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Weibliche Erlöser

Weibliche Erlöser (privat)Foto: privat

Für den christlichen Glauben ist die Einmaligkeit des Erlösers eine unabdingbare Annahme. Feministische Theo­loginnen kämpfen dafür, gerade dieses Dogma der einmaligen männlichen Erlösergestalt aufzubrechen. Nur wenigen ist bekannt, dass es in der Nachfolge Christi weibliche Erlöser schon tatsächlich gegeben hat. Doch diese Frauen wurden als Ketzerinnen angeklagt und auf den Scheiterhaufen gebracht. Zwei Beispiele.
Im Jahr 1300 ging in Mailand der exhumierte Körper der zuvor posthum als Ketzerin verurteilten Guglielma in Flammen auf, die verkündet hatte, dass der Heilige (Hl.) Geist sich in ihr inkarniert habe. Nach ihrem Tod soll Guglielma auferstanden und ihren Getreuen erschienen sein. Zu ihrer päpstlichen Stellvertreterin ernannte sie eine Frau. Im August 1325 bekannte die Begine Prous Boneta vor einem Inquisitionsgericht im südfranzösischen Carcassonne öffentlich ihren Glauben, dass die Kirche ihre geistige Mission verraten habe; daraufhin wurde sie zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Am Gründonnerstag 1321 war ihr Christus erschienen und hatte ihr offenbart, dass sie auserwählt sei, die Ankunft des Hl. Geistes zu verkünden, mit dem sie selbst erfüllt werde.
Im Mittelpunkt des Glaubens dieser Frauen steht die Vorstellung, die Inkarnation des Hl. Geistes zu sein und als solche den Anbruch eines neuen Zeitalters einzuleiten: das Zeitalter des Hl. Geistes; das Zeitalter einer geistigen Kirche und einer geistigen Erleuchtung durch ein ungeschriebenes Evangelium. Sie selbst werden dadurch zu Retterinnen der Menschheit – nicht als Instrument des Heils wie Maria, sondern eigenständig und als Teil der trinitarischen Gottheit.
Die real existierende Kirche ihrer Zeit sehen beide als „Auslaufmodell“. Ein radikaler Neuanfang soll stattfinden, der sich schon in Gottes Wahl seines Boten ausdrückt: Eine Frau, deren rechtliche und soziale Position im Mittelalter weitgehend eingeschränkt war, wird zur Wendemarke des Heils, der Rettung, der Versöhnung.
Hatte mit Maria schon einmal eine konkrete Frau die Kirche symbolisiert, warum sollte dann nicht wiederum eine konkrete Frau diese neue Kirche des Geistes repräsentieren? Im Ursprung ist der Hl. Geist weiblich, was sich auch im hebräischen Femininum „ruach“ ausdrückt. Dem entspricht auch die Gestalt der göttlichen Erlöserin Sophia – die Weisheit als weibliches Pendant des Christus, des Logos, der männlichen Vernunft. Jesus als Verkünder der weiblich-göttlichen Weisheit ist zudem die älteste in den Evangelien zu findende Christologie – bevor durch die johannäischen Schriften der männliche Logos auf ihn übertragen wurde.
Daniela Müller ist Professorin für Kirchengeschichte an der Radboud Universität in Nijmegen, Niederlande.


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Daniela Müller, Economy Printausgabe 79-12-2009, 18.12.2009 Artikel mailen
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