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16. October 2019

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„Die Zeit der Alleingänge ist vorbei!“

„Die Zeit der Alleingänge ist vorbei!“© Microsoft_Grayline

Microsoft demonstrierte auf der Hannover Messe ebenso einen neuen Schulterschluss zwischen IT-Dienstleister und Industrie. Der US-Software-Konzern konzentriert sich primär auf die Themen IoT und Cloud und zeigte mehrere Referenzen mit und von Industrie-Betrieben, darunter die neue IoT-Plattform mit der BMW-Group.

(Christian Czaak aus Hannover) Im Sinne einer digital unterstützen Verbesserung laufender Produktionen und einer parallel nötigen Einrichtung von Testumgebungen für neue Anwendungen bis hin zur Entwicklung neuer (digitaler) Geschäftsfelder, erkennen IT-Anbieter die Notwendigkeit, dass derartige Innovation über Partnerschaft und nicht über Wettbewerb entsteht. Neben Deutsche Telekom und T-Systems (siehe aktuelle economy-Berichte), zeigte auch Microsoft bei der Hannover Messe entsprechende Projekte. Der zentrale Fokus lag dabei auf IoT und auf Cloud (Anm. Microsoft-Azure) sowie auf offenen Standards mit entsprechender Operabilität (Anm. OPC-Twin).

Neue digitale Geschäftsfelder
Zum Thema intelligente Produktionsumgebungen und Fertigungen wurden mehrere bereits in Anwendung befindliche Referenzprojekte demonstriert, darunter etwa Industriebetriebe wie Osram, Zeiss, Electrolux, Vaillant und ABB oder Automobilkonzerne und Zuliefererbetriebe wie Toyota Material Handling Europe oder ZF Friedrichshafen. Die zwei österreichischen Unternehmen BWT („intelligenter Wasserspender“) und RHI Magnesita („automatisierte Wartung Brennöfen“) zeigten auf dem Microsoft-Stand in Hannover ebenso ihre Anwendungen im Bereich IoT und Cloud. Bei beiden Unternehmen unterstützt auch Kapsch BusinessCom die digitale Produktion und Automatisierung (economy berichtete).

„Die Zeit der Alleingänge ist vorbei, die Implementierung moderner Technologien in Unternehmen ist zu komplex. Wir fördern Innovationen über Partnerschaft und nicht über Wettbewerb“, so Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich anlässlich der Hannover Messe. Und: „Wir unterstützen Betriebe beim Aufbau digitaler Kompetenzen, damit diese selbst zu Anbietern von neuen digitalen Lösungen werden können“, betonte Ritz. Neben IoT und Cloud, wurde bei Microsoft in Hannover dann auch Arbeiten mit sogenannten Mixed Reality-Technologien demonstriert und erstmalig war auch die neuen HoloLens2 zu sehen.

Open Manufactoring von BMW und Microsoft
Ähnlich den bereits gestarteten IoT-Plattformen von T-Systems und SAP (siehe economy Berichte), kündigten Microsoft und BMW in Hannover die Entwicklung einer offenen Technologieplattform (Open Manufactoring Platform/OPM) zur Beschleunigung künftiger IoT-Entwicklungen über offene Standards und branchenübergreifende Communities an bzw. zur Überwindung bisheriger Einschränkungen von Produktionen durch komplexe, proprietäre IT-Systeme und Datensilos. Die OMP basiert auf der „Microsoft Azure Industrial Cloud Plattform“ als Referenzarchitektur mit Open-Source-Komponenten auf Basis offener Industriestandards und offener Datenmodelle, so Microsoft in einer Aussendung.

Mit derzeit mehr als 3.000 Anlagen, Robotern und autonomen Transportsystemen, die an die IoT-Plattform der BMW-Group angeschlossen sind und auf Cloud-, IoT- und AI-Diensten von Microsoft Azure basieren, will die BMW Group wichtige erste Anwendungsfälle in die neue OMP-Community einbringen. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz für die zweite Generation der autonomen Transportsysteme im BMW Group Werk Regensburg (D), einem von insgesamt 30 Produktions- und Montagestandorten weltweit.

Weitere Anwendungen und Unternehmen sollen dem Beispiel folgen
Angaben zufolge konnte die BMW Group ihre Logistikprozesse durch eine zentrale Koordination des Transportsystems deutlich vereinfachen und eine höhere Effizienz in der Logistik erzielen. Zukünftig werden derartige Anwendungsfälle wie digitale Feedbackschleifen, digitales Supply Chain Management und vorausschauende Wartung (Anm. Predictive Maintenance) innerhalb der OMP-Community bereitgestellt und weiterentwickelt. Dabei behält die BMW-Group die Rechte am bereits vorhandenen geistigen Eigentum und an den Daten ihres Unternehmens.

Die neue OMP ist die Weiterentwicklung der langjährigen Technologiepartnerschaft zwischen der BMW Group und Microsoft. Ein Advisory-Board soll bis Ende 2019 mit rund 6 Partner und 15 Anwendungsfällen in ausgewählten Produktionen im Einsatz sein und Microsoft und BMW „ermutigen branchenübergreifend andere Hersteller und Zulieferer sich der Plattform anzuschließen.“

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.04.2019