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14. Dezember 2018

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Kleine Verlage mit großen Büchern

Kleine Verlage mit großen BüchernDPA/Rumpenhorst

Ohne öffentliche Förderungen ist es für heimische literarische Verlage fast unmöglich zu überleben. Warum man trotzdem einen Verlag gründet, hat mehr mit Qualitätsansprüchen als mit Hoffnung auf kommerziellen Erfolg zu tun.

„Viele Verleger sind Idealisten, denen es darum geht, ein gutes Programm zu machen“, sagt Ralph Klever. Sein eigenes Programm stellt der Verleger seit knapp zwei Jahren zusammen. Zuvor arbeitete er 14 Jahre als Lektor in der Verlagsbranche, bis er im Frühjahr 2008 seinen Verlag gründete: den Klever Verlag.
Autoren wie die Heimrad-Bäcker-Preisträgerin Waltraud Seidlhofer und junge Stimmen wie Ann Cotten und Robert Prosser sind bereits in dem Wiener Kleinverlag erschienen, 15 Titel hat Klever bisher verlegt. Der Verlag ist ein Ein-Personen-Unternehmen, nur manche Dinge wie die Cover-Gestaltung sind ausgelagert. „Der Vorteil eines kleinen Verlages ist die Überschaubarkeit und die Möglichkeit zu improvisieren, was aber auch ein Nachteil sein kann“, sagt Klever.

Keine Belletristik ohne Förderung
394 Verlage sind im aktuellen Verlagsführer Österreich registriert. Aufgenommen wird, wer die gewerberechtliche und aktive Ausübung der Verlagstätigkeit erfüllt. „Ein Großteil der österreichischen Verlage sind Kleinverlage“, sagt Herausgeber Michael Schnepf. Und auch die großen österreichischen Verlage haben im internationalen Vergleich kleine Ausmaße: „Wir haben nicht so große Zugpferde wie etwa die Schweiz mit Diogenes.“
Vor allem Literaturverlage kommen ohne Fördermittel kaum aus. Der österreichische Markt ist beschränkt, in Deutschland Fuß zu fassen nicht einfach. Kleinere Verlage sind daher oft von öffentlichen Unterstützungen stärker abhängig als von den Marktbedingungen. Allein die Druckkosten seien über die Einnahmen aus dem Verkauf schwer zu bewältigen, erzählt der Verleger Ralph Klever. Und: Richtig gut leben könne man vom Büchermachen ohnehin nicht.

Nischen finden
Warum man trotzdem einen Verlag gründet, hat mehr mit der Liebe zur Literatur und gut gemachten Büchern als mit der Hoffnung auf kommerziellen Erfolg zu tun. „Die Autoren sollen mit den Büchern, die wir machen, zufrieden sein“, sagt Klever. Eine eigene Programmnische zu finden, spiele für Kleinverlage eine wichtige Rolle. „Wir sind ein reiner Literaturverlag mit zwei Schienen: Essayistik und Literatur.“
Eine Nische hofft auch der Welser Mitter Verlag für sich entdeckt zu haben – die intermediale Literatur. Eine erste Anthologie, die sich dem Miteinander von Text und Fotografie widmet, erscheint Anfang März unter dem Titel Verschlusslaute, eine Zeitschrift soll folgen. „Wir versuchen, mit intermedialen Texten in eine Nische zu gehen, in der wir noch allein sind, und hoffen, diese ausbauen zu können. Das sind Wege, die ein Kleinverlag gehen muss, wenn er wahrgenommen werden will. Neue Wege sind immer mit einem Risiko verbunden; man weiß nicht, wie man aufgenommen wird“, sagt Alfred Gelbmann vom Mitter Verlag. Gemeinsam mit seiner Frau hat er 2006 den Verlag gegründet. Bislang ist im Mitter Verlag Lyrik und Prosa österreichischer Gegenwartsautoren, darunter Erich Wolfgang Skwara, erschienen. „Es erfüllt mich mit Freude, ein Buch zu machen. Wir sind kein wirtschaftliches Unternehmen, sondern ein literarisches“, sagt Gelbmann über seinen Verlag.

Im siebenten Jahr
„Was ein Kleinverlag ist, da gibt es verschiedene Definitionen, wir sehen uns nach wie vor als Kleinverlag“, sagt Stefan Buchberger vom Wiener Luftschacht Verlag. Zwölf Titel erscheinen pro Jahr, der Verlag wurde vor sieben Jahren gegründet und hat mittlerweile in der Branche einen bekannten Namen – bis hin nach Deutschland. „Es hat uns sehr geholfen, dass wir uns dort schon früh mit der Gruppe unabhängiger Verlage zusammengetan haben“, sagt Buchberger, der gemeinsam mit Jürgen Lagger den Verlag betreibt. Geholfen hat anfangs auch die Anthologie des FM4-Nachwuchsliteraturwettbewerbs „Wortlaut“, die jährlich bei Luftschacht erscheint. Lukas Meschik wurde von Luftschacht über den Wettbewerb entdeckt. Im März erscheint das zweite Buch des 21-Jährigen, dessen Debüt auch im deutschen Feuilleton rezensiert wurde.
Programm ist bei Luftschacht, was stimmig ist. Neben Romanen, längeren Erzählungen und Anthologien finden sich die Sparten Comic und Kinderbuch im Verlagsprogramm. Angemessen verpackte Bücher, die einen Anspruch haben: „Ich möchte nichts machen, was irgendwann peinlich ist, dann könnte ich gleich in einer Bank arbeiten.“

Links

Anna Weidenholzer, Economy Ausgabe 81-02-2010, 26.02.2010