Qualitätsmedien in 
Österreich: quo vadis?

Qualitätsmedien in 
Österreich: quo vadis? (Christian Czaak)Foto: Christian Czaak

Die aktuelle medienpolitische Situation in Österreich ist kritisch.

Was macht ein Qualitätsmedium aus? Haltung oder zumindest Linie? Viel Umfang, Ressorts für Politik und Wirtschaft, Sport und Kultur sowie Internationalität plus Rubriken wie Bildung und Forschung? Ansprechende Bilder, fundiert und objektiv kritisch recherchierte Berichte? Meinungsvielfalt und Kommentare sowie realitätsnahe und eindrucksvolle Reportagen? Handliche Formate in Text, Bild und Ton? Eine semantisch schöne, aber trotzdem verständliche und ausdrucksstarke Sprache? Humor und Ironie?
Es gibt Maßstäbe, nach denen Qualität beurteilt werden kann. Diese gelten für alle Medienarten in Print, Radio, Fernsehen und Internet. Zählen alle angeführten Kriterien, dann gibt es österreichweit nur ganz wenige Qualitätsmedien. An erster Stelle: Ö1. Hut ab, kontinuierlich bestens. Dann Die Presse, auch wenn die Sprache manchmal immer noch schwer ist. Dafür weist das Blatt viel Umfang, einen mehrseitigen und internationalen Wirtschaftsteil sowie eine große Meinungsvielfalt auf. Täglich. Und bietet am Wochenende mit dem Spectrum zusätzlichen vielfältigen Lesestoff. Plus einen rotzig kritischen und oftmals schreibenden Chefredakteur, der sich mit ungewöhnlichen Aufmachern und sarkastischen Titeln auch was traut. Dann folgt das Profil, insbesondere wegen seiner fundierten Recherchen und Analysen. Und beim Radio, FM4: einzigartig, die aktive Einbindung der jungen FM4-Community mit der Erörterung vieler wichtiger gesellschafts- und sozialpolitischer Themen. Fehlen noch Online-Medien wie ORF.at und DerStandard.at für Aktualität, Themenvielfalt und die Möglichkeit, Meinungsströmungen zu verfolgen.

Inhaltslose News-Maschinen
Und Fernsehen? So schlecht, wie der ORF von seinen natürlichen (werbepolitisch bedingten) Feinden im VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungen) gemacht wird, ist er nicht. Die Information (ausgenommen die oftmals tendenziösen und frechen Verhöre des Armin Wolf), viele Magazin-Formate, viele Eigenproduktionen und die Diskussionsformate sind journalistisch engagiert und anspruchsvoll gemacht. Die Quadratur des Kreises zwischen gebührenfinanzierter Qualität und werbefinanzierter Reichweite beziehungsweise Masse kann auf Dauer systemimmanent nicht funktionieren. Das war es mit den Qualitätsmedien.
Stark reduzierte Umfänge und Redaktionen, dünnste Wirtschaftsteile, tendenziöse und nicht recherchierte Storys, oberflächliche Politbotschaften auf dem Titelblatt und schlechte Fotos haben andere einstige Qualitätszeitungen zu leeren Maschinen gemacht.
Nur noch in Jubiläumsausgaben blitzen alte Tugenden wie brillante Sprache, packende Formulierungen, Wortwitz, ausdrucksstarke Fotos und inhaltliche Vielfalt und Tiefe auf. Gefühlslose Technokraten übernehmen immer mehr auch in Österreich das verlegerische Ruder und beherrschen einstmals gute und starke Redaktionen. Ob österreichweit eine Tageszeitung, ein Magazin, zwei Radiosender und zwei Internet-Plattformen für die demokratiepolitische Notwendigkeit einer qualitativ vielfältigen, unabhängigen Medienlandschaft ausreichen, muss bezweifelt werden. Dabei zeigen es Die Zeit, Die Weltwoche oder Brand Eins vor: Mündige Leser, egal ob jung oder alt, sind auf Dauer mit kritischem und fundiertem Journalismus zu begeistern.


Christian Czaak, Economy Printausgabe 69-02-2009, 15.01.2009 Kommentar posten


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Betreff

in Österreich gibt es kein einzeiges Qualitätsmedium nicht print, nicht online nicht fernsehen

editorials

kann dem herrn chefredakteur bitte mal einer erklären, was ein editorial ist?! in der regel kommen zeitungen mit EINEM aus. und wenn wir gerade dabei sind: ein satz hat ein subjekt, ein PRÄDIKAT und ein objekt. vor jeglicher diskussion über qualitätsmedien, sollte man solche basics beherrschen.

Medien

"Zählen alle angeführten Kriterien, dann gibt es Österreichweit nur ganz
wenige Qualitätsmedien" - und das ist leider die Realität :-(.

Gruß

Topli

Es gibt weder Qualitätsmedien

noch unabhängige Medien in Österreich.
Auch wenn es immer wieder so dargestellt wird - was eigentlich eine bodenlose Frechheit ist. Wirklich kritischen Journalisten wird das Leben von allen Seiten schwer gemacht.
"Freie Presse"... Die Presse ist höchstens für den frei, dem sie gehört.

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