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zur Startseite "Leben"Beinausstrecken nur gegen Aufpreis
Foto: Photos.comVerstaut zwischen Laptop-Computern, aufblasbaren Nackenpolstern und unter den Sitzen eingepferchten Reisetaschen, werden 295 Passagiere über den Atlantik geflogen. Die trockene Luft ist überheizt, die von der Crew ausgeteilten Reisedecken klemmen zwischen den Sitzen. Alle 75 Zentimeter acht weitere Passagiere. Nur acht Stunden noch.
31 Stunden nach Kairo
Dabei waren Flugreisen einst geradezu ein elegantes Abenteuer. Mit einem Glas Whiskey in der einen und, passend zum Zeitgeschmack, einer Zigarette in der anderen Hand, saß man in der Clublounge im Untergeschoß des Stratocruisers und düste von der Ost- an die Westküste der USA. Ende der 40er Jahre dauerte eine solche Reise, zwei Zwischenstopps inklusive, rund 14 Stunden. Trotz ohrenbetäubenden Propellerlärms schien das Flugerlebnis eine besondere Atmosphäre zu verbreiten: Gekleidet, als wäre man auf dem Weg ins Theater, wurden die langen und oft ruckeligen Flugreisen neugierig ausgesessen. Nach 31 Stunden war man bereits in Kairo. Mit der Eisenbahn ließ sich in dieser Zeit gerade einmal die Strecke New York – Miami zurücklegen.
Das Abenteuer des frühen Passagierflugverkehrs war mitunter auch ein tödliches. Materialermüdung, unter anderem durch wiederholten Druckausgleich hervorgerufen, führte in den 50ern zu einer Reihe von Abstürzen. Der verpflichtende Instrumentenflug, also auch bei Schönwetter, wurde erst 1956 eingeführt. Doch Mitte des 20. Jahrhunderts rückte mithilfe von Strahltriebwerken der alte Kontinent näher: Paris und New York waren mit den neuen Jets nur noch sieben Stunden voneinander entfernt und ostwärts sogar ohne Zwischenlandung erreichbar.
In einer Werbeschaltung aus dem Jahr 1954 rechnet United Airlines vor, dass ein Flugticket von Kalifornien nach New York mit 99 Dollar gerade mal 13,43 Dollar teurer sei als eine Bahnfahrkarte. Und: Die erste Klasse sei im Flugzeug zumeist sogar günstiger als im Zug. Allerdings lag der Durchschnittsverdienst in den USA seinerzeit bei rund 2500 Dollar pro Jahr. Während sich demnach in den 50ern ein Ticket nach Europa mit gut dem Fünftel eines Jahresgehalts zu Buche schlug, ist die Route heute für einen halben österreichischen Monatsverdienst zu haben.
Käuflicher Komfort
Dass das Fliegen in der Economyclass heute eher einem Transport als dem Reisen von damals gleicht, ließe sich als Folge des Preisverfalls erklären. Auch ist der Weg längst nicht mehr das Ziel. Dennoch betrifft der abnehmende Komfort vor allem den Flugverkehr, während sich bei Zug und Auto ein gegenteiliger Trend zeigt.
Zweifellos ist Komfort über den Wolken käuflich. Fluglinien wetteifern seit Langem um das flachste Bett über den Wolken. Kabine gefällig? Im Airbus 380 von Singapore Airlines lassen sich zwei Firstclass-Suiten zu einem Doppelbett vereinen. Kostenpunkt: rund 10.000 Euro.
Weil sich das Reiseerlebnis auch durch kleine Annehmlichkeiten einstellt, kann ein bisschen Luxus scheibchenweise zurückgekauft werden. Die Zielgruppe: genervte Economyclass-Reisende. Seither werden Sitze mit fünf Zentimetern mehr Beinfreiheit angeboten, gegen einen Aufpreis darf man das Flugzeug vor seinen Mitreisenden besteigen. Virgin Atlantic hat unterdessen seine Businessclass kurzerhand in Premium Economy unbenannt, nicht zuletzt, um den neuen Regeln bei Geschäftsreisen zu entsprechen.
Die Reisenden nippen dennoch am Champagner, essen von Porzellantellerchen und spießen ihr Frühstück mit einer Metallgabel auf. Während die niedrigen Flugpreise einen mobilen Lebensstil erst möglich machen, lässt sich die Freiheit durch Einschränkungen während der Reise, für viele kaum mehr genießen. Eine – wenngleich kostspielige – Alternative: den Weg wieder verstärkt zum Ziel zu machen. Der nächste überfüllte Transatlantikflug könnte dann etwa gegen eine Kabine auf der „Queen Mary 2“ eingetauscht werden.
Was hier unter 'komfort'
Was hier unter 'komfort' läuft ist schlichtweg 'anatomische Notwendigkeit', meine Oberschenkelknochen sind nunmal länger als der aktuelle Standardsitzabstand. Ich bin auch bereit für 20% Mehr Platz 20% mehr zu zahlen, aber eben nur 20% und nicht die 200% für die BC.
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