Fröhliches Jobben in ganz Europa

Fröhliches Jobben in ganz Europa (Photos.com)Foto: Photos.com

Arbeitskräfte sollen künftig mobiler werden (dürfen) und damit Europa eine bessere Zukunft bescheren. Denn langfristig wird es einen
Arbeitskräftemangel geben. EU-Maßnahmen wie die „Blue Card“ sollen Abhilfe schaffen.

Deutsche Ingenieure in Spanien, polnische Tischler in Österreich, Wissenschaftler-Austausch quer durch Europa – keine Seltenheit, aber noch lange nicht die Regel. Das soll sich ändern, wenn es nach den Wünschen von EU-Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla geht. Denn Mobilität sei förderungswürdig, ist Špidla überzeugt. Langfristig wird es in Europa einen Arbeitskräftemangel geben: Bis zum Jahr 2015 wird sich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter halbiert (!) haben. Zwischen 2010 und 2030 wird es zu einer Reduktion von 20 Mio. Arbeitskräften kommen, wenn nicht große oder veränderte Einwanderungswellen stattfinden, so sehen die Prognosen laut einer aktuellen EU-Studie aus.

Hilfe in Krisenzeiten
Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sind flexible, mobile Arbeitskräfte enorm von Bedeutung und helfen, die schwierigen Zeiten besser zu überstehen. „Alles deutet darauf hin, dass sich Wirtschaften mit mobilen Arbeitskräften viel besser von wirtschaftlichen Problemen erholen können als Länder mit starren Arbeitsmarktstrukturen“, erklärt Špidla. Eine mobile Wirtschaft könne sich besser an Veränderungen anpassen, mobile Arbeitskräfte könnten leichter in anderen Regionen oder Branchen tätig werden und so die Wirtschaft wieder ankurbeln.
So weit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Obwohl sich die EU seit dem Jahr 2006, dem EU-Jahr der „Arbeitskräftemobilität“, vehement für eine Verbesserung einsetzt, hat sich bis dato wenig verändert. Zu groß sind die Mobilitätshindernisse: An erster Stelle stehen wohl fehlende Sprachkenntnisse, soziale Bindungen und finanzielle Kriterien, denn ein Umzug beziehungsweise neue „vier Wände“ kosten schließlich viel Geld. Aber auch Unterschiede in den Steuersystemen, in der Kranken- und Pensionsversicherung, das Fehlen einer EU-einheitlichen Arbeits- und Sozialgesetzgebung und die noch sehr lückenhafte zwischenstaatliche Anerkennung von beruflichen Qualifikationen wirken abschreckend. Die EU-Kommission verfolgt dennoch weiter ihre Strategie – wenn auch langsam. Bereits 2006 wurde das europäische Bewerbungsportal Eures eingeführt. Diskussionen um eine „Blue Card“ ähnlich der US-amerikanischen „Green Card“ gab es schon lange. Nach zähem Tauziehen wurde die Einführung der „Blue Card“ im Juni vergangenen Jahres vom EU-Ministerrat beschlossen. Sie ist aber nur eine EU-weite Arbeitsgenehmigung für hoch qualifizierte Fachkräfte aus aller Welt. Bis spätestens 2011 müssen die Mitgliedstaaten diese Richtlinie umsetzen, ab 2011 sollen Fachkräfte etwa aus China, Russland oder Indien mit einer „Blue Card“ in Europa arbeiten dürfen.

