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Image und Vertrauen im Journalismus. Zukunftsmodelle für unabhängige Medien.

Image und Vertrauen im Journalismus. Zukunftsmodelle für unabhängige Medien. ()Foto:

„Gfrast“, so die Antwort nach meinem Gruß unter Vorlage des Presseausweises im Gugginger Kunstmuseum. Keine Antwort und eine hingefetzte Pressekarte im Leopold Museum. Kein Einlass als Journalist in der Albertina – nur gegen Voranmeldung: „Zu viele missbräuchliche Verwendungen von Presseausweisen.“ Ein Kasernenton zwischen Kanzler-, Ministerbüros und Medien, der auch den Verlust von Vertrauen widerspiegelt. Persönliche Interventionen eines (damaligen) Ministers beim Herausgeber gegen eine Journalistin und ihre tendenziösen Berichte zeugen dazu von einem gestörten Verhältnis. Aber nicht nur in der Politik, auch Forschungs- und Wirtschaftsmanager fragen, ob sie „den Bericht vor Veröffentlichung noch zur Ansicht bekommen, es passieren oftmals Fehler bei der Wiedergabe“, und „das betrifft auch Zahlen und Fachtermini.“ Parallel hinterfragen viele Medien-Manager Qualität und Ökonomie in den Redaktionen. Der journalistische Berufsstand unterliegt großen Veränderungen. Jahrelange geschützte Werkstätten mit vielen, auch privat zur Verfügung stehenden Vergünstigungen und die Anbetung, als Meinungsmultiplikatoren die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen zu können, haben mehrheitlich die charakterliche Bodenhaftung beeinträchtigt. Kommerzieller Druck und internetgestützte Strukturen fördern Verunsicherung und Qualitätsverlust. Bildungsauftrag und demokratiepolitische Kontroll­instanz spielen kaum mehr eine Rolle.
Im Gegensatz zu Österreich denken die USA und Deutschland über die Zukunft von Medien nach. Ausgehend vom massiven Zeitungssterben in den USA wird in einem Reuters-Bericht vom März dieses Jahres ein demokratischer Senator zitiert, der ein eigenes Gesetz zur Wiederbelebung von Zeitungen schaffen will, indem diese wie Non-Profit-Organisationen behandelt werden: keine Steuern auf die Erlöse plus absetzbare Spenden für die Berichterstattung. Das Feuilleton der Zeit hat diese Entwicklung aufgegriffen und fünf Zukunftsszenarien der Medienforscher Stephan Weichert und Leif Kramp publiziert. Als erstes Modell werden Stiftungen erörtert, wo von reichen Personen und Unternehmen Geld kommen soll. Bei der Fazit-Stiftung für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, beim Scott-Trust für den britischen Guardian und bei der Sandler-Stiftung für das unabhängige Redaktionsbüro Pro Publica funktioniert das. An zweiter Stelle folgt ein öffentlich-rechtliches Gebührenmodell wie beim Rundfunk, nur mit kleineren Beträgen. Eine Art Nationalfonds für Qualitätsjournalismus. Drittens eine publizistische Förderung über eine gesetzlich geregelte Zugangsgebühr, die von allen Internet-Anbietern und Kabelnetzbetreibern bezahlt wird, um Urheberrechtsvergütungen pauschal abzugelten. Im vierten Modell dann Volksaktien und „Micropayments“. Für Ersteres dient die Berliner TAZ als Vorbild, wo Leser seit 1992 Anteile halten. Und unter dem Motto „Miete einen Journalisten“ werden gegen kleine Entgelte einzelne Reporter angeheuert. Der Leser bezahlt direkt für die Story. Das fünfte Modell wird mit einer bildungspolitischen Lösung gleichgesetzt. Die Idee basiert auf der Einbindung von Universitäten, Fachhochschulen und Medienakademien, welche ohnehin schon größtenteils aus Steuergeldern finanziert werden. Eine Art Bildungszentrale, mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet, wird als Clearing-Stelle zur Sicherung des Qualitätsjournalismus eingesetzt. Die Autoren abschließend: „Voraussetzung wäre, den Erhalt des Zeitungsjournalismus als bildungspolitische Aufgabe für eine demokratische Grundordnung zu begreifen.“
Ob die österreichische Politik diese bildungs- und demokratiepolitische Aufgabe begreift, erscheint fraglich. Schon der Werbeplan des Bundeskanzleramts für das heurige Jahr zeigt die Stoßrichtung: jeweils 30 Prozent für Krone und Österreich, 20 Prozent für Heute und die restlichen 20 Prozent für alle weiteren Medien.


Christian Czaak, Economy Printausgabe 76-09-2009, 25.09.2009 Artikel mailen
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