Demokratie zu zweit

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Wenn Politiker untragbar werden, sucht man nach jenen, die dies verhindern hätten können. Ist ein Sündenbock identifi ziert, dann lässt ein Land an einer Person den Um-stand aus, dass es zu keiner besseren Wahlentscheidung in der Lage war. Das könnte viel über die Schwächen eines Wahlsystems sagen, sagt aber zunächst viel über die Moral im Land. Weil der Präsident so enttäuscht, wiegt die Last auf des Sündenbocks Schultern schwer. Gerade Ralph Nader, der sein Leben in den Dienst der Machtkontrolle stellte, sollte es sein, der dem vermeintlich Guten den Weg an die Spitze verstellte. Aus dem Grund, weil er 97.000 Stimmen in Florida kassierte und dem Gore-Lager 537 davon fehlten, um Bush aus Washington fernzuhalten.Demokratie, unter Zweien aufgeteilt, kann ihre Tücken haben. Deswegen hatte man „Nader-Trading“ vorgeschlagen. Nader-Anhänger in unsicheren Swing-Staaten sollten ihre Stimme Gore geben, im Austausch würden Gore-Befürworter in republikanischen Hochburgen Nader wählen. Das Prinzip: Minderheitsstimmen sind verlorene Stimmen. Warum also nicht zumindest der Grünen Partei mit fünf Prozent der Stim-men zu öffentlicher Wahlkampffi nanzierung verhelfen? Nader wollte vom Kuhhandel nichts wissen, weil es ihm ums Prinzip ging, jenes der Demokratie, das er den Leuten immer schon zurückgeben wollte. Weil sonst Dinge in ihrem Namen passieren würden, die sie nicht unterschrieben hätten.Passiert im Namen anderer ist seither vieles. Heute sagt Na-der: „Ja, Bush sollte seines Amtes enthoben werden.“ Dass keine Zeit mehr dazu sein sollte, will er nicht gelten lassen. Es geht auch hierbei ums Prinzip, jenes der Gründlichkeit. Der Politiker Nader wäre wohl zu keiner Zeit umsetzbar: so besessen und seltsam bescheiden. Aber es ist schön, dass er es versucht hat – wenngleich auch nur schön fürs Prinzip.
Ausgewählte Berichte und Kommentare aus den Schwerpunkt-Ausgaben bereits erschienener economy Printausgaben.


Tristan Rohrhofer, Economy Webartikel, 16.12.2011 Kommentar posten


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