Seilbahnkompetenz im Blut

Seilbahnkompetenz im Blut (Doppelmayr)Foto: Doppelmayr

Die Faszination Seilbahn liegt Doppelmayr-Mitarbeitern im Blut. Das Vorarlberger Unternehmen musste trotzdem Personal abbauen, wenn auch sozial verträglich. Der Seilbahn- und Liftbauer im Porträt.

Die Marke Doppelmayr, der Seilbahnbauer aus Wolfurt in Vorarlberg, hat in Österreich einen Bekanntheitsgrad, wie ihn sonst wohl nur große Marken weltweit haben. Kaum ein Österreicher ist noch nicht in einer Gondelbahn von Doppelmayr gesessen und hat sich gefragt: „Wie funktioniert das alles so reibungslos, und – vor allem – wie kommt überhaupt das Seil auf die Stützen?“
Genau das scheint eine der meistgestellten Fragen an das Unternehmen zu sein, da sie auf der Website zuvorderst beantwortet wird: „Dieser Vorgang beim Bau einer Seilbahn nennt sich Seilzug. Da man nicht direkt mit dem sehr schweren und dicken Seil beginnen kann, wird zuerst ein dünnes und leichtes Hilfsseil händisch, mit Seilwinden oder auch per Hubschrauber auf die Seilbahn gezogen. Dann wird ein dickeres Seil an das dünnere Seil gespleißt oder geknotet und in weiterer Folge mittels Seilwinde nachgezogen. Dieser Vorgang wird mit immer größeren Seilen so lange wiederholt, bis das endgültige Seil mit dem richtigen Durchmesser auf den Rollenbatterien der Seilbahnstützen liegt.“
Wirtschaftlich steht das Unternehmen laut Unternehmenssprecher Ekkehard Assmann solide da. Da sprechen die Unternehmenszahlen für sich. Bis Ende März kommenden Jahres werden dennoch konzernweit 100 Mitarbeiter abgebaut, davon 65 am Stammsitz in Wolfurt. Die Auftragslage für 2010 und die Prognosen für 2011, besonders für Nord­amerika, seien weiter rückläufig, begründete Assmann die Maßnahme. Betroffen sind Mitarbeiter quer durch alle Bereiche. Bereits im März 2009 baute das Unternehmen 20 Beschäftigte am Hauptsitz ab. „Die Wirtschaftskrise trifft uns stärker als angenommen“, so Assmann. „Wir sind aber aber sehr erfolgreich dabei, unsere Mitarbeiter in anderen Unternehmen oder Zulieferern der Umgebung unterzubringen.“
Zwar sei der österreichische Markt stabil und auch die Märkte in Italien, der Schweiz und Frankreich sollen sich im Rahmen der vergangenen Jahre bewegen, doch gebe es große Probleme in Nordamerika, so Assmann. In den USA und Kanada bremse die Immobilienentwicklung auch jene in den Skigebieten. Man verzeichne starke Rückgänge, eine Erholung sei nicht in Sicht. „2008 haben wir noch um die 15 Seilbahnen im nordamerikanischen Raum gebaut, heuer sind es vier“, verdeutlichte Assmann.
Auch im osteuropäischen Raum, der sich in der Vergangenheit als Wachstumsmarkt erwiesen hatte, gab es Einbrüche. Hier wirke sich das zögerliche Investitionsverhalten negativ aus. Durch die weltweit vorsichtigere Vergabe von Krediten werde die Finanzierung schwieriger. Einige Projekte seien auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dennoch arbeite man weiter an einigen Großprojekten, etwa an der Standseilbahn im amerikanischen Las Vegas und der Seilbahnaufrüstung im russischen Sotschi für die Olympischen Winterspiele 2014.

Cable Liner für Wien
Aber auch in Wien soll ein sogenannter Cable Liner die fehlende direkte U-Bahn-Anbindung an den zukünftigen Hauptbahnhof (derzeit noch Südbahnhof) wieder wettmachen. Assmann: „Wir haben zwar von den Plänen gehört. An uns ist aber noch niemand herangetreten beziehungsweise ist uns noch keine Ausschreibung bekannt.“ Ob der Bau in Wien sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt und muss Experten überlassen werden, die noch darüber sinnieren. Das Konzept Cable Liner hat sich aber neben Las Vegas auf vielen Flüghäfen der Welt oder auch in Caracas bewährt.
Doch nicht nur Cable Liner ergänzen die Gondelbahnen, Sessel- und Schlepplifte. Doppelmayr baut mit Rapecon eine Mischung aus Seilbahn und Förderband, mit der beim Transport zum Beispiel auf der Insel Simberi in Papua-Neuguinea Golderz durch den undurchdringlichen Dschungel ins Tal transportiert wird. Der Clou: Durch die Schwerkraft wird Strom erzeugt.
Innovation wird im Hause Doppelmayr großgeschrieben. Einzigartig ist wohl die Tatsache, dass es keine Forschungs- und Entwicklungsabteilung gibt. Assmann: „Unsere Mitarbeiter leben die Innova­tion in den Projekten. Dort werden sie mit jedem Projekt vor neue Herausforderungen gestellt.“ So entstanden in den letzten Monaten und Jahren die Sitzheizung für Sessellifte, der berührungslose Rope Position Detector (RPD), der frühzeitig erkennt, wenn ein Seil aus den Rollen zu gleiten droht, oder „simple“ Dinge wie eine orange Kuppel bei Sesselliften für eine bessere Sicht.
Das alles sei laut Assmann auf die – wenn auch durch die weltweite Wirtschaftslage getrübte – Motivation der Mitarbeiter zurückzuführen: „Doppelmayr-Mitarbeiter sind Seilbahner aus Leidenschaft.“ Weltweit sind dies rund 2600, in Wolfurt 1000. Bleibt diesen in China, Frank­reich, Kanada, Italien, Spanien, Österreich, der Schweiz und den USA Beschäftigten zu wünschen, dass keine weiteren Kündigungen in nächster Zeit ins Haus stehen.


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Klaus Lackner, Economy Printausgabe 75-08-2009, 21.08.2009 Kommentar posten


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