Wider die Krise

Wider die Krise (Loebell)Foto: Loebell

Montag bis Freitag bin ich Rechtsanwalt in Wien und arbeite im Wirtschaftsrecht, speziell im Ener­gierecht. Am Wochenende bin ich Bauer in der Steiermark und züchte in meinem Biobetrieb schottische Hochlandrinder und Mangalitza-Schweine in Freilandhaltung. Der Kontrast zwischen beiden Welten ist groß.
Warum bin ich nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch Bauer? Ich bin gerne auf dem Land. Ich halte manuelle Arbeit für einen guten Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Tiere zu halten macht mir Spaß. Meine Kinder lernen Landleben von der praktischen Seite kennen. Ich bin aber auch Bauer, weil ich für wahrscheinlich halte, dass unsere Zivilisation in absehbarer Zeit ernsten Krisen begegnen wird. Ich glaube, dass die absehbare Verknappung von Erdöl und anderen Ressourcen nur noch für recht beschränkte Zeit eine Fortführung unserer derzeitigen Energieverwendungsintensität erlauben wird. Ich glaube auch, dass das globale Konzept der Schuldentilgung durch Aufnahme von neuen, höheren Schulden nicht mehr sehr lange funktionieren wird. Die Schere zwischen globaler Buchgeldmenge und Realwirtschaft geht immer weiter auf. Diese „Geldblase“ wird irgendwann platzen. Die Kombination von Ressourcenkrise und Geldkrise könnte unschön werden. Die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen, und damit die Auswirkungen der drohenden Ressourcenkrise, kann man vorbeugend reduzieren. Zum Beispiel habe ich auf unserem Bauernhof eine thermische Solaranlage, Holzöfen und eine Fotovoltaikanlage installiert, unsere Autos fahren mit Pflanzenöl. Alle diese einfach umzusetzenden Technologien sollten meiner Meinung nach viel systematischer angewendet werden. Einige Gemeinden in Österreich zeigen es ja vor; viele andere sollten folgen. Dann wird das Landleben noch attraktiver.
Reinhard Schanda ist Partner bei Sattler & Schanda Rechtsanwälte.


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Reinhard Schanda, Economy Printausgabe 85-06-2010, 25.06.2010 Kommentar posten


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