Werbe-Fee am Ende

Werbe-Fee am Ende ()Foto:

Sean aus Baltimore liest die New York Times. Sean schreibt „Ich schaue mir Banner an, und das muss reichen“ und kommentiert damit die Entscheidung der Zeitung, ab nächstem Jahr Geld für ihre ins Web gestellten Artikel zu verlangen. Sean will nicht zahlen und liest dann halt etwas anderes. Ungerecht kommt ihm das schon vor, immerhin versieht er seinen Dienst als Kunde: Er verschenkt Aufmerksamkeit. Verrechnen will er dafür bis auf Weiteres nichts. Sean ist ein Leser mehr (ab Jänner einer weniger) und für die Zeitung ein Stückchen mehr Reichweite. Dass daher notwendigerweise alles gratis sein muss, ist allerdings ein Trugschluss. Ebenso, dass a) Ökonomie im Internet nicht funktioniert, b) die Google-Ads-Fee alles richten wird und c) Blogs das eh auch alles können. Dabei mag ich gratis, wirklich. Fernsehsendungen streame ich über die Website Hulu. Das ist gratis, und ich muss nur vier Werbespots anschauen, nicht 30. Würde ich für Hulu bezahlen? Nein. Würde ich für Hulu bezahlen, wenn die großen TV-Sender ihr Gratisvideoangebot im Web einstellen? Ja. Apple verkauft gerade sein zehnmilliardstes iTunes-Lied, dabei sind P2P-Tauschbörsen längst noch nicht tot. Wenn die New York Times mit ihrem Schritt alleine bleibt, wird Sean irgendwann erzählen, wie recht er hatte. Wenn andere Zeitungen mitziehen und die Preise vernünftig bleiben, wird auch Sean zurückkommen. Auch, weil er vor lauter Meinung in den Blogs die Fakten nicht mehr findet.


Alexandra Riegler, Economy Printausgabe 81-02-2010, 26.02.2010 Kommentar posten


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