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Bibliothek in der Hosentasche

Bibliothek in der Hosentasche (Epa/Woitas)Foto: Epa/Woitas

Es wird geklickt statt umgeblättert. Bis zu 13.000 Bücher finden auf dem seit April erhältlichen E-Reader PRS-505 von Sony Platz. Der Verkauf ist gut angelaufen. Naht das Ende des gedruckten Buches?

Es riecht nicht nach Papier, hat keine Seiten, zwischen die Zettel geklebt werden können, und ist trotzdem ein Buch. Das E-Book steht vor der Tür und mit ihm die Diskussion, wie lange das gedruckte Buch noch dem digitalen standhalten wird. Es gibt Stimmen, die prophezeien, dass Bücher über kurz oder lang ähnlich den Vinylschallplatten nur noch in Spezialgeschäften zu haben sein werden. „Es wird auf alle Fälle immer gedruckte Bücher geben“, sagt Markus Toyfl, Digitalisierungsbeauftragter des Hauptverbandes des Buchhandels. „Aber die nächste Generation, die E-Books schon aus der Schule kennt, wird denen vermutlich anders gegen­überstehen.“
Einen großen Schritt hat das digitale Lesen mit den neuen E-Readern gemacht, die seit Kurzem auch den österreichischen Markt erobern. Das Wiener Start-up Hixbooks bietet seit vergangenem Jahr zwei elektronische Lesegeräte an, die über den Buchhandel vertrieben werden. Der E-Book-Reader von Sony ist seit Anfang April in Österreich erhältlich. Verkaufszahlen gibt es bislang weder zu den Lesegeräten noch zum Download von E-Books. „Der Verkauf der Reader ist aber sehr gut angelaufen. Die Downloads von E-Books halten sich noch in Grenzen, das liegt zum einen am eher geringen Angebot, aber auch daran, dass es gegenüber dem gedruckten Buch keinen Preisvorteil gibt“, sagt Gerald Schantin, der Präsident des Hauptverbands des Buchhandels und Geschäftsführer des Buchvertriebs Morawa.

Teure Lesegeräte
Die neuen Lesegeräte bringen wesentliche Vorteile. Anders als beim Lesen auf einem Computer-Bildschirm ist das Display lese- und augenfreundlich. Die E-Ink-Technologie verspricht ein Lesegefühl wie auf Papier und arbeitet ohne Hintergrundbeleuchtung. Bis zu 160 Titel können auf dem internen 192 Megabyte großen Speicher des Sony-E-Readers abgelegt werden, der Speicher lässt sich auf maximal 16 Gigabyte erweitern. 13.000 Bücher können so auf einem Gerät archiviert werden, was wohl der maßgebliche Vorteil des E-Readers gegenüber dem guten alten Buch sein dürfte. Auf einem Gerät, das die Größe und das Gewicht eines Taschenbuchs hat, kann eine ganze Bibliothek mitgetragen werden. Ideal für Reisende, Pendler oder Vielleser wie etwa Lektoren.
Nichtsdestotrotz stecken die E-Reader noch in den Kinderschuhen. Das Umblättern und Navigieren sei gewöhnungsbedürftig und ein Nachteil beim Lesen von komplexeren Werken mit Fußnoten, meint Markus Toyfl: „Das wird sich aber schnell ändern, wir stehen hier vor der ersten marktreifen Generation.“ Sony setzt bei seinem Reader neben PDF auf das E-Book-Format E-Pub, ein Standardformat, aber bei Weitem nicht das einzige. Und ein gravierender Punkt, in dem die E-Reader dem Buch nachstehen, ist die Haptik – für Bücherfreunde ein wesentliches Kriterium.
Einen Verkaufsschub werden E-Books bei einem Gerätepreis von 150 Euro erlangen, meinte der E-Book-Vertreiber Falk Kühnel bei der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst. Davon ist man in Österreich derzeit noch ein Stück entfernt. Die von Hixbooks angebotenen Reader kosten 279 beziehungsweise 509 Euro, der Sony Reader ist um 299 Euro zu haben. Angesprochen wird damit eine Käuferschicht, die ohnehin bereit ist, Geld für das Lesen auszugeben. „Wenn ich 300 Euro für ein Gerät zahle, ist das im Vergleich zum Gesamtbudget, das im Schnitt für Bücher ausgegeben wird, ein starkes Kriterium“, sagt Toyfl vom Hauptverband des Buchhandels.

Schutz vor Raubkopien
Auch bei den E-Books zeigt sich kein wesentlicher Preisvorteil gegenüber gebundenen Büchern. Sie kosten zwischen zehn und 15 Prozent weniger als die Druckausgaben. Sony bietet ein Download-Portal mit rund 1200 Titeln an. Anlässlich der Buchmesse Buch Wien soll im Herbst das österreichische Portal Libreka.at online gehen, ein Ableger der deutschen Volltext-Datenbank Libreka.de. Über Volltextsuche können dort lieferbare, gedruckte und digitalisierte Bücher durchsucht werden.
Auch im Hinblick auf die E-Books werden Raubkopien von den Vertreibern gefürchtet. Sony setzt auf einen restriktiven Kopierschutz. Geräte und gekaufte E-Books sind identifizierbar. E-Books, die über Libreka gekauft werden, tragen ein Wasserzeichen, durch das sie gekennzeichnet sind. „Der Käufer ist damit nachvollziehbar, was zu einer Hemmschwelle führt, ein Buch illegal weiterzugeben“, sagt Markus Toyfl.
Bis zum Jahr 2015 wird sich in Österreich der Marktanteil von E-Books zwischen sechs und sieben Prozent bewegen, meint Gerald Schantin, Präsident des Hauptverbands des Buchhandels: „E-Books werden in Teilbereichen mehr Marktanteile erzielen. Ich glaube aber kaum, dass im Bereich der Kinderbücher, Sachbücher und Belletristik eine Substitution stattfinden wird.“

Papierlose Gesellschaft
Anders sieht das allerdings Jeff Bezos, der CEO des Online-Händlers Amazon: „Es wäre nicht schlecht, wenn wir uns zu einer papierlosen Gesellschaft hinbewegen würden“, sinnierte er Anfang Mai bei der Vorstellung der nächsten Generation seines elektronischen Lesegeräts Kindle in New York. Im Herbst 2007 präsentierte Amazon das erste Modell seines E-Readers Kindle. Trotz seines Verkaufspreises von 359 Euro war dieser über Monate hin ausverkauft.
Der Start von Kindle im deutschsprachigen Raum ist derzeit noch ungewiss, erwartet wurde er schon für die Frankfurter Buchmesse 2008. Gerüchten zufolge soll der Kindle ab Herbst in Europa erhältlich sein.


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Anna Weidenholzer, Economy Printausgabe 73-05-2009, 29.05.2009 Kommentar posten

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