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zur Startseite "Wirtschaft"„Ich bin ein Produktfanatiker.“
Foto: Zottereconomy: Ihre erste Selbstständigkeit mit vier Konditorei-Filialen endete nach nur neun Jahren 1996 in der Insolvenz. Erst danach verschrieben Sie sich der Schokoladenproduktion. War Ihr Scheitern das große Glück für Schokoholics?
Josef Zotter: Der Spruch „Man muss scheitern, damit man g’scheiter wird“ mag stimmen, es ist aber nicht zwingend notwendig. Ich habe mir damals auch keine Bentleys oder Ferraris geleistet. Allerdings haben wir schon seit 1992 im Hinterstübchen handgeschöpfte Schokolade produziert. Jedoch haben wir uns vorher die Frage gestellt: Welche Schokolade können wir produzieren? Wir haben uns klar positioniert. Wir beschäftigen uns Tag und Nacht mit Schokolade und versuchen, Kunden zu begeistern.
Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich bin ein Produktfanatiker. Wir verwenden ausschließlich gute Rohmaterialien aus ökologischem Landbau, Produkte von hoher Qualität, die hervorragend schmecken und nicht nach dem Preiskriterium ausgesucht werden. Manche meinen, wir könnten beim Zucker sparen oder bei den Erdbeeren, aber ich stehe zur Qualität.
Einer Ihrer Unternehmenswerte ist das Engagement für fairen Handel.
Wir benötigen Spitzenkakao. Die Bauern in Nicaragua hatten ja eine Mentalität des Handaufhaltens. Sie haben dabei verschämt weggeschaut. Ich habe ihnen gesagt, dass ich kein Geld habe. Aber wenn sie gute Kakaobohnen machen, dann zahle ich den doppelten bis dreifachen Marktpreis. So beschäftigen wir ein paar Hundert Kakaobauern. Wenn ich sie heute besuche, zeigen sie mir zuerst den Kakao und schauen mir beim Gespräch in die Augen. Wir haben halt versucht, Visionen zu entwickeln und sie umzusetzen.
Wie funktioniert die Kontrolle vor Ort? Ihr Unternehmenssitz befindet sich schließlich in Riegersburg in der Steiermark.
Ich verlasse mich auf Organisationen. In Nicaragua werden Fair Trade-Prämien verteilt, aber die kriegt nicht der Bauer, sondern die Allgemeinheit für Schulprojekte oder den Bau von Wasserbrunnen. Manch ein Bauer sagt, das sehe er nicht ein, er arbeite nicht für andere. Da braucht es in weiterer Folge konsequente Unternehmer, die sagen: „Aus, da mache ich nicht mit.“
Der Unternehmer und seine Verantwortung: gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine heikle Thematik. Meistens steht ja der Mitarbeiterabbau an erster Stelle.
Der Mitarbeiter ist doch das höchste Gut eines Unternehmers. Wenn mir die Zahlen sagen, ich muss zehn Leute abbauen, dann schaue ich zuerst einmal, was kann ich machen, damit ich meine Mitarbeiter behalte. Manchmal muss man auch Verantwortung tragen und sich eine Auszeit zum Nachdenken nehmen. Wir erzeugen beispielsweise zehn bis zwölf Prozent unseres Strombedarfs mit einer eigenen Photovoltaikanlage und verwenden die Kakaoschalen für die Humusproduktion oder als Brennmaterialbeimischung für die Dampfanlage, die wiederum ca. 50 Prozent unseres Gesamtenergieverbrauchs deckt.
Wie läuft’s bei Zotter in der derzeitigen Wirtschaftslage?
Wir sind ein Unternehmen, das in einem hart umkämpften Wettbewerb bestehen und natürlich auch Gewinne machen muss. Zotter ist nicht das Traumunternehmen, das als Einziges im Universum existiert. Aber Prozesse verändern sich. Die Regionalität rückt wieder mehr in den Vordergrund. Es geht hier nicht um Rückbesinnung, sondern man hat festgestellt, dass man keine fünf Fernseher benötigt, keine drei Autos oder Handys braucht. Es geht um ein neues System, es geht um eine neue Wertschöpfung. Wir sollten nicht in den nächsten 100 Jahren die ganzen Ressourcen verbrauchen.
Ein Vorteil der Genussmittelindustrie? Man leistet sich ja auch schon mal eine zweite Tafel …
Schokolade ist nun mal ein kleiner Luxus, der ja auch ein bisserl verboten ist. Schokolade wird manchmal heimlich konsumiert. Ich spiele ja mit dem Feuer aufgrund der Kalorien.
Der New York Times-Artikel, die Einladung zu einem Vortrag nach Harvard – 2010 scheint hervorragend zu laufen?
Der augenblickliche Zustand ist ein sensationell megageiler. Ich habe alles erreicht, was man erreichen kann. In Harvard waren wir überhaupt das erste Unternehmen mit knapp 100 Mitarbeitern, das dort vorstellig wurde. Aber die müssen bemerkt haben, dass da eine Marke entsteht, dass wir ein Produkt auf den Markt bringen, ohne großartig Studien zu machen.
Gibt es keine Grenzen für Ihr Unternehmen?
Was es sicher nicht geben wird, ist der Gang an die Börse, oder dass uns ein großes Unternehmen wie Nestle kauft, nur weil wir ins Produktportfolio passen. Da steckt soviel Emotion und Herzblut drinnen, und es gibt Werte, die mir in meiner Familie auch wichtig sind.
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