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zur Startseite "Dossier"Edle Manufaktur ist Olymp der Kostüme
Foto: Dimo DimovBesser als erwartet war „nicht nur die Auftragslage, sondern auch das wirtschaftliche Ergebnis“, heißt es im Geschäftsbericht 2007/2008. „Der Erfolg der Art for Art Theaterservice beruht auf der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper, der Volksoper Wien, dem Burg- und Akademietheater sowie der Bundestheater-Holding, dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf der gezielten Investitionstätigkeit, die zu einer Steigerung der Effizienz des Personal- und Mitteleinsatzes führt“, erläutert Alleingeschäftsfüher Josef Kirchberger.
In der Tat: Nicht nur der Umsatz kletterte von 40 auf rund 43 Mio. Euro, auch der Gewinn konnte gegenüber dem Vorjahr von 2,88 auf 3,07 Mio. Euro leicht gesteigert werden. Freilich hat jeder der rund 430 in den Geschäftsfeldern Dekorationswerkstätten, Facility Office und Kartenvertrieb tätigen Mitarbeiter Anteil am Betriebsergebnis; doch für den Erfolg gibt es auch „stichhaltige“ Gründe.Denn ein besonders gerüttelt Maß daran haben zweifelsfrei die von Annette Beaufaÿs, auf deren Namen gleich zwei i-Tüpfelchen tanzen, geleiteten Kostümwerkstätten.
Weltweites Renommee
Die einstige Modedesignerin, von André Heller für dessen Projekte „Circus Roncalli“ und „Flic Flac“ entdeckt, gilt nach beruflichem Quereinstieg ins Fach und 22-jähriger freischaffender Tätigkeit für über 120 Produktionen für Theater, Oper, Film und Fernsehen in Europa, Japan und China heute als die Kostümbildnerin der Österreichischen Bundestheater, wenn nicht sogar die aller Bühnen der Welt. Ihr hundertköpfiges, ebenso leistungsfähiges wie motiviertes Team genießt seit Jahren einen fast legendären Ruf. Pro Jahr stattet es über 50 Opern-, Theater-, Film- und Fernsehproduktionen aus. Hinzu kommen Opern-Events, Life Ball oder Mega-Veranstaltungen wie die Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Schnell entwickelte Beaufaÿs ein fast übersinnliches Gespür für Stoffe und schöne Schnitte. Ihre Lust, andere Menschen mit Verve und Esprit zu verkleiden, wurde zur Triebkraft für ihre glänzende Karriere. Können, Fleiß, aber auch Fortüne forcierten ihren beruflichen Lebensweg.
Wie niemand sonst kleidet Beaufaÿs Opernsänger und Schauspieler ein und entwickelt ein subtiles Gespür für die „zweite Haut“, ob aus Samt, Seide, Brokat oder Spitzen. Der gebürtigen Sauerländerin, die sich selbst gern als „Troubleshooter“ definiert und „besonders dann richtig gut wird, wenn es richtig rundgeht“, fordert von sich, ihren Mitarbeitern und Lieferanten nichts mehr und nichts weniger als Perfektion in jeder Beziehung. Nicht Selbst-, sondern Detailverliebtheit, Perfektion, Besessenheit und Genialität prägen ihre Arbeit.
Als Beaufaÿs 1993 ihr Amt übernahm, fand sie im damaligen Staatsbetrieb Kostümwerkstätten in puncto Organisation und Ausstattung ein Unternehmen vor, das, wie sie sagt, „zutiefst in den 50er Jahren stecken geblieben war. Organisationsfähigkeit ist nicht nur Talent, es ist harte Arbeit.“ Nach intensiver betriebswirtschaftlicher Analyse, Restrukturierung und -organisation hat sie nicht nur Gemächlichkeit und museale Patina verbannt, sondern ihr gelang darüber hinaus in kürzester Zeit das Kunststück, Motivation und unternehmerisches Denken und Handeln im Bewusstsein ihrer Mitarbeiter zu verankern.
Heute wird ein ganzes Füllhorn aus handwerklicher Kreativität, Innovationen und eigens entwickelten Techniken sowie das unschätzbare Know-how von tradierten, kunstfertigen Nähtechniken, die schwelgerische Fülle Tausender Stoffe aus der ganzen Welt, viele davon exklusiv angefertigt, Schuhe, Accessoires und meisterlich gefertigte Haute-Couture-Mode für Privatkunden – schlichtweg das gesamte Leistungsportfolio – mit hoher Professionalität optimal und wirtschaftlich erfolgreich genutzt.
Kommerzialisierter Fundus
Weiters hat Beaufaÿs den gigantischen Theaterfundus mit über 200.000 Kostümen wohl geordnet und kommerzialisiert. „Ich muss frei sein“, bekennt sie offen, „denn ich bin nicht gut, wenn man mich nicht lässt“, und gibt dieses Credo – flankiert von flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungswegen und mit ausdrücklichem Dank für die Gewährung dieser Freiräume an ihren Vorgesetzten Josef Kirchberger, auch an ihre Mitarbeiter weiter. Der Vertrag mit den Art for Art Kostümwerkstätten sei im Übrigen neben dem Mietvertrag der Einzige, den sie in ihrem Leben unterschrieben habe.
Heute, auf dem Zenit ihres Schaffens, führt die 60-jährige Grande Dame ihrer Zunft ein gut bestelltes Haus, für das sie mit unternehmerischem Weitblick bereits zwei, drei potenzielle Kandidaten für ihre Nachfolge „in vier, fünf Jahren“, wie sie sagt, aufbaut. Seit Jahren gibt sie ihr nahezu universelles Wissen am Konservatorium der Stadt Wien als Lehrbeauftragte an die jüngere Generation weiter. „Die Kostümwerkstätten realisieren, ich sage dazu immer ‚lesen‘, die Fantasie des Kostümbildners. Wir setzen deren individuelle Vorstellungen um, deren Design. Auf der Bühne ist ein geschlossenes Kunstwerk zu sehen, das vom Kostümdesigner erdacht wurde und von uns Gestalt bekommen hat. Jede Inszenierung stellt für das Team eine stets willkommene, neue Herausforderung dar.“ Beaufaÿs’ Engagement und ihre Genialität wurden im Jahr 2008 mit der Verleihung des Professorentitels durch Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) honoriert. „Man kann in Österreich nicht mehr erreichen, als wenn André Heller die Laudatio hält und die Wiener Philharmoniker in privatissime für einen konzertieren“, gesteht sie mit einem Augenzwinkern und nicht ohne Stolz.
„Ob und wie weit sich die weltweite Finanzkrise auf die Theaterservice GmbH auswirken wird, ist derzeit noch nicht abschätzbar“, so Kirchberger. Sie hat aber gezeigt, dass Gewinne nur langfristig werthaltig sind, wenn sie, wie bei der Theaterservice GmbH, durch solide Arbeit erwirtschaftet werden.
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