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zur Startseite "Leben"Der ewige Fluch der Atomkraft
Foto: Der Friedhof von Mitinsk nahe Moskau ist ein trostloser Ort, da hilft auch das Gläschen Wodka, das der Milizsoldat bei der Besichtigung der Gräber anbietet, nicht sehr viel. Es ist der einzige Friedhof weltweit, auf dem statt herkömmlicher Grabdeckel schwere Bleiplatten verwendet werden. Denn in der Erde liegen die schwer verstrahlten Leichen der sowjetischen „Liquidatoren“ begraben, die beim Ersteinsatz bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 umkamen. Mehrere Zehntausend sollen es sein, irgendwo am Friedhof steht eine Gedenktafel mit den Namen der Helden. Sie wurden von der Sowjetregierung nach dem Reaktorunfall sprichwörtlich verheizt, nannten sich selbst Bioroboter, bis ihnen nach dem Löschen der atomaren Glut die Haut in Fetzen herabhing und sie binnen weniger Wochen elendiglich krepierten, nicht ohne vorher mit einer Tapferkeitsmedaille behängt worden zu sein.
Am Fluch der Atomkraft hat sich seit dem Super-GAU im Jahr 1986 nichts geändert, auch wenn das Sentiment heute ein anderes ist. Die Industrie propagiert „sichere Atomkraft“ als die derzeit umweltfreundlichste Form der Energiegewinnung im Verhältnis zur Ausbeute und findet weltweit Unterstützung. Sicherlich sind Reaktoren seit dem Schrottmeiler von Tschernobyl mit seiner veralteten Graphit-Technologie
wesentlich sicherer geworden, und ehemals Grünbewegten mag heute Reaktorstrom sogar näher liegen als Biodiesel aus wertvollen Pflanzen – doch keine Technologie der Welt kann einen weiteren Super-GAU vollkommen ausschließen, sondern höchstens mit geringeren Risikowahrscheinlichkeiten seines Auftretens argumentieren. Bis wieder ein paar strahlende Leiber unter Bleiplatten die ewige Ruhe finden.
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