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zur Startseite "Dossier"Der Verlust der Wissensbasis
Foto: Photos.comKärnten hat eine Reihe von Problemen, doch eines der größten stellt wohl der ungeminderte Brain Drain aus dem südlichsten österreichischen Bundesland dar. Aufgrund multipler Ursachen leidet dieses Land derzeit von allen heimischen Bundesländern am stärksten unter Abwanderung von Talenten und gut ausgebildeten Arbeitskräften, und es sieht nicht so aus, als ob sich dieser Trend in der nächsten Zeit umkehren würde.
Die Gründe dafür liegen in einem Mix aus Umständen, die in dem Begriff einer sich rapide verschlechternden Standortattraktivität zusammengefasst werden können. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des Gallup-Instituts er–gab, dass sich in Kärnten „die klassischen Phasen einer Krise“ abzeichnen, wie es Motivforscherin Sophie Karmasin ausdrückt.
Gemäß der Umfrage betrachten 65 Prozent der Kärntner ihr Land als schlecht verwaltet, gar 77 Prozent halten die hohe Verschuldung für überaus problematisch und sehen einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft. Letzterer Einschätzung schließen sich sogar 90 Prozent der Führungskräfte aus der Kärntner Industrie an.
Vier pro Tag gehen
Laut Otmar Petschnig, Präsident der Kärntner Industriellenvereinigung, verliert Kärnten pro Tag vier Einwohner durch Abwanderung. Besonders von diesem Phänomen betroffen sind die Bezirke Unterkärntens, aber auch die von Arbeitslosigkeit stark in Mitleidenschaft gezogenen Regionen im Nordwesten. Kärnten wird entsprechend dieser Berechnungen bis zum Jahr 2031 fünf Prozent an Bevölkerung (derzeit 560.000) verlieren, prognostiziert die Abteilung Landesplanung des Amts der Kärntner Landesregierung. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist neben der Abwanderung allerdings auch das Geburtendefizit. Hinsichtlich der sogenannten „Erwerbsbevölkerung“ zwischen 15 und 64 Jahren wird bis zum Jahr 2020 ein Rückgang um 14.000, ein Minus von knapp vier Prozent, erwartet, während der Anteil der älteren, nicht mehr erwerbstätigen Menschen überproportional ansteigen werde, lautet die Analyse.
Das Problem des Brain Drain liegt jedoch nicht so sehr in einem Mangel an geeigneten Ausbildungsstätten. Schließlich verfügt Klagenfurt über eine eigene Universität. Auch Fachhochschulen und andere Bildungswege gibt es zuhauf. Das Problem ist vielmehr in der unzureichenden Verfügbarkeit von Stellen für Akademiker und Fachleute abseits des Landesdienstes begründet, der traditionell als „Hafen“ für Kärntner Akademiker dient. Top-Firmen, die Stellen mit Aufstiegschancen und guter Bezahlung bieten, sind im Lande rar gesät.
Zugleich hält es der Mikrochiphersteller Infineon in Villach für überaus schwierig, junge Akademiker und Experten im Land zu halten oder gar hoch qualifiziertes Personal dorthin zu bringen. Kärnten müsse sich mehr auf Standortförderung und Innovation festlegen, meint Infineon-Chefin Monika Kircher-Kohl.
Magnet Wien
Statistisch gesehen verlassen die meisten Kärntner ihre Heimat in Richtung Wien, wo bereits 80.000 von ihresgleichen leben. Der Rückfluss von Abgewanderten ist eher spärlich oder wie es der Politologe Peter Filzmaier ausdrückt: „Die Zahl der intellektuellen Zuwanderer nach Kärnten ist bescheiden.“
Abgesehen von bestimmten Regionen in Österreich wie etwa der Obersteiermark oder dem nördlichen Weinviertel ist auch das Burgenland ein Bundesland, das mit Abwanderung zu kämpfen hat, insbesondere im Süden.
Viele südburgenländische Gemeinden kämpfen mit Abwanderung und Geburtenrückgang. Wirtschaftsschwäche, die periphere Lage sowie die fehlende urbane Ausstattung haben das Burgenland zu einer klassischen Abwanderungsregion gemacht. Jahrzehntelang war das Burgenland mit einer negativen Bevölkerungsentwicklung konfrontiert.
Der Anteil der Wohnbevölkerung mit Hochschulabschluss im Burgenland ist gering. Im Land selbst steht nur eine kleine Zahl hoch qualifizierter Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen zur Verfügung. Daher pendelt diese Bevölkerungsgruppe zu einem großen Teil in Richtung Wien, nach Niederösterreich oder in den Raum Graz. Insgesamt gehören fast drei Viertel der erwerbstätigen Burgenländer zu den Pendlern.
warum wandert man ab?
