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16. September 2019

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Bildung verlängert Leben

Bildung verlängert Leben© Bilderbox.com

Ein höheres Bildungsniveau eines Landes geht konform mit einer höheren Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung. Das zeigt eine internationale demographische Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

(red/czaak) Die Lebenserwartung hat in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen. Höhere Hygienestandards, bessere medizinische Versorgung oder erfolgreiche Therapien von Infektionskrankheiten sind einige Gründe dafür. Bisher wenig beachtet wurde die Frage wie und ob sich strukturelle Veränderungen in einer Bevölkerung auf die Lebenserwartung auswirken.

Ein Forschungsteam rund um Marc Luy vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat nun untersucht, wie sich Veränderungen in der Bildungsstruktur auf die Lebenserwartung auswirken. An der Studie mitgearbeitet haben auch Forscher der Sophia-Universität in Tokio und der Universität La Sapienza in Rom.

Studienzeitraum über zwanzig Jahre
Die Forscher analysierten die Entwicklung der Lebenserwartung in den USA, Dänemark und Italien über einen Zeitraum von 20 Jahren (1990/91 bis 2010/2011). Einbezogen wurden alle Männer und Frauen ab 30 Jahren, hier ist eine abgeschlossene Ausbildung wahrscheinlich.

Um die Daten standardisiert vergleichen zu können, wurden die Personen auf Basis der UNESCO-Klassifizierung der UNESCO in drei Ausbildungsgruppen unterteilt (Primary Education“, „Lower Secundary Education“, „Upper Secondary Education“). Der durch die bessere medizinische Versorgung bewirkte Anstieg der Lebenserwartung wurde von den Wissenschaftlern statistisch isoliert und von den Effekten der sich verändernden Bildungsstruktur getrennt.

Länderübergreifende Parallelen
Im Ergebnis hat der in allen drei Ländern ermittelte Anstieg des gesamtgesellschaftlichen Bildungsniveaus merklich zu einer höheren Lebenserwartung beigetragen. Ebenso in allen drei untersuchten Ländern ist rund ein Fünftel der Erhöhung auf die formal angestiegene Bildungsstruktur im jeweiligen Land zurückführen. In Italien zeichnet dieser Effekt des Bildungsgrads für 20 Prozent, in Dänemark für 22 Prozent und in den USA für etwa 18 Prozent des Anstiegs der Lebenserwartung verantwortlich.

In Jahren ausgedrückt ist die Lebenserwartung in Italien zwischen 1991 und 2011 durchschnittlich um 5,1 Jahre gestiegen und davon ist rund ein Jahr auf die verbesserte Bildungsstruktur zurückzuführen. Auch in Dänemark (+ 4,2 Jahre zwischen 1991 und 2011) ist ein Anstieg von rund einem Jahr aufgrund der verbesserten gesamtgesellschaftlichen Bildungsstruktur gegeben und in den USA (+ 3,8 Jahre im selben Zeitraum) von rund einem halben Jahr. Der Rest der höheren Lebenserwartung ist auf bessere Gesundheitsmaßnahmen zurückzuführen.

Bildungspolitik als Teil der Gesundheitspolitik
„Die Lebenserwartung ist ein äußerst komplexes Maß, das von vielen Faktoren abhängt. Unsere Studie zeigt aber, dass dieses Maß nicht nur die tatsächliche Sterblichkeit der Bevölkerung widerspiegelt, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Struktur nach dem Bildungsgrad, der sich seinerseits auf das Sterberisiko jedes einzelnen auswirkt“, erläutert Marc Luy, Demograph an der ÖAW.

Dass die Lebenserwartung beim Individuum mit jedem Jahr in der Ausbildung graduell ansteigt, sei schon länger bekannt. „Neu und überraschend ist aber die Erkenntnis, dass sich der durchschnittliche Bildungsstand eines Landes, also die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Bildungsgruppen, derart stark auf die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung auswirkt. Somit kann man Bildungspolitik gewissermaßen auch als Teil der Gesundheitspolitik betrachten“, unterstreicht Luy.

Die ÖAW-Studie kann damit auch als Grundlage für weitere Untersuchungen zum Zusammenhang von Bildung und Gesundheit dienen und etwa die Frage behandeln, ob sich Informationen über Prävention und Therapien in höher gebildeten Gesellschaften über alle Bildungsschichten hinweg besser verbreiten - oder ob es in solchen ein generell stärkeres Bewusstsein für gesunden Lebensstil gibt. Die Studie der ÖAW wurde aktuell auch im international renommierten Fachjournal „Genus – Journal of Population Sciences“ veröffentlicht.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 09.05.2019