Warten auf den Fall
Foto: Barack Obama ist glaubwürdig. Zwar redet
und schreibt er anhaltend über eine Wende
hin zu anständiger Politik, die von noblen
Motiven getriebene Leute verschiedener
Fraktionen an einen Tisch bringt – und bei
aller Bereitschaft zu politischer Leidenschaft:
Wer kann das schon glauben? Aber
er spricht die Zweifel seiner Zuhörer an, die
sich dadurch wohlig ertappt fühlen, worin
sich, gemeinsam mit einer tadellosen Politikvergangenheit,
seine derzeitige Authentizität
begründet. In den USA tut eine Wende
so not wie schon lange nicht mehr. Das regt zu historischen
Vergleichen an: Obama, der neue Kennedy, sagen die einen,
der das Land entzweit gar wie zu Nixons Zeiten, sagen die anderen.
Sätze wie „Was uns zusammenhält, ist stärker als das,
was uns trennt“ verbreiten daher nicht das Flair von Erweckungsgottesdiensten:
Zum viel zitierten „sturen Optimismus“
bereit, wollen die USA repetitiv vom Guten erfahren,
das kaum mehr zwei Jahre entfernt sein könnte.
Politische Beobachter besprechen seine weiße Weste, die nur
so unbekleckert ist, weil „Obambi“ erst kürzlich in die Politik
einstieg. Denn darüber herrscht Konsens: Tugend ist nur eine
Frage der Versuchung. Ein anschauliches, alle vier Jahre aktuelles
Beispiel dafür liefert das österreichische Kanzleramt:
eine klassisch leckere Belohnung, die, in Aussicht gestellt,
Wahlversprechen, Ehre und politische Überzeugungen vergessen
lässt. Obamas Rockstar-Status nimmt unterdessen zu.
Die Mischung aus Klugheit, Charisma und der Begeisterung,
dass das eigene Land bereit für einen afroamerikanischen
Präsidenten sein könnte, zieht immer mehr in die Hochstimmung
rund um den Newcomer. Mit dem Medienrummel steigt
auch die Besessenheit hinsichtlich seines mögliches Stolperns.
Immerhin geht es um Politik, da hat jeder seinen Preis. Und
eigentlich wüssten wir ja gar nicht, was tun, wenn es einmal
anders wäre. - Ausgewählte Berichte und Kommentare aus den Schwerpunkt-Ausgaben bereits erschienener economy Printausgaben.
Alexandra Riegler,
Economy Webartikel, 16.02.2012

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