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14. Dezember 2018

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Voller Vertrauen

Voller Vertrauenprivat

Wir improvisieren täglich. Denn nichts ist so unvorhersehbar wie das Leben. Improvisationstheater bringt diesen Prozess auf die Bühne: Aus dem Moment heraus entwickeln die Spieler Szenen und Geschichten – mithilfe von Themen aus dem Publikum und verschiedenen trainierten Fertigkeiten. Die Spieler fragen das Publikum beispielsweise nach einem Schauplatz für die nächste Szene. „Im Büro“ oder „auf dem Markusplatz in Venedig“ oder was auch immer wird zugerufen. Und dann geht es los: ohne gelernten Text, nicht wiederholbar, einmalig.
Improvisation ist nicht mit Chaos gleichzusetzen. Es gibt Strukturen und Spielregeln, die die Basis für das gemeinsame Spiel auf der Bühne schaffen – und diese lassen sich lernen. Die Voraussetzungen, um diese Kunst zu einem unterhaltsamen, mitreißenden Schauspiel zu machen, sind jenen Fähigkeiten ähnlich, die Führungskräfte und Teams benötigen, um erfolgreich zu arbeiten. Improvisation lebt vom Zusammenspiel des Teams. Das erfordert von den Spielern Offenheit, Spielfreude, aktives Wahrnehmen, eine bejahende Grundhaltung und das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit und die der anderen.
Die Schauspieler arbeiten mit dem, was vorhanden ist: den Vorschlägen des Publikums und den Szenenangeboten der Mitspieler, meist ohne Requisiten. Ein wichtiges Prinzip des Impro-Theaters lautet „glücklich scheitern“. Gemeint ist damit ein entspann­ter Umgang mit dem Unvollkommenen, die Erlaubnis, Fehler zu machen oder „falsche“ Entscheidungen zu treffen. Das hilft bei der Entwicklung von mehr Gelassenheit und setzt Energie frei, die zu außergewöhnlichen Entscheidungen und Geschichten führen kann. Das Wichtigste aber ist: Improvisationstheater macht Spaß – denen, die es spielen, und denen, die zuschauen.
Anita Zieher ist Schauspielerin und Kommunikationstrainerin.

Links

Anita Zieher, Economy Ausgabe 84-05-2010, 28.05.2010