Die Bürde des Eigentums

Die Bürde des Eigentums (Kilian Kada)Foto: Kilian Kada

Der Drang, Dinge zu besitzen und anzuhäufen, ist Natur und Last zugleich.

Menschen folgen ihrem Instinkt, und ein sehr starker Instinkt ist sonderbarerweise der Drang nach Aneignung und Anhäufung von Eigentum. Die verschiedenen Erklärungsversuche, warum das so ist, reichen von der Religion über die Naturwissenschaft bis zur Sozialpsychologie, der Politiktheorie und natürlich der Ökonomie.
Eigentum, das ist laut Hegel ein Privatrecht, dem eine soziale Prämisse zugrunde liegt. Es sei jedem überlassen, sich im Rahmen eines Rechts zur Verfügung über Sachen Dinge anzueignen, sie zu besitzen und sie sein Eigentum zu nennen. Das sei die Freiheit des Individuums, solange sie in korrekter Relation zur Freiheit anderer Individuen stehe, nämlich deren Recht auf Eigentum nicht stört, zum Beispiel durch Diebstahl.
Unsere moderne Gesellschaft funktioniert nicht ohne diesen Eigentumsbegriff, er ist wesentliche Grundkonstante im gesamten Rechtssystem, in sozialen Interaktionen, im kollektiven Handeln, in der Ökonomie und die Basis für alles Gewinnstreben. Dieses Eigentumsbedürfnis nützt die moderne Warenwirtschaftswelt allerdings hemmungslos aus. Im steten Bemühen, mehr Bedürfnisse nach Besitz und Eigentum zu schaffen, knattern die Werbebotschaften auf die Allgemeinheit nieder.

Zum Vererben
Die Bedürfnisschaffung für dieses bedeutungslose Eigentum schafft in unserem System die perfekte Bedingung für das System der lohnabhängigen Arbeit. Die beherrschende Durchdringung des Eigentumsbedürfnisses in unserer Gesellschaft ist ein Übel.
Da gibt es zum Beispiel den altertümlichen Begriff der Grundbuchslasten. Jemand kauft ein Haus, eine Wohnung, auf Kredit, im Grundbuch ist die „Last“ vermerkt, die er jahrein, jahraus mit sich herumträgt. Bis ihm alles gehört, bis er darüber verfügt, vergehen Jahre und Jahrzehnte. Der Eigentumsmensch lebt mit der Last. Er trägt sein Eigentum mit sich durchs Leben, er will es bewahren, wenn nicht für sich, dann für seine Erben.
Natürlich, auch Armut und Besitzlosigkeit ist eine Last, darum ist einer, den Eigentum belastet, aus Sicht der Armen wohl ein Zyniker, ein Bohemien, ein Salonmarxist. Doch das Eigentum als Last beginnt ja erst dann, wenn es über die Grundbedürfnisse hinausgeht, wenn das Eigentum nur mehr um des Eigentums willen angehäuft wird, wenn man den Eigentumspredigern gehorcht.
Darum: Verkauft eure Echtholz-Wohnzimmergarnitur, euren Plasma-TV-Schirm, eure Häuser, packt einen Koffer und fahrt in die Welt hinaus.


Arno Maierbrugger, Economy Printausgabe 78-11-2009, 20.11.2009 Kommentar posten


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