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Foto: Landleben, so richtig auf dem Land? Meilenweit von jeder Großstadt entfernt, vom Hahnenschrei im Schlummer aufgestört, von der Fronleichsnamsprozession oder ähnlicher Folklore gemartert, vom Traktortuckern malträtiert, mit dem Bürgermeister per Du, Einkaufen im Lagerhaus? Nein, danke. Da kann die Luft noch so gut sein und das Leben geruhsam, die Stadt kann durch nichts ersetzt werden. Landleben inspiriert nicht, es ist zu bodenständig. Es hat keine Geheimnisse außer jenen, die hinter den dicken Mauern der rustikalen Bauernhäuser verborgen bleiben und die man gar nicht erfahren möchte. Schlag nach bei Josef Winkler, Menschenkind, Suhrkamp 1979. Das Landleben, ein einziger Kälberstrick. Ackerbau und Viehzucht, alimentiert von europäischen Steuermilliarden, schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig, aber am Tropf gehalten unter dem künstlichen Motto der „Kulturlandschaftspflege“. Wo die intellektuelle Elite aus dem Triumvirat Pfarrer, Volksschuldirektor und Bürgermeister besteht und die meisten Jungen abwandern. Wo es keine interessanten Jobs gibt, keine Modernität, wenig Perspektiven. Wo jeder dem anderen über den Gartenzaun schaut und der Rückzug ins Private als Eigenbrötlertum aufgefasst wird. Wo es an Infrastruktur mangelt, wo es keine soziale und kulturelle Abwechslung gibt, wo Kleingeist und Boshaftigkeit gedeihen. Klar, der Erholungswert des Landlebens ist größer als in der Stadt. Aber dafür erstickt der Geist.
Nur nicht aufs Land
Landleben, so richtig auf dem Land? Wo man Gefahr läuft, dem auch noch zu begegnen, was man ja eh schon von der eigenen großstädtisch-hochkulturellen Space Needle aus gesehen hat und deswegen aufgrund ungleich höherer großstädtischer Intelligenzdichte eh schon in und auswendig kennt? No need to say, auch schon verstanden, durchschaut, bewertet und als minder im großstädtisch-metallenen IKEA-Geistesschubladenkasterl abgelegt hat? Nä, wozu? Sich den Stress anzutun, sich einzugestehen, dass man selbst nicht die Weisheit mit dem urbanen Silberlöffel morgens in der U-Bahn eingetrichtert bekommt und nicht alle, die zeitgeistigem Stadtnomadentum kritisch gegenüber stehen, grenzdebilde Landeier sind, die nichts andres zu tun haben, als sich über die grenzdebilen Landei-Nachbarn aufzuregen und sich selbst dabei gar noch daran zu erinnern, dass der urbane Prolo-Nachbar auf der einen und der urbane Bobo auf der anderen Seite der eigenen Wohnung es sich nicht um den Millimeter weniger bequem auf der "Ich schmeiß-alles-in-ein-Kastl-weil-differenzierte-Betrachtung-ist-mir-zu-anstrengend-ich-hab-eh-zu-viel-zu-tun"-Couch gemacht haben als man selbst, nein, die Zeit hat man heute nicht mehr.
Liebe Grüße aus der Stadt in die Stadt
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