Der Tod, der aus der Erde kommt

Der Tod, der aus der Erde kommt (Nuclear Free)Foto: Nuclear Free

Atomkraft braucht Uran. Uran kommt aus der Erde. Uran ist ein radioaktives Schwermetall. Uran­abbau findet vor allem auf den Territorien indigener Völker statt – in Australien, in Afrika, in Asien, in Nord­amerika. Für eine Tonne Uranoxid können, je nach Erzqualität, bis zu 100.000 Tonnen Abraum anfallen. In den Halden bleiben 80 Prozent der Strahlung erhalten. Wind und Regen sorgen für eine stetige Strahlenverseuchung der Regionen, die von Säuren durchtränkte Erde macht jegliche Nutzung unmöglich. Uranabbaugebiete sind nationale Opfergebiete: In allen Erdteilen sind sie von hoher Krebskonzentration, Fehl- und Missgeburten gekennzeichnet. Wir hören und lesen davon nichts, denn der Tod kommt hier leise, den Medien fehlen die Kriterien des Kitzels.
In der kanadischen Subarktis verseuchen die Minen Flüsse und Seen und gefährden die Jagd der indianischen Völker. Liegen die Erzadern in Wüsten, werden unterirdische Wasservorkommen angezapft. In der Wüste von Niger plant die französische Firma Areva die größte Uranmine der Welt. Zusätzlich vergibt der Staat auf dem Land der Tuareg 140 Lizenzen für internationale Prospektoren. Eine ökologische und humane Katastrophe steht bevor. Das ist nuklearer Kolonialismus. Wir sind immer mitschuldig, wenn wir dem Energiekurs der Atomstaaten nicht widersprechen.
Die Uranminen verletzen die heiligen Orte der indigenen Völker aller Kontinente. Sie warnen uns: Die Unversehrtheit dieser Orte ist Voraussetzung für die Gesundheit des Planeten und ihrer Bewohner. Mythische Tiere verleihen den Warnungen Gestalt: Die Regenbogenschlange Australiens hütet die Kräfte im Erdboden, die nicht in die Atmosphäre gelangen dürfen. Auf dem Colorado-Plateau im Südwesten Nordamerikas hütet Avanyu, die gehörnte Schlange, das Wasser im Erdinneren. Beide Schlangen werden zu Monstern, wenn die Menschen ihre Rolle als Hüter der Erde vergessen und den Raubbau zum Fundament ihrer Zivilisation werden lassen. Längst haben sich die Prophezeiungen der Stammesvölker erfüllt. Die heiligen Plätze sind vernichtet, die Monster unter uns.
In unseren Atomreaktoren wird Wasser gekocht, um mit dem Dampf Strom zu erzeugen. Dabei entsteht Abfall, der Jahrtausende strahlt. Niemand weiß, wohin mit dem radioaktiven Müll. Das muss man sich einmal vorstellen: Um Wasser zu kochen, wird der Fortbestand des Lebens auf dieser Erde riskiert.
Wer diesen Irrweg nicht sieht, blockiert den Ausweg. Wer Ja sagt zu Atomstrom, muss auch Ja sagen zu Menschenopfern.
Claus Biegert ist freier Journalist und Mitgründer des Nuclear-Free Future Awards.


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Claus Biegert, Economy Printausgabe 74-06-2009, 26.06.2009 Kommentar posten


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