Von Komponist bis Filmemacher

Von Komponist bis Filmemacher (MDW)Foto: MDW

Die größte Musik- und Kunst-Uni der Welt (MDW) steht in Wien. Heute kämpft sie um ihre Vielfalt, für Innovationen und ein moderneres Image sowie für mehr Forschung(sgelder). Neue Studienangebote wie Digital Art Compositing schaffen auch intern neue Formen der Zusammenarbeit.

„Innovation aus Tradition“ – mit diesem Leitbild, das auch gleich Einblick in ein Spannungsfeld gewährt, strebt die Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst (MDW) nach Vielfalt in Kunst, aber auch Wissenschaft.
„Wir haben 24 Institute im Haus, unser Angebot ist sehr breit, es reicht von Musikausbildung im Instrumentalstudium und Gesangsausbildung über Schauspiel im Max-Reinhardt-Seminar und Filmakademie bis hin zu pädagogischen Studienrichtungen und Forschungsinstituten. Zudem haben wir über 1000 Veranstaltungen im Jahr“, erklärt Claudia Walkensteiner-Praschl, Vizerektorin für Lehre und Frauenförderung an der MDW.

Campus als Weg in die Zukunft
Erst 2004 wurde die als elitär-konservativ geltende Kunst- und Musikhochschule mit dem Universitätsstatus praktisch eine Etage höher befördert, auch örtlich gab es eine Veränderung: Zentraler Sitz der MDW ist heute die renovierte ehemalige Veterinärmedizinische Uni in Wien-Landstraße. Die Adresse passt perfekt: Anton-von-Webern-Platz, benannt nach dem österreichischen Komponisten und Kappellmeister.
Von den rund 3000 Studenten sind knapp zwei Drittel Frauen, zudem ist die Wiener Musik- und Kunst-Uni vor allem international begehrt: Fast die Hälfte der Studenten kommt aus dem Ausland. Eine Aufnahmeprüfung – an anderen heimischen Unis ein „heißes Eisen“ – ist hier obligat und allseits akzeptiert. Wer diese Hürde geschafft hat, darf sich über harte, aber gute Studienbedingungen freuen. Total überfüllte Hörsäle gibt es einfach nicht. Dafür eine Vielzahl von Standorten, über ganz Wien verteilt, die aber in den nächsten Jahren sukzessive abgebaut werden sollen. Der Campus im dritten Bezirk wird noch weiter ausgebaut. Die Bologna-Struktur mit der Dreiteilung des Studiums in Bakk, Master und PhD wurde zwar eingeführt, „gilt aber in einigen Bereichen wie etwa im Instrumentalbereich oder im Reinhardt-Seminar nicht“, verweist Walkensteiner-Praschl auf das Mitbestimmungsrecht der Institute.
Neben der Lehre wird versucht, vermehrt die Forschung zu forcieren. Beim neuen Förderprogramm zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK), das vom Forschungsförderungsfonds (FWF) abgewickelt wird, hat die MDW für eines der ersten sieben bewilligten Projekte den Zuschlag erhalten. „Quo vadis, Teufelsgeiger?“ ist ein Projekt zur Karriereförderung von Musikern. Dabei wird künstlerische Praxis (im Kompetenzlabor) mit reflexiver Auseinandersetzung (Karrierecoaching) verbunden. „Wir haben zudem eine eigene Forschungsförderungsinitiative gestartet und 1,5 Millionen Euro vergeben“, berichtet Walkensteiner-Praschl.
Beispielhaft für den Innovationswillen ist das Projekt „NeW_AiR“ (New experimental Ways_Artists in Residence) des Instituts für Komposition und Elektro­akustik. Ziel ist es, den Studierenden eine tief greifende praktische und theoretische Auseinandersetzung mit den führenden Bewegungen der Kunstmusik des 21. Jahrhunderts zu ermöglichen (Live-Video, Noise Music, Turntablism, Numusic, Sampling Art, Openspace Music). Wichtig dabei ist eine vernetzte, institutsübergreifende Zusammenarbeit.
Übergreifend sind auch einige neue Angebote, etwa die Reihe Musikwirtschaftsdialoge der MDW in Kooperation mit Ö1 (nächster Termin: 9. Juni, MDW), ein neuer Lehrgang für Kulturmanagement oder das im Herbst an der Filmakademie eingeführte Studium „Digital Art Compositing“. Neben der Filmakademie Baden-Württemberg ist die Wiener Filmakademie damit europaweit die einzige universitäre Ausbildungsstätte. Ziel ist es, das gesamte Potenzial von „Compositing“ zu erforschen und weiterzuentwickeln. Alle filmischen Fachbereiche wie Buch, Regie, Kamera, Schnitt und Produktion spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wir wollen bis 2014 insgesamt noch an Reputation und Standfestigkeit gewinnen“, hat sich die Vizerektorin hohe Ziele gesteckt.


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Christine Wahlmüller, Economy Printausgabe 84-05-2010, 28.05.2010 Kommentar posten


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