Wirtschaft
zur Startseite "Wirtschaft"Der ewige Konkurrenzkampf der (sogenannten) Qualitätszeitungen Standard und Presse.
Foto: Was macht ein Qualitätsmedium aus? Ein Jahr nach der letzten Erörterung dieses Themas in economy haben wir dazu wiederum mit über 30 Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Werbung gesprochen. Von Beginn an reduzierten sich die Gespräche dann aber auf Die Presse versus Der Standard. Bei der Presse wird ein „täglich vielseitiger und internationaler Wirtschaftsteil“ gelobt, beim Standard „besteht der Wirtschaftsteil fast nur mehr aus Kurstabellen von Investmentfonds“. Der Presse werden „das Aufgreifen von nicht alltäglichen Themen“ sowie „gut recherchierte Artikel“ und „viel Lesestoff, besonders am Wochenende“ attestiert. Am Standard werden „austauschbare Allerweltsthemen“, eine „zunehmend boulevardeske Sprache“ und „schlecht recherchierte Storys“ sowie das „Verschwinden der Grenzen zwischen objektiven Fakten und tendenziöser Meinung auch in normalen Berichten“ kritisiert. Auch wenn diese Meinungen nicht repräsentativ sind, ein Trend kann daraus abgeleitet werden.
Wie schauen nun die Reichweiten der beiden Medien aus? Die letzten Zahlen aus der Mediaanalyse weisen für den Standard 421.000 Leser aus, gegenüber 265.000 Lesern für Die Presse. Der Standard liegt also deutlich voran – was Michael Fleischhacker von der Presse nicht so sieht. Er bezeichnete die Mediaanalyse als „sinnfreie Methode zur Erhebung von Reichweiten“ und sieht eine Unschärfe bei der Erhebungsmethode durch den Einfluss von Derstandard.at. Diese Sichtweise teilen auch Werbungstreibende: „Die Strahlkraft des Online-Standard wirkt sich sicher positiv auf die Reichweitenerhebung bei der Printausgabe aus. Wir berücksichtigen das bei unseren Planungen und beziehen hier auch die Auflagen-Werte mit ein“, so der Mediaeinkäufer einer großen Schaltagentur. Das scheint sinnvoll: In Relation Reichweite zu Zahlen der Auflagenkontrolle (Standard: 112.000 Druckauflage, Presse: 108.000) kommen rund zweieinhalb Menschen auf eine Presse. Hingegen müssten rund vier Menschen einen (gedruckten) Standard lesen. Die Qualität von Leistungserhebungen bei Medien ist aber eine andere Geschichte.
Wahlen zur Vertretung von unternehmerischen Interessen stehen an. In den kommunikativen Auftritten der Wirtschaftskammern spielen nahezu nur Industriebetriebe wie ÖBB, Siemens oder Steyr eine Rolle. Klein- und selbstständige Unternehmer sind anscheinend nicht existent. Obwohl laut Christoph Matznetter (SPÖ) im Kurier „diese kleinen Selbstständigen mittlerweile die zweitstärkste Gruppe von Sozialhilfeempfängern sind, mit Pfändungen zugepflastert wie ein k.&k. Stabsoffizier“. Auch Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, ortet großen Aufholbedarf seitens der Wirtschaftskammer in der Wahrnehmung von Klein- und Einzelpersonenunternehmen. „Die von der Kammer getrommelte Selbstständigenvorsorge ist ein inadäquates Modell, insbesondere im Alter muss es eine Grundsicherung geben. Es geht auch nicht darum, ob der erste Mitarbeiter oder eine kleine Beratung gefördert wird, das ist der Vollflop schlechthin“, so Plass im Kurier. Und zum Unterschied zwischen Groß- und Kleinunternehmen: „Der klassische Unternehmer strebt nach Profit. Einzel- und Kleinunternehmen wollen sich selbst verwirklichen, aus Liebe zur Arbeit und zur Selbstständigkeit.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ihre Meinung: