Flugbegleiterin am Höhenruder

Flugbegleiterin am Höhenruder ()Foto:
Wenn man wieder einmal überlebt hat, riecht die Luft würziger, und ein paar Stunden lang glüht alles rundherum in Technicolor. Berge, die vorher schon da waren, lehnen sich dann aufreizend ins Blickfeld. Dabei schienen die Szenen aus Katastrophenfl ug soundso zum Greifen nah: sich zum letzten Mal küssende Paare und ein Kopilot, der trotz Fadenkreuz am Hinterkopf seinem letzten Check-up nachgeht und gleich danach aus dem Cockpit-Fenster gesaugt wird. Wer mit Flugangst fl iegt, kennt das: Beim Start schafft es freudige Hibbeligkeit an die Oberfl äche, allerdings nur bis die Motoren aufröhren und der Gurt enger gezurrt wird. Danach geht es um Leben und Tod, weshalb sich im Hals ein Frosch befi ndet und im Auge leichter Wasserstand. Nebenan gähnt sich einer in seine Zeitung. Weil sich die Triebwerksgeräusche im Gegenwind verändern, werden Finger ans Ohr und Zähne aufeinandergepresst. So soll der Absturz verhindert werden. Eine kurze Phase leichtsinniger Entspannung würde den Blechvogel bestimmt vom Himmel in den nächsten Badesee donnern lassen. Wofür sonst sind Schwimmwesten an Bord? Auf Reisefl ughöhe bekommt der Kopf eine Endlosschleife zugewiesen, es wird aufgestanden und aufs Klo marschiert. Das macht aus der fl iegenden Schuhschachtel eine Art Wohnzimmer. Bis zum Sinkfl ug tritt so vorläufi ger Normalbetrieb in Kraft, es sei denn Hochprozentiges wird nicht serviert oder Luftlöcher, Jet-Winde und verbrannt riechende Bordküchen kommen in die Quere. Die Erinnerung an Filme der Katastrophenfl ugreihe sorgt schließlich doch für Entspannung. Eine Flugbegleiterin schafft es da doch immer, die fenster- und tragfl ächenlose oder mit bewusstlosen Verbrechern gefüllte Maschine sicher zu landen. - Ausgewählte Berichte und Kommentare aus den Schwerpunkt-Ausgaben bereits erschienener economy Printausgaben.
Alexandra Riegler, Economy Webartikel, 27.01.2012 Kommentar posten


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