Rapid ist meine Religion

Rapid ist meine Religion  (Kilian Kada)Foto: Kilian Kada

Relativ einfach finden sich Parallelen zwischen Fußball und Religion.

„Rapid ist meine Religion!“ – daran glauben viele Anhänger der Grün-Weißen. Sie bringen dies in Fan-Foren, auf Schals oder in Medien häufig zum Ausdruck. Grundsätzlich glauben sie an ihre Mannschaft samt deren „Fußballgöttern“, auch wenn es im ersten Gebot dazu heißt: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Da mag es auch nicht weiter befremdend wirken, wenn auf der persönlichen Website von Stefan Maierhofer die Fußballbegeisterte Sophie Huber den Eingangssatz mit den Worten „Rapid hat Gott als Stütze“ erklärt.
Wen sollte es da noch wundern, dass die Heimstätte „Sankt Hanappi“ – eine Bezeichnung, die der ehemalige Rapid-Trainer Josef Hickersberger in der Meistersaison 2004/05 prägte, als kein einziges Heimspiel verloren ging – genannt wird? Oder dass der Spieler Andreas Ivanschitz nach seinem Vereinswechsel nach Salzburg nur mehr „Judas“ geschimpft wurde? Rapid ist halt Religion. Wenn beispielsweise Stadion­sprecher Andy Marek „Steffen“ ankündigt, dann folgt ein „Hofmann“ aus Tausenden Kehlen wie das Amen im Gebet. Und auch das Einklatschen der Rapid-Viertelstunde darf ebenso wenig fehlen wie die Gabenbereitung während der Eucharistie.

Pilgerstätte und Messwein
Dass kürzlich mehr als 7000 Fans nach Hamburg „pilgerten“, kann durchaus als weiteres Indiz ob der engen sprachlichen Verknüpfung von Religion und Fußball gelten. Da bedarf es nicht einmal einer – wie in der Halbzeitpause möglichen – „Kabinenpredigt“.
Und nicht selten trinken Fußballer nach gro­ßen Finalspielen direkt aus dem eben errungenen Pokal wie auch der Priester aus seinem Messkelch. Leider sind Stoßgebete auf den Tribünen knapp vor Spielende beispielsweise wegen einer drohenden Niederlage statistisch noch nicht erhoben.
„Religion ist in jeder Ecke der Welt vorhanden“, zog der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt einen Vergleich mit der allgegenwärtigen Musik. Insofern macht die Weltanschauung Rapid an Stadion- oder Stadtgrenzen ebenfalls nicht halt, verkommt aber im direkten Vergleich zu den Merchandising-Großmeistern und Jünger sammelnden Manchester United, Bayern München oder Real Madrid zu einer Weltreligion mit eher geringerer Anhängerzahl. Da hilft es auch nicht, dass das Sinngebungssystem Rapid mittlerweile eine sehr lange Tradition besitzt.
Eines aber haben Religion und Fußball auf alle Fälle gemeinsam: die Ungewissheit, was letztendlich auf einen zukommt.


Michael Liebminger, Economy Printausgabe 79-12-2009, 18.12.2009 Kommentar posten


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Steffen Hofmann...

wenn man schon von Rapid als Religion schreibt, dann muss man auch den richtigen Spruch schreiben:
Steffen Hofmann Fussballgott
erschallt es aus Tausend Kehlen

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