Leben
zur Startseite "Leben"Boom der urbanen Trendviertel
Foto: Photos.comVergessen wir mal kurz Spittelberg und Karmelitermarkt, ohne diesen beiden angesagten Trendvierteln in Wien unrecht zu tun. Immerhin kann die österreichische Hauptstadt, laut aktueller Mercer-Liste die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität, mit gleich zwei solchen In-Plätzen aufwarten. Doch im Vergleich zu den neuen, aufstrebenden Trendvierteln in internationalen Metropolen muten die Wiener Bohème-Refugien dann doch recht beschaulich an.
Trendviertel boomen derzeit weltweit. Dies hat – je nach Region – mit zweierlei Faktoren zu tun: mit einer zielgerichteten Stadtentwicklung in westlichen Großstädten oder mit „natürlichem“ Mittelschichtswachstum in den Tigerländern Asiens. Die Verläufe sind weltweit ähnlich: Wo es in ehemals problematischen Bezirken durch Immobilienspekulation, Vernachlässigung und soziale Umschichtung zur Abwanderung kam, entdecken plötzlich Kreative, Künstler und urbane Pioniere einen neuen Lebensraum, der zuerst zu einer Art „Existenzialisten-Getto“ wird, in der Folge aber durch Eigendynamik und Pioniergeist schließlich einen „Trend“ symbolisiert.
„Wir Soziologen sprechen von einer Milieu- und Lebensstilgesellschaft. Entsprechend der Einkommens- und der Bildungssituation sowie der privaten persönlichen subjektiven Auffassung von Leben und den subjektiven Normen und Werten bilden sich Lebensstilgruppen, Milieugruppen in unseren Städten aus“, sagt der deutsche Wohnsoziologe Klaus Schmals.
Kreuzberg und Sopi
Und so passiert es: In New York bildet nach Soho und Chelsea nun Harlem das neue Trendviertel, in Paris sind es Ménilmontant, Belleville und Sopi (South of Pigalle). In Hamburg sind es die Hafen-City und das Schanzenviertel, in Berlin ist es das ehemals schäbige Kreuzberg geworden. In Mailand erlebt gerade die Zona Tortona, ein ehemals trostloses Arbeiterviertel hinter dem Bahnhof Porta Genova, ihren Aufschwung als Lebensraum für die junge, urbane und kaufkräftige Schicht. Die Liste lässt sich problemlos in Richtung Asien fortsetzen: Wer das neueste Trendviertel Istanbuls besuchen will, fragt dort nach Beyoglu. In Mumbai, man möchte es nicht glauben, mausert sich der ehemalige Slum Dharavi zum aufstrebenden Trendviertel.
Von China gar nicht zu reden: Wer in Schanghai „in“ ist, wohnt im neuen Trendviertel Xintiandi, von der Stadtverwaltung stolz „Lifestyle Center“ genannt. Und in Peking kommt man an Nanluoguxiang nicht vorbei: schicke Bars, Dachterrassenwohnungen und Designer-Chic für die neue Mittelschicht.
Ihre Meinung: