So redet doch!

So redet doch! (attac)Foto: attac

In Alpbach ist man mundfaul und denkfaul.

Attac hatte die Aktion gut geplant. Im Morgengrauen schrieben die Aktivisten „Mensch vor Profit“ in riesigen weißen Buchstaben auf eine Wiese in Alpbach. Genau gegen­über vom Kongresszentrum. Genau am Tag, an dem die Wirtschaftsgespräche begannen. Es war August 2008, und kurz darauf mutierte die schwelende Finanzkrise zur globalen Wirtschaftskrise.
Doch mehr als freche Sprüche auf eine Wiese klopfen taten die Attac-Leute nicht. Sie blieben draußen vor der Tür. Sie waren nicht dabei, als Vorstände von Unternehmen über „menschengerechte Wirtschaftsordnung“ diskutierten. Als Superfund-Gründer Christian Baha – einer der Sponsoren der Wirtschaftsgespräche – über die vegetarische Küche und den Fitnessraum seines Unternehmens schwärmte. Da hätte Attac kritische Fragen stellen müssen. Nicht zu der Küche, sondern zum Fonds. Aber Attac drückte sich vor der Auseinandersetzung mit dem „Feind“.

Small Talk statt ernsthaft reden
Doch vielleicht fahren nur die Naivlinge nach Alpbach, um zu diskutieren. Vielleicht fährt man wegen der Nebeneffekte dorthin: schöne Blumen, heile Alpen, kostenloses Buffet, Small Talk mit alten Bekannten, Schulterklopfen mit der halben österreichischen Regierung. Vielleicht will man sich nur suhlen im Sehen-und-gesehen-werden, im Wichtigsein.
Welch vertane Chance! Jedes Jahr investieren internationale Politiker, Unternehmenschefs, Wissenschaftler und sonstige Denker viele Stunden, um in das entlegene Dorf zu kommen. Sie verlesen ihr Statement und diskutieren mit den Leuten am Podium. Mit dem Publikum gibt es kaum Diskussionen. Weil die Veranstalter dafür keine Zeit einplanen. Und weil das Publikum mundfaul und denkfaul ist. Es lässt sich berieseln. Es konsumiert Politikerdiskussionen und Nobelpreisträgervorträge. Peinlich wird es oft, wenn die Diskussion eröffnet wird. Da schweigen dann 500 Teilnehmer. Mit Glück finden sich drei Fragesteller. Worauf die Podiumsdiskutanten eine weitere halbe Stunde reden und das Publikum danach in die Kaffeepause geht.
Eine dieser absurd öden Diskussionen gab es 2009 im Bankenseminar – vor der Banker-Elite des Landes. Starredner war Ökonomie-Nobelpreisträger Myron S. Scholes. Sein Thema: The Loss of Confidence. Ausgerechnet Scholes. Der hatte 1994 den Hedgefonds Long-Term Capital Management mitbegründet, der anfangs hohe Renditen einfuhr und 1998 spektakulär zusammenkrachte. Der richtige Mann also für eine wilde Diskussion. Doch keiner der Banker stellte eine kluge Frage, keiner sprach Scholes auf seinen Hedgefonds an. Am Ende stand ein Mann auf, sagte, er sei 91 Jahre alt und fragte Scholes, wie er sein Geld anlegen solle. Worauf Scholes sagte: „You are 91? Spend it!“ Da konnte man wenigstens lachen.


, Economy Printausgabe 86-08-2010, 26.08.2010 Kommentar posten


TransitBuddy

TransitBuddy

AIT präsentiert Smarten Gepäcktrolley und Lotsen. Das Forschungszentrum AIT präsentiert ein ... mehr

Neues Syntheseverfahren ersetzt Erdöl mit billigen Abfallstoffen

Neues Syntheseverfahren ersetzt Erdöl mit billigen Abfallstoffen

Die TU-Wien entwickelt ein neues Syntheseverfahren zur Herstellung von Chemikalien aus ... mehr

Das Ende fundierter Kinderkrebsforschung

Das Ende fundierter Kinderkrebsforschung

Ein offener Appell von Ruth Ladenstein, international renomierte Kinderkrebsforscherin am ... mehr

Krumme Touren für mehr Sicherheit

Krumme Touren für mehr Sicherheit

Sicherheit und Zeiteffizienz von Sicherheitskräften stehen im Zentrum eines aktuellen ... mehr

Himmlische Laser-Lichtfasern für Messung der Atmosphäre

Himmlische Laser-Lichtfasern für Messung der Atmosphäre

Eine Kooperation der TU Wien mit Forschungsteams aus Moskau hat einen neuen Laser zur ... mehr

Nanostrukturen auf Knopfdruck

Nanostrukturen auf Knopfdruck

An der TU Wien wurden Bausteine entwickelt, die sich ganz von selbst zu komplizierten Strukturen ... mehr

Welser Studenten entwickeln innovative Ski-Diebstahlsicherung

Welser Studenten entwickeln innovative Ski-Diebstahlsicherung

Jahr für Jahr werden zig-tausende Schi und Snowboards gestohlen. Studenten der FH-Wels ... mehr

Canon in US-Patentranking im zehnten Jahr in Folge führend

Canon in US-Patentranking im zehnten Jahr in Folge führend

Canon erobert erneut die Spitzenposition in der Rangliste der 2014 an japanische ... mehr

Hunde erkennen menschliche Emotionen

Hunde erkennen menschliche Emotionen

KognitionsforscherInnen der Vetmeduni Vienna wiesen erstmals nach, dass Hunde zwischen fröhlichen ... mehr

BM Mitterlehner schafft weitere Förderimpulse

BM Mitterlehner schafft weitere Förderimpulse

... für forschungsintensive Klein- und Mittelbetriebe. Zwölf Forschungsprojekte mit ... mehr

Siemens entwickelt Diagnoselabor am Chip

Siemens entwickelt Diagnoselabor am Chip

Forscher von Siemens Österreich haben in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of ... mehr


 

Wenn die

sogar in Alpbach nicht den Mund aufkriegen ... dann sagt das ja einiges über unsere Diskussionsunkultur aus.

Ist mir aber schon bei der Wehrmachtsaustellung aufgefallen. In Klagenfurt wird mit Hinweis auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung ohne wesentliche Ressonanz abgesagt. In München wird zumindest auf hohem Niveau gestritten.

Hat ja auch noch keiner behauptet, dass die Demokratie schon in Österreich angekommen ist.

Ihre Meinung:

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.