Brief des Herausgebers zur Zukunft von economy.

Brief des Herausgebers zur Zukunft von economy. ()Foto:

Was vor fünf Jahren mit der ersten Ausgabe beim Forum Alpbach begonnen hat, soll allem Anschein nach hier wieder enden: Die weitere Publikation des economy-Magazins ist gefährdet. Die Wirtschaftskrise sorgt im dritten Jahr für rückläufige Werbeumsätze, und nun beendet auch die öffentliche Hand die Unterstützung. Beim Wissenschaftsministerium stoppt der neue Kabinettsleiter Peter Puller die mit Fachabteilung und Sektion für das ganze Jahr vereinbarten Auftritte. Die Rechtmäßigkeit der vorzeitigen Auflösung und der trotzdem in Anspruch genommenen Jahresrabatte für anfängliche Erscheinungen werden, entgegen der Hausmeinung, mit einer extern beauftragten rechtlichen Prüfung untermauert. Soll sein, die angenehme Zusammenarbeit der letzten Jahre mit vielen engagierten Fachabteilungen und Sektionen soll nicht von einer rechtlichen Auseinandersetzung überschattet werden. Die Niederungen von Peter Puller als ländlicher Experte für regionales Dirty Campaigning hat Anneliese Rohrer trefflich in der Presse (diepresse.com/blog/rohrer) beschrieben.

Abseits dieser Entwicklung gibt es aber auch medienpolitische Ursachen: Eine normale Presseförderung ist in Österreich für kleine Medien-Start-ups unerreichbar. Dazu eine österreichische Werbewirtschaft, die ein Publikumsmedium mit fachspezifischen Inhalten nicht versteht und nicht braucht. Auch wenn von Beginn an Leistungsfähigkeit bei Auflage und Zielgruppen von Auflagenkontrolle und Leseranalyse objektiv belegt wird. Eine Werbewirtschaft, die mittlerweile von Mediaeinkaufsagenturen gelenkt wird, die mehrheitlich dort buchen, wo es die größten monetären Boni gibt und für die qualitative Umfelder und wirklich junge Zielgruppen nicht (mehr) zählen. Dazu noch die bereits oft erörterte (Medien-)Politik mit der Hörigkeit von Bundeskanzleramt, SPÖ-Ministerien und SPÖ-Wien gegenüber den Boulevard-Medien. Horst Pirker, Styria-Boss und scheidender VÖZ-Präsident, ortete mehrmals „ein System, das wie Korruption aussieht und sich auch so anfühlt“. Diese Entwicklung ist auch ein demokratiepolitisches Signal: Unabhängige kritische Medien sind nicht gewünscht. Und Medien wie economy mit standortpolitischen Themen auch nicht – unvergessen die Antwort des Bundeskanzleramtes auf ein Werbeanbot: „Das economy-Umfeld mit Wirtschaft, Technologie und Innovation ist für das Bundeskanzleramt nicht interessant.“

Rückblickend ist auch eine selbstkritische Reflexion nötig: Die lange dauernde Findung der inhaltlichen Linie und die anfängliche Fehlbesetzung der Redaktion mit kollektivvertraglich überbezahlten Pressetextverwertungsschreibern kostete viel Substanz. Statt im Zeitungslayout hätte die Erscheinung von Anfang an als Magazin erfolgen müssen, die Bündelung der Finanzen auf Inhalt und Vertrieb hat das nötige Marketing sehr eingeschränkt. Nur Inhalt als Botschaft ist zu wenig, sie muss auch vermittelt werden. So nicht noch ein (werbliches) Wunder passiert, werden wir uns zukünftig auf unseren Online-Auftritt konzentrieren. Die Verbindung zu sozialen Netzwerken beginnt Früchte zu tragen. Positiv hat sich auch die Plattform economyaustria mit den externen Medienkooperationen entwickelt. Mit unseren langjährigen Partnern aus der IT-Industrie werden wir diese weiterforcieren. Danke an die Unternehmen für die bisherige Unterstützung. Wir werden als Plattform economyaustria weiterhin für die standortpolitisch entscheidenden Themen aus Innovation und Technologie stehen.


Christian Czaak, Economy Printausgabe 86-08-2010, 27.08.2010 Kommentar posten


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hut ab, allemal...

... für 5 jahre (fast) immer thematisch spannenden und inhaltlich in der tat fundierten und gut recherchierten journalismus.

wirklich schade

die Findung ist ja hervorragend gelungen. Die inhaltliche Qualität verdiente es ohne Förderung auszukommen

zu: nur pro-czaak kommentare online?

Find ich auch befremdlich, lieber Herr Puller.

Aber Sie müssten doch für so eine Vorgangsweise mehr Verständnis als jeder andere haben!

Fehlbesetzungen

Ein Chefredakteur, der angestellte Journalisten als "kollektivvertraglich überbezahlte Pressetextverwertungsschreiber" bezeichnet, ist vielleicht auch eine Fehlbesetzung.

Zum Thema kann man

nur eins sagen: In diesem Land sind Orchideen nicht gern gesehen, egal ob es sich um Fächer oder Blätter handelt.

Aber interessanterweise ist anscheinend Engagement für Innovation und Standortpolitik auch nicht gern gesehen. Ist das in dieser Trachtenrepublik schon wieder zu progressiv?

Anders gefragt: Ist die Bezeichnung Wissenschaftsministerium analog zu Orwell's Friedensministerium zu sehen?

Einstellung

Schade, es war jedenfalls ein Gewinn für Leser trotz der dünnen Luft in der sich das Magazin behaupten musste.
Hiermit alles Gute für die Online Version. Bin sicher, dass da einiges gelingen wird.

Schade

Es ist schade dass die Printversion nicht mehr erscheinen wird. Ich habe trotzdem nochmals ein Abo für ein Jahr bestellt. Vielleicht wäre es möglich ausgewählt Artikel einmalig pro Jahr in einer Printversion ersccheinen zu lassen.

schade und traurig

dass ein medium eingestellt werden muss, weil es einen journalisten-kv gibt und man gezwungen ist einen adäquaten lohn zu zahlen. aber zum glück hat das economy ja nur fest angestellte mitarbeiterInnen die alle über kv bezahlt sind und nicht nur freie autorInnen so ein glück aber auch

schade

ich werde die zeitung sehr vermissen. die pionierarbeit - einen öffentlichen raum für forschung und technologie zu schaffen - bleibt christian czaak trotzdem erhalten.

nicht dass ich es oft gelesen

nicht dass ich es oft gelesen hätte, wärs schad. und es kommen mir aspekte aus diesem brief sehr bekannt vor - siehe "darum nerven österreicher" (walter lendl)

danke für das für mich neue wort: Pressetextverwertungsschreiber.
90% dessen was mich interessiert, wird leider nur von solchen produziert, und das noch mit schlechtem übersetzungsvermögen.

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