So ein Jammer mit der Arbeit

So ein Jammer mit der Arbeit ()Foto:

Wer Arbeit hat, jammert. Wer keine hat, jammert auch. Wir jammern, es gibt zu viele Ausländer. Wir jammern, wir müssen zu viel und zu lange arbeiten. Wir jammern über den Chef und die Kollegen. Wir jammern, die Jobs sind zu schlecht bezahlt. Wir jammern irgendwie permanent. Ist das typisch österreichisch? Wahr ist, dass die Arbeitslosigkeit in Österreich zum Jammern ist. Denn sie ist seit Jahren ziemlich hoch. Da hilft es auch nicht, dass wir uns wieder in einer Phase
der guten Konjunktur befi nden. 6,8 Prozent Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr sind ein deutliches Alarmzeichen, dass unser System der sozialen Marktwirtschaft irgendwie ganz ordentlich ins Wanken geraten ist. Wer nun alles auf „die Ausländer“ schiebt, ist schlichtweg total auf dem Holzweg. Wahr ist vielmehr, dass der Arbeitsmarkt ein komplexes System ist, das nicht so einfach zu lenken ist. Wahr ist aber auch, dass die Politik gefordert ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dementsprechend möglichst auch vorausschauend zu handeln. Und da liegt nur einer der Hunde begraben. Denn dass die demografi sche Entwicklung schon längst hinlänglich bekannt ist, kann wohl keiner abstreiten. Aber: Wo sind die Maßnahmen, die dieser demografi schen Entwicklung Rechnung tragen? Wo sind die Anreize für Unternehmen oder gezieltes Lobbying, auch vermehrt ältere Arbeitskräfte und Frauen nach der Karenzpause (wieder) zu beschäftigen? Wo sind die Maßnahmen zur sinnvollen Integration von Zuwanderern – gleich welcher Nationalität und Qualifi kation – in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft (Stichwort: sprachliche Ausbildung in Kindergarten und Schule)? Fazit: Die Untätigkeit unserer Politiker, die ist echt zum Jammern.
Ausgewählte Berichte und Kommentare aus den Schwerpunkt-Ausgaben bereits erschienener economy Printausgaben.


Christine Wahlmüller, Economy Webartikel, 17.11.2011 Kommentar posten


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