Private Vorsorge sei Dank

Private Vorsorge sei Dank (Zeichnung: Kilian Kada)Foto: Zeichnung: Kilian Kada

Die Zwei- oder eigentlich Dreiklassenmedizin ist längst Realität.

„Eine Zweiklassenmedizin gibt es in Österreich nicht. Jeder Patient wird gleich behandelt. Es gibt keine Bevorzugung, keine differenzierte Behandlung, und jede Korruption in Hinsicht auf Operationstermine oder die Finanzierung und Auslastung von teuren Geräten wird strafrechtlich verfolgt und ist bei uns nicht die Regel.“
Egal ob Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) oder seine Vorgängerin Andrea Kdolsky (ÖVP), die Basisaussagen aus dem Bundesministerium für Gesundheit klingen seit Jahren gebetsmühlenartig in den Ohren der Patienten. Eigentlich haben die beiden recht, mittlerweile sprechen Experten in Österreich und der EU nicht von Zweiklassenmedizin, sondern greifen bereits zum Neo-Begriff „Dreiklassenmedizin“. Niemand, der selbst in die Verlegenheit kam, bedingt durch eine dringende medizinische Maßnahme unser oder das EU-Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen, wird bestreiten können, dass Patienten niemals gleichwertig und ungeachtet ihrer finanziellen und versicherungsbedingten Möglichkeiten behandelt werden. Das Gegenteil ist flächendeckend die Norm. Heute wird unter Selbstzahlern, Zusatz- oder privat versicherten Patienten und dem „Kassenpöbel“ unterschieden. Leute, die im Skiurlaub verunglücken, können diese Zeilen ebenso blind unterschreiben wie jene, die dringend eine spezielle Operation, Untersuchung oder Behandlung benötigen.

Abseits der Kassen

Auch ich habe dies deutlich erfahren. Ich war heilfroh, umfassend vorgesorgt zu haben, als es um die Wahl des durchführenden Topchirurgen, der bestgeeigneten Privatklinik, der Versorgungs- und Medikationsschritte, der einer Haubenküche ähnelnden Verpflegung und um das Einzelbettzimmer inklusive absoluter persönlicher Mündigkeit und 24-Stunden-Service für Besucher und Angehörige ging. Von Nachbehandlung, Physiotherapie und dergleichen gar nicht zu reden. Das Zücken einer Card wirkte Wunder.
Hätte ich mich auf die Pflichtkasse verlassen, hätte ich länger auf den OP-Termin, einen Assistenzarzt eines x-beliebigen Spitals oder auf Folgetherapien ohne freie Wahlmöglichkeit der Spezialisten gewartet. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Kassen in banger Erwartung staatlicher Hilfspakete am Rande des Bankrotts dahinvegetieren, muss ich daher allen, die es sich nur irgendwie noch leisten können, dazu raten, rasch eine private oder umfassende Zusatzkrankenversicherung abzuschließen.
Natürlich ist unser Gesundheitssystem nicht kaputt und die Basisversorgung für jedermann ausreichend gewährleistet. Natürlich ist eine private Vorsorge eine reine Kosten- und Leistbarkeitsfrage. Das Leben ist dabei leider sozial ungerecht, und einige fallen immer durch das Netz der Möglichkeiten. Generell müssen die Menschen jedoch realisieren, dass Eigeninitiative nun nicht nur bei der Pensionsvorsorge oder Jobwahl, sondern vor allem beim Thema Gesundheit mehr denn je gefragt ist.


Mario Koeppl, Economy Printausgabe 70-02-2009, 27.02.2009 Kommentar posten


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