Eine Nische der Extravaganz

Eine Nische der Extravaganz  (APA/Fohrhiger)Foto: APA/Fohrhiger

Luxus allein reicht nicht: Autobauer müssen auf Kooperation, Verbund oder Übernahme setzen.

Vor allem die Kunden in Fernost, Indien und Russland werden künftig beim Wachstum den Takt angeben. Der Boom dort wird den weltweiten Absatz von 53,9 Mio. Autos im vergangenen Jahr auf 66,5 Mio. Autos im Jahr 2016 schrauben. Eine Entwicklung, die deutsche Premiumhersteller wie Audi, BMW und Mercedes zu tief greifenden Veränderungen zwingen wird.
Denn die Unternehmen finden die meisten Kunden derzeit noch in Westeuropa, Nordamerika und Japan. In diesen Ländern aber werden nach einer Prognose des Instituts B&D Forecast in Leverkusen in zehn Jahren mit 38,6 Mio. Autos kaum mehr Fahrzeuge gekauft werden als im Jahr 2000. In diesen gesättigten Märkten also müssen die Bayern und Schwaben gegen Marken wie VW, Fiat oder Toyota kämpfen, um selbst das überlebensnotwendige Wachstum zu sichern.
Vorhersagen zufolge wird sich der Automarkt bis 2016 dramatisch spalten. Einerseits profitieren sogenannte Premiumautos, also teure, technisch höherwertige Fahrzeuge wie die von BMW, Mercedes oder Audi vom zunehmenden Wohlstand. Andererseits aber verlangt in Asien ein Heer von Kunden nach einer bezahlbaren Alternative. Diese Vehikel dürfen kaum 5000 Dollar kosten. In dieser Klasse liegt das wahre Eldorado der Autoindustrie.

Weltmarktführer werden Loser
An ihrem Wachstum gemessen, wirken BMW, Mercedes oder Audi klein. Sie laufen Gefahr, nur noch eine Nische der Extravaganz zu füllen. Aber Weltmarktführer bei Nischenprodukten zu sein, wird künftig nicht mehr reichen. Die Traditionsunternehmen bekommen den Kostendruck in der Produktion, aber noch stärker in Entwicklung und Vermarktung zu spüren. Er erzeugt einen Zwang zur Größe. Eine Zeit lang werden die Big Three aus Germany für die Exklusivität ihrer Autos noch gute Preise fordern können. Als globale Konzerne aber können sie ihre Zukunft nicht allein auf Luxus ausrichten. Sie müssen sich für den Massenmarkt öffnen. Ob BMW überleben wird, hängt entscheidend davon ab, ob das Unternehmen künftig wie 2009 insgesamt 1,3 Mio. oder fünf Mio. Autos jährlich verkaufen wird. Mit seiner Produkt- und Marktoffensive wird BMW sicher noch einige 100.000 Autos mehr absetzen, doch dem Potenzial sind, sieht man sich die Käuferschichten an, Grenzen gesetzt. Ziel kann es nicht sein, BMW und Mini selbst zu profillosen Massenmarken zu degradieren. BMW muss versuchen, sich in einen mächtigeren Verbund einzubringen – durch Kauf einer Massenmarke oder eine Kooperation. Im Gespräch ist Honda.


Ralf Dzioblowski, Economy Printausgabe 81-02-2010, 26.02.2010 Kommentar posten


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