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zur Startseite "Leben"Bücher ins Hirn saugen
Foto: EPADas Buch unter den Kopfpolster legen und ruhig schlafen. Das Gehirn zieht sich den Lernstoff über Nacht rein, am nächsten Tag kann man ihn bei der Prüfung runterrattern. So ein magisches Lernen ist der Traum jedes faulen Schülers, jeder gestressten Studentin. In der modernen Version würde man sich das Lehrbuch einfach in den Kopf einscannen.
Doch hoppla, das gibt es bereits. Behaupten zumindest die Proponenten der Photoreading-Methode, die der US-Autor Paul Scheele erfunden hat. „Photoreading ist die Formel eins unter den Schnelllesetechniken“, sagt die Trainerin Carin Partl. Man nehme ein Buch zur Hand, entspanne sich, aktiviere die visuelle Wahrnehmung, blättere das Buch Seite für Seite durch und schweife mit den Augen über den Text. Dann 24 Stunden im Hirn wirken lassen. Am nächsten Tag könne man das Wissen aktivieren. Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Genau damit hätten die Leute Probleme, beobachtet Partl. „Man muss zuerst den Glaubenssatz ‚Das kann ich nicht‘ überwinden.“
Von Schnelllesetechniken hörte man erstmals Anfang der 1960er Jahre. Als berühmter Schnellleser galt John F. Kennedy, der angeblich 1200 Wörter pro Minute lesen konnte. Eine durchschnittliche Person schafft 250 Wörter pro Minute. Kennedy hatte an einem Schnellleseseminar teilgenommen, der Time-Reporter Hugh Sidey hatte davon gehört und den Präsidenten gefragt, wie schnell er lesen könne. John F. Kennedy schätzte sich selbst auf 1200 Wörter pro Minute. Seither geistert diese Zahl durch die Welt. Das Versprechen der Photoreading-Vertreter ist noch viel sensationeller: 25.000 Wörter pro Minute. Das wird von vielen angezweifelt.
Denken im organisierten Chaos
Doch bevor man den Formel-eins-Boliden fährt, gibt es noch andere Methoden, beim Lesen aufs Gas zu drücken. Wichtig ist, den Textmüll aus dem Lesestoff herauszufiltern und gar nicht zu lesen.
Mindmapping ist für Carin Partl die Voraussetzung für Photoreading und überhaupt die beste Methode, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dabei wird die Essenz eines Texts in eine grafische Struktur gebracht, die den Verästelungen der Neuronen im Gehirn ähnelt. Auch bei Brainstorming-Sitzungen wird Mindmapping oft als Werkzeug verwendet. „Denken im organisierten Chaos“, nennt es Mindmapping-Trainerin Maria Beyer. Die Technik entwickelte der Brite Tony Buzan.
Doch nicht alles im Leben muss schnell gehen. Den neuen Dan Brown-Thriller The Lost Symbol darf man in aller Ruhe lesen. Außer man nahm am Schnelllesewettbewerb in Sydney teil. Die Siegerin brauchte zwei Stunden und 34 Minuten für die 509 Seiten.
PhotoReading
Die NASA hat PhotoReading von Scheele untersucht und kommt zum Ergebnis, dass es nicht funktioniert. Siehe
McNamara, D. S. (1999). A preliminary analysis of photoreading (Project NAG 2-1319). National Aeronautics and Space Administration.
Link: http://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/20000011599_2000009...
Wer sich ernsthaft mit dem Thema Schnell-Lesen beschäftigen will, findet mehr Informationen unter www.schnell-leser.de/publikationen.html.
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