Wider die Zersiedelung

Wider die Zersiedelung (TU Wien)Foto: TU Wien

Zwei Drittel der Österreicher leben in Städten und Agglomerationen. Letzteres sind Regionen, die durch ein „verstädtertes“ Erscheinungsbild und städtische Lebensweisen gekennzeichnet sind. Nur mehr knapp fünf Prozent der Menschen sind in der Landwirtschaft tätig, der überwiegende Teil geht städtischen Berufen nach. Der Greißler hat zugesperrt, im Dorf wie in der Stadt, draußen auf der grünen Wiese haben sich Supermärkte, Fachmärkte und Diskonter angesiedelt. Sie sind urbane Fragmente in der Landschaft.
Doch die Grenzen zwischen Stadt und Land verschwimmen immer mehr. Ein typisches Beispiel ist das Vorarlberger Rheintal: Die Gemeinden sind zu einem Siedlungsteppich zusammengewachsen. Unmerklich überschreiten die Bewohner täglich die Gemeindegrenzen vom Wohnort zum Arbeiten oder Shoppen, auf dem Weg zu einem Amt oder zu Freunden. In ihren Entwicklungsleitbildern haben viele Gemeinden festgehalten: „Wir möchten Dorf bleiben.“ Hier kommen Wunschbilder zum Ausdruck: Tradition, überschaubare und leicht handhabbare Strukturen, Grün zwischen den Häusern, Nachbarschaftshilfe, man ist „per Du“.
Das Leben in der „Dorfstadt“ bietet städtischen Komfort, beansprucht aber viel Platz und produziert Umweltbelastungen. Die planerischen Aufgaben, diesen dynamischen Raum zu ordnen und zu gestalten, sind beträchtlich. Verkehrsverbindungen, zusammenhängende Grünzonen, die Stärkung der Ortskerne, die Standorte für Bildungs- und Sozialeinrichtungen und die Betriebsansiedelung brauchen eine regionale Planung, um der zunehmenden Zersiedelung und Zerstraßung eine lebendige, schöne und ressourcenschonende Siedlungslandschaft entgegenzusetzen. Was fehlt, ist eine gemeindeübergreifende Planungszuständigkeit. Gemeindekooperationen sind ein erster Schritt, um durch Planung auf „Stadtniveau“ die gemeinsamen Herausforderungen zu bewältigen.
Sibylla Zech ist Raum-, Regional- und Landschaftsplanerin.


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Sibylla Zech, Economy Printausgabe 84-05-2010, 28.05.2010 Kommentar posten


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