Leben
zur Startseite "Leben"Auskenner unter sich
Foto: FM4Ich werde (aus dubiosen Gründen) bei Twitter öfters von Mode-Bloggerinnen geaddet. Ich sehe mir deren Seiten dann gerne an und stelle nicht nur fest, dass es davon selbst im kleinen Österreich eine erstaunliche Menge gibt, sondern vor allem, dass ich nur Bahnhof verstehe: Es ist eine sehr hermetische Welt, in der sich diese Expertinnen bewegen. Sie schreiben in einer Fachsprache, die sich wiederum nur anderen Expertinnen erschließt. Trotzdem funktioniert das System: Die Welt der Mode-Berichterstattung ist mittlerweile auf diesen Blogs aufgebaut. Diese anschaulichere und doch so fremde Medien-Nische ermöglicht mir einen wertfreien Blick auf die eigene Philosophie, die eigene Strategie und die Frage, ob Nische (beziehungsweise Nischen-Politik) tatsächlich gleich Nische ist.
Im Regelfall steht „eine Nische bedienen“ nämlich für den Transfer von Herrschaftswissen, egal ob es sich dabei um das Web-Angebot des Wall Street Journal oder um Modepilot.de handelt. Auskenner geben ihre Information an Verwender weiter, die daraus Nutzen ziehen. Einen aufklärerischen Anspruch haben diese Produkte nicht, sie folgen der klassischen Verwertungslogik des Kapitalismus; auch wenn sie noch so nischig daherkommen.
Wenn die Nische, die man belegt, jedoch einen kulturellen Anspruch hat, dreht sich das Bild wie die Kulisse in einem Castorf-Stück. Wenn man – wie FM4 – Jugend- und Popkultur nicht als Produkt und Verkaufsmodell, sondern als Zugang, als grundlegende „Attitude“ betrachtet, verliert sich das klare Geschäftsmodell schnell im Diffusen. Weshalb es dann auch logisch ist, dass diese Leistung (das Schärfen von Blickwinkeln, das Bereitstellen von Tools zur Durchforschung neuer interessanter Welten abseits des Mainstreams und der Appell an die lebenslange Neugier) nur innerhalb eines öffentlich-rechtlichen Auftrags angeboten werden kann.
Martin Blumenau ist FM4-Gründungsmitglied, Chief Coordinator, Moderator und Blogger.
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