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Drehung mit dem Wind

Drehung mit dem Wind ()Foto:

Hillary Clinton betet Mittwochfrüh. Das Ritual begann, als sie, seinerzeit noch Juniorsenatorin von New York, in einen einflussreichen Washingtoner Gebetskreis aufgenommen wurde und damit Zutritt zu einem Teil des Altherrenregiments am Capitol Hill erhielt. Jede Woche kam Clinton dort mit einer Handvoll Senatorenkollegen zur Fürbitte zusammen. Zwei Jahre später holte sie sich im Rennen um das Präsidentenamt einen religiösen Konsulenten an ihre Seite. Linke Blogger mokierten die Entscheidung ebenso wie Barack Obamas Entschluss, den Pfingstler-Pastor Joshua DuBois zum „religiösen Reichweitenberater“ seines Wahlkampfs zu machen. Die Aufgabe der Berater war klar definiert: den Bibeltreuen des Landes die für ihren Geschmack zu linke Agenda der demokratischen Partei schmackhaft zu machen. Trotz vorsichtig abnehmender Religiosität – laut American Religious Identification Survey kann ein Fünftel des Landes mit Religion nichts anfangen – steht außer Zweifel, dass Obamas öffentliche Glaubensbekenntnisse für seinen Sieg unerlässlich waren. Dass inzwischen katholische Bischöfe beim Gesetzesvorschlag zur allgemeinen Krankenversicherung mitreden und Schwangerschaftsabbrüche von den finanziellen Leistungen künftig ausgenommen sein könnten, zeigt, wie schmal der Grat zwischen Diplomatie und dem Verrat der eigenen Ideale ist. Stumm verweisen die Demokraten auf die Macht der religiösen Rechten. Im offiziellen Sprech werden die Kompromisse indes verschwommen als Mittel zum obersten Zweck, dem Vorwärtskommen, genannt.


Alexandra Riegler, Economy Printausgabe 79-12-2009, 18.12.2009 Artikel mailen
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