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20. September 2021

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„Wirkliche Sorge um finanzielle Gesundheit der Frauen“

„Wirkliche Sorge um finanzielle Gesundheit der Frauen“© Pexels.com/Joslyn Pickens

Österreichs Frauen sind finanziell nach wie vor stark abhängig. Sie verdienen weniger als Männer und ihre durchschnittliche Pension liegt unterhalb der aktuellen Armutsgrenze, so eine aktuelle Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.

(red/mich/cc) Mit den Finanzen der Frauen in Österreich stehe es nicht zum Besten. Im Vergleich zu Männern verdienen sie um rund 20 Prozent weniger, ihre Teilzeitquote beträgt rund 48 Prozent und die durchschnittliche Alterspension der Österreicherinnen liegt bei (nur) 1.064 Euro im Monat, deutlich unter der Armutsgrenze von 1.259 Euro. 30 Prozent der Frauen sind entsprechend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Ihre finanzielle Unabhängigkeit ist für drei Viertel ein sehr großes Anliegen. 27 Prozent der Frauen würden mehr in Wertpapiere investieren, wenn sie mehr Wissen dazu hätten.

Diese Zahlen stammen allesamt aus einer aktuellen IMAS-Studie im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen. „Die vielen Faktoren, die Frauen in Österreich schlechter stellen als Männer, führen leider dazu, dass man sich hierzulande um die finanzielle Gesundheit der Frauen wirklich Sorgen machen muss“, resümiert Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank. „Es ist nicht einzusehen, dass vornehmlich Frauen die Kindererziehung übernehmen, aber dann die Versicherungsverläufe Lücken aufweisen und sich so niedrigere Pensionen und ein höheres Armutsrisiko ergeben“, betont Holzinger-Burgstaller.

Frauen sparen für den Nachwuchs, Männer für ihre Frauen
Laut der IMAS-Studie (Anm. Sample laut Angaben 1.350 ÖsterreicherInnen) ist für 77 Prozent der Frauen eine finanzielle Unabhängigkeit „sehr wichtig“. Für 82 Prozent der Frauen und 79 Prozent der Männer steht jedenfalls fest, dass ein besseres Finanzwissen heute ein absolutes Muss ist und entsprechend in Schule und Uni verankert werden sollte. Beim Thema Beratung sind Frauen mit 41 Prozent etwas offener als Männer (32 Prozent).

Sparen ist für Frauen tendenziell etwas wichtiger als für Männer. Am häufigsten sparen sie für ihre Kinder, Enkel oder Paten. Männer sparen dagegen häufiger für ihre Ehefrauen bzw. Partnerin. Corona-bedingt ist die Sparquote in den letzten zwölf Monaten deutlich angestiegen. Bei den Sparformen greifen die Österreicher weiter vor allem zu Sparbuch (Frauen 76 Prozent; Männer 71) sowie Bausparen und Lebensversicherungen. Wertpapiere nutzen laut der Studie nur 36 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer.

Wer spart verliert, wer veranlagt gewinnt
„27 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer würden mehr in Wertpapiere investieren, wenn sie mehr Wissen dazu hätten“, erläutert Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank. „Die Österreicher erkennen nunmehr, dass in den langen Niedrigzinsphasen mit dem Sparbuch wertvolles Geld verpufft. 2020 wurden bei uns 55.000 Wertpapier-Depots eröffnet, das Volumen ist auf 27 Milliarden Euro gewachsen und in Summe konnten wir letztes Jahr 26.000 neue Wertpapierkunden gewinnen“, ergänzt Schaufler.

Dass sich mit dem Sparbuch kein Geld mehr verdienen lässt, untermauert ein Vergleich: 10.000 Euro über 10 Jahre auf einem Sparbuch mit 0,28 Prozent Zinsen ergibt am Ende nominell 10.282 Euro. Berücksichtigt man nun auch die durchschnittliche Inflation von 1,64 Prozent über diese zehn Jahre, dann schrumpft der reale Wert am Sparbuch auf nur noch 8.633 Euro. „Einen Inflationsschutz oder Erträge, die darüber hinausgehen, dürfen Anleger heute nur mit Wertpapieren erwarten“, betont Schaufler. Und zum Thema Vorsorge für Frauen: „Frauen müssen sich finanziell besser aufstellen und aktiver für ihre Zukunft vorsorgen“ so Holzinger-Burgstaller.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.03.2021