Utopie von der „sauberen“ Stadt

Utopie von der „sauberen“ Stadt (EPA)Foto: EPA

Inmitten von Ölfeldern entsteht eine klimafreundliche Utopie der Superlative.

Liest man heutzutage etwas über Abu Dhabi, so geschieht das meistens im Zusammenhang mit Erdöl, Smog oder dem Kinostart einer moderat originellen US-Seifenoper. Dabei kommen aus dem arabischen Emirat auch durchaus erfreuliche Neuigkeiten. Durch intelligente Architektur und modernstes Hightech soll hier die erste emissions- und abfallfreie Stadt der Welt entstehen. „Grüne“ öffentliche Verkehrsmittel ersetzen Autos; Solaranlagen und andere erneuerbare Energiequellen sorgen für „sauberen“ Strom und Trinkwasser: Masdar City – die „Stadt der Zukunft“.
Das Prestigeprojekt soll künftig gut 50.000 Einwohner beheimaten sowie Sitz internationaler Firmen aus der erneuerbaren Energiebranche sein, die schlussendlich auch die Rentabilität des Projektes sichern sollen. Den Großteil der 22 Mrd. Dollar (circa 18 Mrd. Euro) umfassenden Kosten trägt die Regierung Abu Dhabis selbst. Das Projekt geht von der Abu Dhabi Future Energy Company (Masdar) aus, die wiederum der Mubalada Development Company angehört, einem staatlichen Investmentunternehmen.

Ehrgeiz mit Startproblemen
Kritiker vermuten hingegen eine naive Milchmädchenrechnung hinter der Stadtplanung. Zum einen wird stark bezweifelt, ob die CO2-Bilanz einer ganzen Stadt samt Einwohner überhaupt im Voraus berechnet werden kann. Zum anderen sollen eingangs so lange Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben worden sein, bis sich darunter schließlich ein günstiges Ergebnis fand. Inzwischen wurden einige Rechenfehler, beispielsweise beim Bedarf an Solaranlagen, entdeckt. Um Kosten zu sparen, wurden anstatt 120 Experten nur mehr die Hälfte engagiert, und auch in den Führungsreihen wechselten einige Gesichter. Die Fertigstellung wurde mittlerweile von 2016 auf 2020 umdatiert. Derlei Pannen waren ob der Ambitioniertheit des Projektes fast schon zu erwarten. Doch auch wenn der Fortschritt etwas schleppender daher kommt als geplant, so erwarten Experten kein Scheitern des Projektes.
Schlussendlich dürfte die Frage, ob Masdar City tatsächlich emissions- und abfallfrei wird, ohnehin sekundär sein. Viel wichtiger scheint auf lange Sicht das Zusammentragen von Expertenwissen, wie etwa durch das hier entstehende Hauptquartier der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena). Die geplante Universität, die sich ausschließlich der Erforschung erneuerbarer Energien widmen wird, wird ebenfalls ihren Teil zur Entstehung eines Forschungszentrums beitragen, das entsprechende nachhaltige Entwicklungen vorantreibt. Schließlich profitieren auch europäische Unternehmen davon – allen voran deutsche wie etwa Siemens und Bayer sind am Projekt beteiligt. Noch mag Masdar City nur aus Baggern und Baugruben bestehen. Doch schon bald könnte es das boomende Zentrum der Energiewende sein.


Emanuel Riedmann, Economy Printausgabe 85-06-2010, 25.06.2010 Kommentar posten


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