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22. Mai 2019

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Zwei Drittel nutzen Social Networks

Zwei Drittel nutzen Social NetworksPhotos.com

Vor wenigen Monaten hat die Facebook-Welle auch Österreich erfasst. My Space und Studi-VZ waren dagegen nur kleine Vorboten von einem Trend, den so kaum jemand voraussagen konnte. Eine umfassende Studie im Auftrag von Mobilkom Austria zeigt auf, wie Social Networking in der Alpenrepublik funktioniert und genutzt wird.

„Die Österreicherinnen und Österreicher nutzen vermehrt digitale soziale Netzwerke. Sie nutzen sie zusätzlich zu anderen Kommunikationskanälen, sehen sie als Bereicherung, sind sich aber auch der Risiken sehr wohl bewusst“, fasst Hannes Ametsreiter, Vorstandsvorsitzender von Mobilkom und Telekom Austria, zwei Haupttrends einer Untersuchung zum Thema Social Networking zusammen. Die Studie erhebt erstmals umfassend den Status quo der digitalen sozialen Beziehungen in Österreich und zeigt auf, welche Erwartungen die Nutzer daran knüpfen.
Allen Unkenrufen zum Trotz verdrängen Social-Networking-Plattformen traditionelle Kommunikationskanäle nicht, sondern ergänzen diese. „Die Studie räumt mit dem oftmaligen Vorurteil auf, dass das Netzwerken im Web Menschen sozial isoliert. Im Gegenteil: Sobald Social Networks im Spiel sind, verstärkt sich auch die soziale Interaktion über andere Kommunikationskanäle“, erläuterte Studienleiter Gereon Friederes, Geschäftsführer von Market­mind, im Gespräch mit Journalisten. Wer in digitalen sozialen Netzwerken aktiv ist, verzichtet keineswegs auf die Kommunikation via E-Mail, Gespräch, Anruf oder SMS.

Facebook führend
Beim Online-Netzwerken liegt Österreich knapp unter dem internationalen Schnitt: Weltweit geben, laut einer Universal-McCann-Studie, 64 Prozent der Internet-User an, persönliche Profile auf Social-Networking-Plattformen zu verwalten, in Österreich sind es 59 Prozent. Setzt international bereits fast ein Drittel (30 Prozent) Social Networks beruflich ein, sind dies in Österreich aber erst 18 Prozent.
Haben sie sich erst einmal auf einer Social-Networking-Plattform registriert, sind Österreicher dort häufig anzutreffen: 36 Prozent nutzen etwa Facebook zumindest einmal wöchentlich – international sind dies nur 23 Prozent. Zurückhaltender sind sie bei der Anzahl der Freundschaften. Hierzulande hat der Facebook-Nutzer durchschnittlich 70 Freunde, international sind es 120. „Die Österreicher sind keine Freunde-Sammler“, sagt Stephan Humer, Diplom-Soziologe und Forschungsleiter an der Universität der Künste Berlin, und liefert auch gleich eine Erklärung: „Für viele sind Social Networks eine neue Art des Kaffeehauses, ein Raum, wo man sich mit Menschen unterhält, die man kennt.“ Jüngere sowie intensive User haben am wenigsten Probleme damit, ihre Freundschaften öffentlich zur Schau zu stellen.
Von den 70 Personen, die durchschnittlich als Kontakte bestätigt sind, wird nur mit einem Viertel regelmäßig kommuniziert. „Social-Networking-Plattformen bieten ein zusätzliches Forum für die Kommunikation mit Partnern, mit denen man auch sonst regelmäßig in Kontakt steht“, erklärt Studienleiter Friederes. Für den (zusätzlichen) Einsatz von Facebook und Co.sprechen vor allem die geringere Aufdringlichkeit und die Effizienz in der Beziehungspflege.

Privatsphäre ist wichtig

Viele Österreicher kennen die Risiken von Social Networks und gehen bewusst mit ihren Daten um. Diese Rücksichtnahme gilt aber nur bedingt für die Daten anderer. „Bei sich selbst sind die User vorsichtig, andererseits geht aber die Sensibilität gegenüber der Privatsphäre anderer zurück“, erklärt Gereon Friederes. Als großen bis sehr großen Nachteil von Social-Networking-Plattformen beurteilen 76 Prozent möglichen Datenmissbrauch, 62 Prozent die Einsehbarkeit der Daten für Personal-Manager und 57 Prozent generell, dass viele persönliche Daten online zugänglich sind.
Immerhin sieben von zehn Internet-Nutzern haben massive Bedenken hinsichtlich Datenschutz und „Ausspioniert-Werden“. Im Detail betrachtet zeigt sich, dass es ein leichtes Altersgefälle gibt: Je älter, desto kritischer sehen Nutzer möglichen Datenmissbrauch. Angst vor der Einsehbarkeit von Daten für Personal-Manager haben hingegen eher die jüngeren Nutzer. Diejenigen, die Social Networks verwenden, sehen die Nutzungsbarrieren weniger nachteilig als Nicht-Nutzer. Humer: „Paradoxerweise scheint bei vielen Usern die Vorsicht zu schwinden, je mehr sie im Web unterwegs sind. Hier sind auch die Betreiber gefragt: Sie müssen ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen, die sich durch die Erschließung und Gestaltung neuer digitaler Räume ergibt, und insbesondere Jüngere und Heavy User noch mehr darüber aufklären, welche Folgen ihr Online-Verhalten haben kann.“
Unter den Netzwerkern im Internet sind Frauen überproportional häufig vertreten. 66 Prozent der österreichischen Frauen und 55 Prozent der Männer nutzen Social-Networking-Plattformen. „Während Frauen Social Networks in erster Linie für private Kontakte verwenden, setzen Männer solche Communitys weit stärker beruflich ein“, erklärt Gereon Friederes die Beweggründe.
Vor allem für die 14- bis 29-Jährigen sind diese Medien ein wichtiges Thema: 82 Prozent in dieser Altersgruppe nutzen die­se, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 57 Prozent und bei den 50- bis 60-Jährigen 34 Prozent. Die geschäftsorientierte Community Xing hingegen wird von den 30- bis 49-Jährigen am häufigsten besucht.
Je nach Altersgruppe unterscheidet sich auch die Motivation: Während jüngere User Social-Networking-Plattformen stärker zur Pflege von Freundschaften und sozialen Beziehungen sowie zur Selbstdarstellung einsetzen, überwiegen bei den 50- bis 60-Jährigen die Suche nach Informationen und der Aufbau von Wissen.

Economy Ausgabe 76-09-2009, 25.09.2009