Staatshilfe für Risikokapital

Staatshilfe für Risikokapital (Robert Jäger/APA)Foto: Robert Jäger/APA

Peter Takacs: „Wir schlagen vor, eine Venture-Capital-Initiative zu starten. Wir würden für ein Viertel des Fonds Geld in die Hand nehmen und drei- bis viermal so viel an privaten Mitteln hebeln.“ Der Geschäftsführer des Austria Wirtschaftsservice (AWS) möchte staatliche Initiativen für mehr Risikokapital in Österreich setzen.

Banken gehen nicht gern Risiken ein. Doch Innovationen sind per definitionem riskant. Unternehmensgründer beklagen immer wieder den Mangel an Risikokapital in Österreich. Austria Wirtschaftsservice, die Förderbank des Bundes, möchte Bewegung in die Landschaft bringen.

economy: Ist es ein Kriterium 
für eine Förderung, ob eine Idee innovativ und kreativ ist?
Peter Takacs: Das ist natürlich ein Kriterium für die unternehmensbezogene Wirtschaftsförderung. Bei einer innovativen Idee kann mit höheren Förderungen gearbeitet werden.

Was ist innovativ?
Innovation ist ein breiter Begriff. Das kann ein neues Produkt sein, aber auch ein innovatives Warenwirtschaftssystem, das für ein Unternehmen einen Sprung nach vorn bedeutet.

Wissenschaftler, die innovative Ideen haben, sagen, dass es in den USA so leicht sei, zu Venture Capital zu kommen, und in Österreich so schwer.
Uns ist bewusst, dass es in den USA und in Kanada, aber auch in Frankreich viel leicheter ist, Venture Capital anzuziehen. Deshalb schlagen wir vor, im AWS eine Venture-Capital-Initiative zu starten. Wir wollen die Anstoßfinanzierer für einen Frühphasenfonds sein. Wir würden dabei für ein Viertel des Fonds Geld in die Hand nehmen und damit, wenn möglich, drei- bis viermal so viel an privaten Mitteln hebeln. Für so eine Konstruktion gibt es internationale Beispiele. In Großbritannien ist ein großer Technologiefonds so gehebelt worden. Mit umgerechnet 30 Mio. Euro wurden 150 Mio. Euro privates Kapital in Frühphasenfonds bereitgestellt. Auch in Finnland gibt es solche Modelle.“

Warum gibt es in Österreich so wenig Risikokapital?
Unternehmen in Österreich waren immer schon über Bankkredite finanziert. Banken gibt es hier ja genug. Venture Capital ist eine eigene Industrie, die in den USA entstanden ist. Und zwar mit staatlicher Unterstützung. Risikokapitalfonds sind dort in den 1950er Jahren hochgekommen, der Staat hat Zuschüsse getätigt und die Fondsmanager zertifiziert. Dieses Modell könnte und sollte man in Österreich duplizieren.

Warum ist das noch nicht passiert?
Wir sind daran gescheitert, weil die Regierung gescheitert ist, bevor wir das Projekt zu Ende verhandelt haben. Im neuen Regierungsprogramm sollte ein dementsprechender Passus enthalten sein.

Wie viele Anfragen auf Förderung lehnen Sie ab?
Das kommt auf die Phase der Einreichung an. Bei Pre-Seed-und Seed-Geldern (Vorfinanzierung, Anm. d. Red.) haben wir eine hohe Ablehnung. Auf zehn Unternehmen, die wir unterstützen, kommen hundert, deren Ideen wir nicht fördern.

Ein auf Fotovoltaik spezialisierter Chemieprofessor an der Universität in Berkeley beobachtet, dass es dort eine neue Generation von Studierenden gibt, die voller Enthusiasmus die Energieprobleme der Menschheit lösen wollen. Sie streben keine Universitätskarriere an, sondern gründen Unternehmen. Gibt es auch in Österreich eine Welle von unternehmensgründenden Weltverbesserern?
Die Idee, ein Unternehmen zu gründen, ist sicher stärker geworden. Doch man geht nicht von der Universität weg. Man hat eine Doppelfunktion: Professor an der Uni – und daneben Unternehmer. So ein Halbsicherheitsdenken.

Gibt es verstärkt Gründungen im Bereich Energietechnik?
Energie ist seit zwei Jahren ein Thema. Da geht es um Solarzellen, aber auch um eher bodenständige Verbesserungen wie bessere Kupplungssysteme bei Wärmepumpen. Österreich war immer schon gut in Umwelttechnologien. Doch das Bewusstsein bei Energiefragen ist erst jetzt breitflächig da. Es gab auch früher gute Ideen und Innovationen, aber wenn der Markt dafür nicht vorhanden ist, ist es schwierig.

Welche Schwerpunkte hat das AWS noch?
Biotechnologie ist von der Regierung sehr forciert worden. Es gibt einen Biotech-Cluster in mehreren Bundesländern.

Wie alt sind die Leute, wenn sie Unternehmen gründen?
Im Bereich Hochtechnologie sind es meist gestandene Professoren. Forscher, die sich an der Universität bewährt haben und nun eine Idee weiterspinnen und den Markttest machen. Ein Beispiel ist Lumitech, der Staatspreisträger für Innovation 2007. Lumitech entwickelt Glühbirnen auf LED-Basis. Das ist eine Innovation, die zu breitflächigen Energieeinsparungen führen kann. Der Unternehmensgründer ist nach wie vor Professor an der TU Graz.

ZUR PERSON
Peter Takacs ist seit 2002 Geschäftsführer des damals neu gegründeten Austria Wirtschaftsservice (AWS). Er leitete bereits die Vorgängerorganisation FGG. Foto: Robert Jäger/APA


Margarete Endl, Economy Printausgabe 67-12-2008, 01.12.2008 Kommentar posten


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