Kritik an „Blue Card“

Auf Druck einiger Mitgliedstaaten wurden die EU-Pläne allerdings stark abgeschwächt. So gilt die „Blue Card“ nicht als Arbeitserlaubnis im gesamten EU-Raum, sondern kann nur für ein Land beantragt werden. Insgesamt wird die neue EU-Richtlinie als zu bürokratisch beurteilt, die beschränkte Geltungsdauer (maximal vier Jahre) sorgt für Kritik.
Das Interesse am Arbeiten im Ausland ist aber nach wie vor gering: Laut einer Studie von Pricewaterhouse Coopers (PWC) aus dem Jahr 2006 wurden bei insgesamt 445 Unternehmen aus 14 EU-Ländern gerade einmal fünf Prozent Bewerbungen von Ausländern registriert. Laut einer EU-Studie aus dem Jahr 2008 hat sich da wenig geändert: „Die Bevölkerung Europas ist überwiegend sesshaft eingestellt“, urteilt die Studie. „Statt eines Umzugs nehmen die Menschen lieber Pendeln auf sich, arbeitsbedingte Migration betrifft nur eine kleine Gruppe“, betont Studienautor Norbert Schneider von der Uni Mainz. Nur ein Sechstel der Berufstätigen Europas sieht sich selbst als beruflich mobil, allerdings eher innerhalb der eigenen Landesgrenzen.
„Angesichts eines steigenden Fachkräftemangels bei wachsender Tendenz zur Arbeitslosigkeit unter gering Qualifizierten bleibt neben der Bildungspolitik die Anwerbung internationaler und europäischer Fachkräfte eine zentrale politische Gestaltungsaufgabe für die Zukunft“, resümiert Klaus Zimmermann, Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, jüngst in einem Forschungsbeitrag. Die internen europäischen Mobilitätsbarrieren werden allerdings schwer zu durchbrechen sein, gibt sich Zimmermann skeptisch. „Der Schlüssel zur Mobilität liegt bei einer stärkeren Einbindung internationaler Arbeitsmigranten in den europäischen Migrationsprozess“, meint der IZA-Direktor.
In Österreich ist übrigens bereits jeder zehnte Erwerbstätige ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Laut Statistik Austria (Zahlen vom dritten Quartal 2009) sind von den insgesamt 4,1 Mio. Erwerbstätigen genau 418.000 Ausländer.


Christine Wahlmüller, Economy Printausgabe 80-01-2010, 29.01.2010 Kommentar posten


Beschleunigte Kommunikation

Beschleunigte Kommunikation

Expertenkommentar Christian Angerer, T-Systems. Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen ... mehr

Prädikat: ungeeignet

Prädikat: ungeeignet

Traditionelle Zahlverfahren sind vielfach nicht für den Internethandel geeignet. Wer ... mehr

Der Kunde aus dem Netz

Der Kunde aus dem Netz

Expertenkommentar Agnes Heftberger, IBM. Heute kann man praktisch zu jeder Zeit, fast jedes ... mehr

T-Systems gewinnt weltweit Cloud-Verträge in Millionenhöhe

T-Systems gewinnt weltweit Cloud-Verträge in Millionenhöhe

Die Zahl cloud-basierter Verträge steigt rasant. ITK erhöht Unternehmenswert der ... mehr

Auf gut Glück

Auf gut Glück

Vielen Unternehmen fehlen die Grundlagen für treffsichere Analysen. Business Intelligence soll ... mehr

Standardisiert erfolgreich

Standardisiert erfolgreich

Innovative Produktideen scheitern oft schon lang bevor ihr Potenzial ausgelotet wurde. Und oft wird ... mehr

T-Systems mit rund 19%-iger Auftragssteigerung im dritten Quartal

T-Systems mit rund 19%-iger Auftragssteigerung im dritten Quartal

Auftragsgeschäft Neugabschlüssen und Vertragsverlängerungen, Qualitätssicherung bei ... mehr

Regionale Innovatoren

Regionale Innovatoren

Das Dienstleistungsangebot der Impulszentren wird ausgebaut. Mitte der Neunziger Jahre boomten ... mehr

Telekom Austria Group Business School feiert einjähriges Jubiläum

Telekom Austria Group Business School feiert einjähriges Jubiläum

Internes Fortbildungssystem für die Top-Talente des gesamten Konzerns mit Professoren ... mehr

IBM Finanzierung für den Mittelstand

IBM Finanzierung für den Mittelstand

Eine Milliarde US-Dollar für die Finanzierung von mittelstandsgerechten IT-Lösungen. IBM ... mehr

Gute Nachrede

Gute Nachrede

Der Internethandel prosperiert. Damit der einzelne Händler im Web erfolgreich ist, muss er das ... mehr


 

Ihre Meinung:

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.