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zur Startseite "Wirtschaft"Glückspillen für Traurige
Foto: Fotolia.comImmer mehr Menschen in Österreich nehmen Psychopharmaka, beklagt der Hauptverband der Sozialversicherungen. Der Umkehrschluss: Offenbar leiden immer mehr Österreicher unter Depressionen, und/oder die Ärzte gehen mit den Verschreibungen immer leichtfertiger um.
Beides trifft zu. Erich Laminger, noch bis vor Kurzem Direktor des Hauptverbandes, ortete in den letzten Jahren anlässlich der Präsentation der Verbandsbilanzen noch jedes Mal eine signifikante Zunahme in diesem Bereich, so auch für 2008. Bemerkensweit sei, so Laminger, dass vor allem die Verschreibungen für Kinder zugenommen hätten, was ein weiterer Beleg für den „weit verbreiteten, erstaunlich unbedachten Einsatz von Psychopharmaka“ sei. Für den Hauptverband und seinen neuen Chef Hans-Jörg Schelling ist dies signifikant, da der Großteil der überstrapazierten Verbandsausgaben in den Medikamentenbereich fließt.
In Österreich leiden laut Daten der Weltgesundheits-organisation rund 800.000 Menschen unter Depressionen, das sind immerhin fast zehn Prozent der Bevölkerung. Allein in Wien sollen es 200.000 sein, für die die Gebietskrankenkasse gemäß deren letzten Daten von 2007 rund eine Mio. Packungen Antidepressiva im Jahr finanzierte. Das Problem dabei: Viele der Präparate, vor allem missbrauchsanfällige Tranquilizer, werden von psychiatrisch nicht erfahrenen Hausärzten verschrieben. Damit werden zwar die Symptome der Patienten gelindert, die depressive Erkrankung als Ursache für den Medikamentenbedarf bleibe aber bestehen, sagen Psychiater.
Kein Wunder also, dass der österreichweite Umsatz mit Arzneimitteln gegen psychische Krankheiten und Beschwerden dem Trend in den westlichen Industrieländern folgt und weiterhin steigt: Psychopharmaka stehen bereits an zweiter Stelle hinter Krebspräparaten, erhob der Medizin-Datendienst IMS Health. Antipsychotika und Antidepressiva erreichten laut IMS-Health-Zahlen 2007 einen weltweiten Umsatz von 40,4 Mrd. Dollar.
Die populärsten Pillen sind Zyprexa, Risperdal und Seroquel. Allein mit Seroquel setzte Hersteller Astra-Zeneca 2007 4.6 Mrd. Dollar um. Und die Generikafirma Gergot von Österreichs Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) hat eine Patentklage am Hals, weil sie mit dem Seroquel-Wirkstoff zu früh Kasse machen wollte.
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