt zu sein als im Spätsommer 2022“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.
Zuversicht bei Autoherstellern und Entspannung bei Versorgung mit Vorprodukten

Die Zuversicht kommt vor allem bei den Autoherstellern zurück. Die Auftragslage stabilisierte sich und die Hersteller waren deutlich zufriedener mit ihrem Auftragsbestand. „Alle Autobauer leiden jedoch weiterhin unter einem Mangel an Vorprodukten“, sagt Falck. „Dadurch konnten einige Aufträge nicht abgearbeitet werden. Für die nächsten Monate erwarten sie mehr produzieren zu können.“

Vergleichsweise angespannt bleibt die Situation unter den Zulieferern. Hier bleiben die Indikatoren für Lage und Geschäftserwartungen auch im Dezember im Negativen. „Aber zumindest die Versorgung mit Vorprodukten entspannt sich“, erläutert Oliver Falck. Im Dezember berichteten nur noch 55 Prozent der Zulieferer von Problemen bei der Anlieferung von Rohmaterialien. Das ist der kleinste Anteil seit August 2021, so die ifo-Experten.

Branchenübergreifend merklich weniger Materialengpässe
Ebenso merklich entspannt hat sich die Lage beim Thema Material. Im Vergleich zu den Vormonaten ist das nun für weitere zwanzig Prozent der Firmen kein Problemthema mehr. Dies ist der dritte Rückgang in Folge. „Eine Auflösung der Engpässe scheint sich nun in vielen Branchen abzuzeichnen. Dies wird die Konjunktur in den kommenden Monaten stützen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. Wohlrabe weist aber auch auf die unsichere Corona-Lage in China hin mit etwaig neuerlichen Auswirkungen auf Materialverfügung und Lieferketten.

Generell aber ist die Anzahl der Firmen mit Materialengpässen in nahezu allen Branchen der Industrie gesunken. Vergleichsweise stark betroffen sind weiterhin der Maschinenbau und die Automobilbranche, wo jeweils rund 75 Prozent von Problemen berichten. In der Elektroindustrie sind es rund 63 Prozent. Das Papiergewerbe ist mit 11 Prozent gegenwärtig am wenigsten betroffen, so die Analysen der Experten vom ifo Institut.

Weltweiter Rückgang der Inflation
Beim bestimmenden Thema Inflation erwarten Wirtschaftsexperten aus aller Welt nun einen kontinuierlichen Rückgang. Das belegt der aktuelle Economic Experts Survey von ifo Institut und Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik. Demnach soll die Inflationsrate 2023 weltweit 7,1 Prozent erreichen, 2024 dann 5,8 Prozent und 2026 dann 4,5 Prozent. „Die Erwartungen zum Jahresbeginn sind ermutigend, weil die Experten im Vergleich niedrigere Inflationsraten sehen“, sagt ifo-Forscher Niklas Potrafke.

Runtergebrochen auf einzelne Kontinente und Länder erwarten die Experten in Westeuropa 5,4 Prozent, in Nordamerika 5,2 Prozent und in Südostasien 5,3 Prozent. Hier liegen die Inflationserwartungen für 2023 deutlich unter dem globalen Durchschnitt. Sehr hoch sind die Inflationserwartungen dagegen in Südasien (23 Prozent), in Südamerika (25 Prozent), in Nordafrika (32 Prozent) und in Ostafrika (knapp 35). An der Umfrage zum Thema Inflation nahmen laut ifo 1.537 ExpertInnen aus 133 Ländern teil.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 09.01.2023