Die junge Generation nutzt die Chance eines offenen Europas! Sie zieht es in erster Linie dorthin, wo sie sich darauf verlassen kann auf größte Offenheit zu stoßen. Dies bezieht sich aber nicht nur auf ökonomische Interessen. Man darf die sozialpolitischen und soziokulturellen Beweggründe auch nicht außer acht lassen bzw. unterschätzen(!), denn keiner wird sich freiwillig in ein Land begeben, wo eine Kultur gepflegt wird, in der Andersartigkeit und Fremdheit als Störfaktoren wahrgenommen werden und in der das Schüren von Angst gegenüber dem Fremden zum (kultur)politischen Programm erhoben wird. Es sind deshalb nicht nur die Jobaussichten und die ökonomischen Vorteile alleine, die einer Abwanderung entgegenwirken bzw. eine Zuwanderung fördern. (Einmal abgesehen davon, dass auch sowieso nur dort die Jobs interessanter, vielfältiger und in der Regel auch besser bezahlt sind, wo das Leben vielfältig gelebt wird und die Offenheit gegenüber dem Fremden mehr gepflegt wird, als die Angst vor dem Fremden.)
Keiner wird sich freiwillig in eine Region begeben, die es nicht einmal zustande bringt ihre eigene kulturelle Vielfalt zu schätzen, die ihre eigene kulturelle Identität zwanghaft auf Heimat und Brauchtumspflege, Großevents und Kirchtagstourismus reduziert und sich auf ewiggestrige Werte festnagelt als ob es kein Morgen gäbe. Ein Land in dem also im Großen und Ganzen diejenigen Veranstaltungen gefördert werden, die der Politik nahe oder zumindest nicht im Wege stehen. Events bei denen die Politiker meist selbst anzutreffen sind und bei denen sie ihr rückwertsgerichtetes Gedankengut möglichst unkompliziert unter das von ihnen aufrechterhaltene `einfache´ Volk mischen können. Die Tatsache dass die populärpolitische Führung eines Landes einen kleinen aber umso bedeutenderen Teil seiner Identität leugnet, indem es einer rechtlich anerkannten Minderheit keine volle rechtliche Anerkennung erteilt, macht es zu einem traurigen und trauerndem Landstrich, der, so schön und herrlich er von außen auch erscheinen mag, innerlich in einem - wie auch immer gefärbten- Sumpf ersticken wird.
Aber man weiß, dass dies nicht nur ein Kärnten-spezifisches Problem ist, sondern eine Tendenz die auch andere österreichische und auch europäische Regionen betrifft. Es ist sogar ein globales Phänomen. Ballungszentren wirken wie unheimliche Magnete auf die Menschen und die ländlichen Regionen haben zunehmend mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen. Doch was sagt uns das? Warum fühlen sich immer mehr Menschen in Städten (abgesehen von den ökonomischen Vorteilen) offenbar besser aufgehoben als in der Provinz? Dies ist eine jener brennenden Fragen die sich die politisch Verantwortlichen stellen müssten! Ich, als einer von zigtausenden nach Wien abgewanderten jungen Kärntnern hätte dafür erste Antworten:
Viele junge Menschen ziehen u.A. auch in die Städte, weil dort dieses ewiggestrige Thema vom Fremd- und Anderssein nicht diese erdrückende Präsenz hat:
In ländlichen Regionen wie in Kärnten ist es oft schon ausreichend einen Beruf auszuüben der etwas exotischer ist (z.B. Künstler) oder Meinungen zu vertreten die nicht so in die tradierten Muster passen (z.b. ohne rel. Bekenntnis zu sein). Manchmal genügt es auch schon am `falschen´ Hof aufgewachsen zu sein, denn Nachbarschaftsstreitereien werden oft über Generationen weg vererbt und gepflegt. In einer gut verwalteten Großstadt wäre dies schon einmal Aufgrund der ausgeprägten Mobilität und des regen Umzugs viel seltener der Fall bzw. viel leichter zu überwinden. Eine falsche Tat in einem Dorf und am nächsten Tag weiß die ganze Dorfgemeinschaft Bescheid und behält dies auch oft bis in alle Ewigkeit für sich. Weil in den Metropolen eben Fremd mit Fremd immer schon auf engstem Raum miteinander auskommen musste und sich das Fremd- bzw. Anderssein des Anderen mit dem eigenen Fremd- bzw. Anderssein trifft, spielt es (natürlich auch nicht unabhängig davon welche Grundstimmung in einer Stadt herrscht) eine vielmehr bereichernde denn erdrückende Rolle. Dazu kommt dass man sich als junger Mensch in der Anonymität der Großstadt auch kleinere `Fehler´ leisten kann, für die man sich in der Provinz ein Leben lang rechtfertigen müsste.
Jene Politik von der insbesondere Kärnten gerade beherrscht wird, löst nicht sondern verstärkt alle diese negativen Tendenzen, weshalb man sich auch nicht wundern muss, warum die Sogwirkung der Großstädte (oder auch anderer offener ländlicher Regionen) immer stärker wird und junge Menschen einsaugt.
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