Leben
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Foto: Es ist ein hinreißender Roman mit einer Sprachgewalt, die es schafft, einen in das Leben des Protagonisten hineinzuziehen, und einem so sanften Erzählrhythmus, dass man Langsamkeit an sich, jedenfalls so, wie sie im Buch dargestellt wird, verstehen lernt.
Der Roman beschäftigt sich mit dem Phänomen der Langsamkeit bis nahezu zum völligen Stillstand, zeigt aber auch, wie Wille und Geist über den Stillstand triumphieren können, am besten ausgedrückt in dem Satz: „Es gibt für alles zwei Zeitpunkte, den richtigen und den verpassten.“
Die Entdeckung der Langsamkeit erzählt die Geschichte des englischen Kapitäns und Polarforschers John Franklin, der wegen seiner Langsamkeit immer wieder Schwierigkeiten hat, mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit Schritt zu halten. Franklin schafft es dennoch, Expeditionsforscher im Polarmeer zu werden.
Dabei stellt sich die Frage: Wie schnell kann Langsamkeit sein? Ist es eine Eigenschaft? Kann es eine Lebenseinstellung sein, etwa im Sinne der „Entschleunigung“ moderner gesellschaftlicher Prozesse? Sten Nadolny ist ein großartiges Stück Zeitkritik gelungen, verpackt in einen fesselnden Roman rund um einen Außenseiter, der Dinge erst wahrnimmt, wenn sie schon vorbei sind.
Sten Nadolny:
Die Entdeckung der Langsamkeit
Piper, München, Erstauflage 1983, zuletzt 2010; 10 Euro
ISBN-13: 978-3492207003