Mädchen-rosa und Buben-blau

Mädchen-rosa und Buben-blau (Photos.com)Foto: Photos.com

Das klassische Rollenbild Frau-Mann wird stark wie nie zuvor an unseren Nachwuchs transferiert, dahinter steckt auch ökonomisches Interesse. Allerdings beweist eine neue Studie auch Gender-typisches Verhalten – schon bei den ganz Kleinen.

Blaue Wiese, gelbes Krokodil: Die oft eigenwillige Farbgebung in Kinderbildern ist eine Frage der Hirnentwicklung. Denn bis zu einem Alter von fünf Jahren können Kinder Farben und Objekte im Gehirn noch nicht miteinander verknüpfen. Die von der Werbung und vielen Erwachsenen eingeprägte „Buben-blau“ und „Mädchen-rosa“ Zuordnung ist den Kleinen daher vorerst egal, sie bestimmt aber bereits das Leben der meisten Buben und Mädchen im Kleinkindalter. Die Bub-Mädchen-Schubladisierung betrifft den gesamten Lebens-Alltag: Kleidung (in Farbe und Schnitt), Spielzeug, ja sogar Essbesteck, Bettwäsche und Mobilar (etwa „Ritterbett“ oder „Prinzessinnen-Bett“) sind auf „Bub“ und „Mädchen“ getrimmt. Dahinter steckt ein beinhartes Kalkül der Wirtschaft. Buben und Mädchen-Dinge müssen von den Eltern separat erworben werden. So kann Mädchen-Kleidung kaum an Buben „vererbt“ werden.

Neue Studie erstaunt
Weiter geht es beim Spielzeug: Kaum jemand kommt auf die Idee, einem Mädchen eine Ritterburg oder einem Buben eine Puppe zu schenken. Beim Internet-Portal mytoys.de gibt es in der Kategorie Spielzeug „Jungenwelten“ und „Mädchenwelten“. Bei amazon.at gibt es bei den Kinderbüchern die Kategorie „Bücher für Mädchen“.
Bei der Eröffnung eines „geschlechtsneutralen“ Kindergartens in Wien Meidling vor zwei Jahren gab es eher verständnislose Reaktionen. Allerdings dürfte es auch biologische Grundlagen für das klassische Rollenverhalten geben. Schon Kinder unter einem Jahr zeigen laut einer Studie von Psychologinnen der City University London Gender-typisches Verhalten. Brenda Todd und Sara Amalie O'Toole Thommessen konfrontierten 90 Mädchen und Buben im Alter zwischen neun und 36 Monaten mit verschiedenen Spielsachen und registrierten die Präferenzen der Kinder. Die Kinder zeigten eine starke Präferenz für Spielzeug, das stereotyp repräsentativ für ihr Geschlecht war. Bei den Jüngsten (neun bis 14 Monate) spielten die Mädchen signifikant länger mit der Puppe als die Buben. Die Buben wiederum vergnügten sich länger mit Ball und Auto als die Mädchen. "Es war offensichtlich, dass sogar die jüngsten Kinder schnurstracks auf die Gender-typischen Spielzeuge und Farben zugingen", sagte Thommessen.

Wiens Kinderpsychiater abweisend

Das zur Kind-und-Gender-Thematik befragte Wiener Kinderpsychiater-Duo Weninger/Schlemmer aus Döbling („kindundpsychologie“) meinte nur lapidar-abweisend „Wir können jetzt Ihre Fragen beantworten oder auch nicht – wir wollen uns dazu aber eigentlich nicht äußern“. Ein Grund mehr, nicht zum Psychiater zu gehen.


Christine Wahlmüller, Economy Webartikel, 09.12.2010 Kommentar posten


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